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Rundgänge vor der Abstimmung vom 14. Juni

Richtplanbefürworter hoffen auf Einbahnregime durch Uster

Was wäre möglich, wenn am 14. Juni die Ustermer den neuen Richtplan gutheissen würden? Die Befürworter laden zu Rundgängen. Etwa entlang der verkehrsgeplagten Zentralstrasse.

Eng sei es an der Zentralstrasse in Uster, finden die Teilnehmer auf einem Rundgang zur Richtplanabstimmung vom 14. Juni.

Foto: Christian Brändli

Richtplanbefürworter hoffen auf Einbahnregime durch Uster

Rundgänge vor der Abstimmung vom 14. Juni

Was wäre möglich, wenn am 14. Juni die Ustermer den neuen Richtplan gutheissen würden? Die Befürworter laden zu Rundgängen. Etwa entlang der verkehrsgeplagten Zentralstrasse.

20 Frauen und Männer versammeln sich bei schönstem Wetter am Donnerstag, 28. Mai, um 19 Uhr beim Central. Doch nicht ein Kulturbesuch steht auf dem Programm, sondern ein einstündiger Spaziergang entlang der Zentralstrasse und der Bahnhofstrasse.

Eigentlich ist das nicht gerade der schönste Ort für einen kleinen Bummel, schliesslich ist diese Strecke eine der Hauptverkehrsschlagadern in Uster. Und entsprechend lärmig. Doch genau um das aufzuzeigen, geht es dem früheren SP-Gemeinderat Andres Kronenberg. Er will erklären, was mit dem neuen Richtplan, über den am 14. Juni abgestimmt wird, möglich sein könnte.

Eng an der Zentralstrasse

In seinem Rundgang fokussiert er sich auf die Themen Mobilität und historisches Zentrum. In sechs anderen solcher Informationsanlässe beleuchten Befürworter die Auswirkungen des Richtplans etwa in den Bereichen Wohnen, Landschaft oder auch Bildung.

Doch diese Gruppe soll auf dem Fussweg vom Central vor die reformierte Kirche darauf achten, welche Konfliktpunkte es an der Zentralstrasse gibt. Oben angekommen, wird als Erstes zurückgemeldet, dass es eng sei.

Blick auf einige Leute, die an der Zentralstrasse in Uster miteinander sprechen.
Andres Kronenberg (SP, in der Bildmitte mit schwarzem T-Shirt) führt 20 Leute auf einem Rundgang durchs historische Zentrum von Uster.

Mit einigem Erstaunen merkt Kronenberg an, dass es an diesem Abend wenig Verkehr habe – und schiebt nach, dass diese Strassenzeile viel Potenzial hätte, wenn der Verkehr weg wäre. Oder zumindest weniger Autos. Etwa indem die Zentralstrasse zu einer Einbahnstrecke umfunktioniert würde. Dadurch, so der SP-Politiker, würde mehr Platz für die Velos geschaffen, die weiterhin in beide Richtungen zirkulieren können sollten. Und es würde sicherer und weniger laut.    

Kritische Fragen

Tatsächlich brummen dann doch noch einige Autos, Busse und Töffs vorbei, sodass die Kommunikation innerhalb der Gruppe akustisch nicht ganz so leichtfällt. Doch auch wenn die Teilnehmer an diesem Rundgang mehrheitlich zu den Befürwortern des Richtplans gehören, wie ein kurzes Umhören ergibt, fehlt es nicht an kritischen Bemerkungen. Und es wird diskutiert.

Der Gemeinderat hatte sich in der Richtplandebatte auf den Standpunkt gestellt, dass die Zentralstrasse beruhigt werden soll, allerdings erst, wenn die Moosackerstrasse gebaut ist. Doch deren Realisierung steht in den Sternen.

Eine Teilnehmerin, die beruflich als Gemeinwesenentwicklerin tätig ist, merkt zu den Beruhigungsplänen an, dass ihr Hauptverkehrsstrecken, auf denen der Autoverkehr kanalisiert würde, eigentlich lieber wären. Ansonsten gebe es nur Ausweichverkehr in die Quartiere. Kronenberg gesteht ein, dass der Gesamtverkehr nicht weniger werde, auch wenn er im Einbahnregime geführt werde.

Einige Rundgangbesucher wünschen sich einmal Testphasen mit einem solchen Einbahnverkehr, um Erfahrungen zu sammeln. Andres Ott, der für die SVP im Ustermer Gemeinderat sitzt und zu den Gegnern der Richtplanvorlage gehört, erinnert daran, dass 2005 wegen Bauarbeiten der Verkehr einspurig geführt worden war.

So wie früher

Von der Kirche geht es dann wieder zurück. Gegenüber dem Restaurant Ochsen zeigt Kronenberg einige Aufnahmen vom historischen Zentrum Uster, also an der Zentralstrasse. «Mit einer Einbahnstrasse liesse sich wieder eine solche Situation herstellen wie früher, als viele Gewerbebetriebe hier ihren Sitz hatten», meint der SP-Politiker.

Das scheint einem Teilnehmer dann doch etwas weit hergeholt, dass sich die Zentralstrasse wieder zum Zentrum machen liesse: «Uster hat sich seither verändert.» Und eine weitere Teilnehmerin findet, dass es mit weniger Verkehr hier nicht getan sei, für ein lebendiges Quartier brauche es mehr.

Eine Gruppe von Leuten steht vor dem Stadthaus Uster.
Einen kurzen Stopp auf seinem Rundgang legte Andres Kronenberg (SP) auch vor dem Stadthaus ein.

Und vor dem Stadthaus merkt die Gemeinwesenentwicklerin an, dass versiegelte Flächen, die häufig auf Kritik stiessen, auch nicht einfach nur schlecht seien. «Junge Skater suchen genau solche Flecken.»

Eine Unterführung für den Durchgangsverkehr

Beim Bahnübergang, wo die Bahnhofstrasse in die Brunnenstrasse übergeht, kommt Thomas Wälchli, Gemeinderat der Grünen, nicht nur auf die langen Barrierenschliesszeiten zu sprechen, die mit dichterem Fahrplan noch länger werden, also bis zu 37 Minuten pro Stunde. Hier, an der letzten Station des Rundgangs, unterstreicht der Kommunalpolitiker, dass ein Einbahnverkehr auf der Brunnenstrasse für mehr Sicherheit unabdingbar sei.

Während ein Zug vorbeifährt, stehen Leute in der Nähe des Bahnübergangs beim Bahnhof Uster.
An der letzten Station des Rundgangs am Bahnübergang Bahnhof-/Brunnenstrasse erklärte der grüne Gemeinderat Thomas Wälchli (mit dem schwarzen Kurzarmhemd in der Bildmitte) die Bedeutung des Durchgangsverkehrs an dieser neuralgischen Stelle.

Für Ott, den Gegner der Vorlage, wäre eine Steuerung des Verkehrsflusses beispielsweise mit einem Lichtsignal besser als ein Einbahnregime. Zudem brächte eine Aufteilung des Bushofs in einen Süd- und einen Nordteil auch eine Entlastung. Alle betonen aber, dass die geplante Unterführung Winterthurerstrasse für die Umleitung des Durchgangsverkehrs am meisten bringe.

Auf die Frage von Kronenberg an die versammelte Runde, woran man erkennen würde, was der Richtplan bewirkt habe, gibt es zwei Nennungen: weniger Lärm und weniger Angst als Velofahrer. Die abschliessende Einladung der Vertreter der Grünen, doch noch an ihren Stammtisch zu kommen, um weiter über den Richtplan zu diskutieren, findet kaum Resonanz: Schliesslich steht der Beginn des Hockeymatchs der Schweiz gegen Schweden an.             

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