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Historischer Bau wird publikumsfreundlicher

Ins uralte Ritterhaus zieht die Moderne ein

Ein Lift, eine Fluchttreppe und ein neues Museumskonzept: Das uralte Bubiker Ritterhaus unternimmt einen Schritt in die Moderne.

Das Ritterhaus soll noch mehr zum Publikumsmagneten werden, so wie hier am Maibaumtreffen der Volkstanzgruppe am Bachtel im Mai 2023.

Foto: PD

Ins uralte Ritterhaus zieht die Moderne ein

Historischer Bau wird publikumsfreundlicher

80 Jahre nach der letzten Grossrenovation erhält das Ritterhaus in Bubikon eine umfassende Auffrischung – und soll besser zugänglich werden.

Das Ritterhaus in Bubikon hat schon viel erlebt. Kein Wunder, gehen dessen älteste Bauteile doch ins ausgehende 12. Jahrhundert zurück. Über die Jahrhunderte wurde es ausgebaut, verändert und «modernisiert», also den jeweiligen Anforderungen und eben auch Moden der Zeit angepasst. 

Nachdem seit 2010 etappenweise bereits die Fassaden, das Gebälk und grosse Teile der Räume restauriert worden sind, nimmt der Verein Ritterhausgesellschaft nun eine weitere Etappe einer solchen Modernisierung in Angriff. Neue Vorschriften – insbesondere beim Brandschutz und aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes – erfordern zahlreiche Eingriffe.

«Und dann wollen wir auch das Museum selbst erneuern», hält Stefanie Fivian fest. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ritterhauses und leitet das Projekt für die Neugestaltung des Ausstellungsbetriebs.

Museum wird Erlebniswelt

«Die Art, wie ein Museum auszusehen hat, hat sich in den letzten 80 Jahren komplett gewandelt», unterstreicht Fivian. 1936 hatte die Ritterhausgesellschaft den historischen Gebäudekomplex übernommen und ihn nach zahlreichen Veränderungen überhaupt erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damals war ein Museum aus heutiger Sicht oftmals eine sehr trockene Angelegenheit. Durchgehen, anschauen, im besten Fall noch etwas kurz lesen – damit hatte es sich.

«In den 1990er Jahren wurde die Ausstellung dann sehr akademisch gestaltet, von Historikern für Historiker», meint Marco Zanoli. Er ist Präsident des Vereins Ritterhausgesellschaft, Kantonsschullehrer, Kartograph – und selbst Historiker.

In den letzten Jahren jedoch haben die Verantwortlichen damit begonnen, das Museum zu einer Erlebniswelt umzugestalten, vor allem mit Sonderausstellungen, Führungen, Spezialangeboten für Schulklassen, Kindergruppen, aber auch für Erwachsene.

Doch das Ritterhaus hat sich auch für andere Aktivitäten geöffnet. Schon lange kann dort geheiratet und können dort Feste gefeiert werden. Das Haus ist aber auch regelmässig Kulisse für Theateraufführungen, Konzerte, Vorträge oder den Wienachtsmärt. Im diesjährigen Veranstaltungskalender finden sich zudem Yogakurse, ein Fechtworkshop sowie Open-Air-Kino-Abende. Selbst Übernachtungen sind in dem alten Gemäuer möglich.

Besucherzahlen verdreifacht

Stolz weist Fivian darauf hin, dass sich die Besucherzahlen in den letzten acht Jahren verdreifacht haben. Von gut 5100 Personen im Jahr 2017 auf 14’706 im Jahr 2025. Auf diesem Weg soll es weitergehen, schliesslich möchten die Verantwortlichen einen möglichst kostendeckenden Betrieb. Auch darum wird das Ausstellungskonzept angepasst.

«Wir benötigen verschiedene Flughöhen. Es braucht beispielsweise kindgerechte Erklärungen, aber auch eine Version für den raschen Besucher oder Erläuterungen für die stärker Interessierten», meint sie. Mehrsprachige Angaben seien wichtig. All dies lasse sich mit unterschiedlichen schrfitlichen, visuellen und akustischen Vermittlungsformen erreichen. «Wichtig ist uns, dass die Besucher gerne wiederkommen.»

Ein Lift im uralten Gemäuer

Das Ritterhaus und seine Geschichte sollen aber nicht nur konzeptionell erlebbarer, sondern auch physisch leichter zugänglich werden. Gerade ältere Personen, die nicht so gut zu Fuss sind, haben laut Zanoli Mühe mit den vielen Treppen und Schwellen.

Und hier kommen den Ritterhaus-Verantwortlichen die baulichen Änderungen entgegen, die aufgrund neuer Vorschriften ohnehin vorgenommen werden müssen. So soll 800 Jahre nach dessen Bau im Gebäudeteil zwischen Komtur, dem Wohnhaus des Kommende-Leiters, und Ritterhausflügel ein Lift installiert werden. Über diesen können alle Stockwerke erreicht werden. Gleichzeitig wird damit das Catering im einhundert Leute fassenden, grossen Rittersaal massiv erleichtert. 

Die Lage des Lifts ist so gewählt, dass möglichst wenig historische Substanz beeinträchtigt wird. Jene Partie des Gebäudes wurde in den 1930er Jahren durch einen Brand, ausgelöst während Umbauarbeiten, bereits ohnehin am meisten geschädigt.

Kein Stolpern mehr beim Eingang

Laut Zanoli werden aber auch etliche Schwellen im Gebäude beseitigt. Und vor allem wird die sogenannte Katzenkopfpflästerung in der Bogenhalle, wo heute das Bistro mit Shop steht, nivelliert. Diese Pflästerung wurde erst bei der Renovation des Ritterhauses während des Zweiten Weltkriegs eingelassen. «Sie hat daher keinen historischen Bezug, diente doch die danebenliegende Trotte ursprünglich als Pferdestall. Die Rösser hätten einen solchen Belag nicht geschätzt», erklärt der Ritterhaus-Präsident.

Dieses Bistro mit der Eingangskasse, erst in den 1990er Jahren eingebaut, muss mit dem aktuellen Umbau bereits wieder weichen. Einerseits ist es viel zu klein, andererseits hat es Schaden angerichtet. Wegen der fehlenden Luftzirkulation ist es für die historischen Deckenbalken zu feucht geworden. Sie sind schon sichtlich gezeichnet.

Der Kiosk wird in die Trotte gezügelt werden, wo es viel mehr und auch geschützte Sitzplätze geben wird. Denn auch ein – wenn auch kleines – Restaurationsangebot ist für einen attraktiven Museumsbetrieb wichtig. 

Statt Abort nun eine Fluchttreppe

Ebenfalls ersetzt werden müssen die gesamten elektrischen Anlagen. Diese stammen teilweise noch aus den 1930er Jahren. Die sichtbarste Veränderung wird aber die Fluchttreppe sein, die hinter dem Haus zu stehen kommt, dort, wo einst der Abortanbau stand.   

Die Planung all dieser Veränderungen hat über zehn Jahre in Anspruch genommen. Zahlreiche Ämter wurden miteinbezogen. Von der Denkmalpflege her wird konstatiert, dass die Eingriffe «zurückhaltend und minimalinvasiv» erfolgen, sodass «die historische Substanz, die Raumabfolgen und die atmosphärischen Qualitäten des Ritterhauses weitestgehend erhalten bleiben».

Bei jeder Veränderung sei das Für und Wider abgewogen und verschiedene Varianten geprüft worden, erklärt Zanoni: «Die Langsamkeit und Gründlichkeit der Planung ist der Wichtigkeit des Gebäudes geschuldet.» Mittlerweile sei das Ritterhaus laut Denkmalpflege das wohl am besten untersuchte historische Gebäude im Kanton Zürich.

Bald stehen die Baugespanne

Was die ganze Renovation kosten wird, steht noch nicht genau fest. «Sicher über 10 Millionen, aber maximal 15 Millionen Franken», schätzt Zanoli. Das Baugesuch ist nun bei der Gemeinde Bubikon eingereicht worden. Am 6. Mai werden die Baugespanne gesteckt.

Am 27. Juni werden die rund 740 Mitglieder des Vereins Ritterhausgesellschaft Bubikon detailliert über das Bauvorhaben und die Museumserneuerung informiert. Liegt die Baubewilligung vor, wird die Finanzierung geklärt. Dies soll in erster Linie durch den Kanton erfolgen.

Eines der am besterhaltenen Ritterhäuser Europas

Das Ritterhaus Bubikon in der heutigen Form ist das Resultat einer langjährigen Bau- und Umbauzeit – und eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Ritterhäuser Europas. Ursprünglich als Niederlassung des Johanniterordens genutzt – als sogenannte Kommende oder Komturei –, veränderte sich das Gebäude unter dem Einfluss der Zeit. Den ältesten Kern der Anlage bilden das ehemalige Bruderhaus und die Kapelle der Kreuzfahrer. Sie wurden Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Das Haupthaus und der einst freistehende Flügel mit dem Rittersaal entstanden grösstenteils zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Ursprünglich dienten diese Hausteile dem Ordensleiter sowie seinem Verwalter und später den Zürcher Statthaltern als Wohn-, Arbeits- und Repräsentationsräume. Zuletzt erneuerte man das Haupthaus um 1570 im Stil der Renaissance.

#ffffff#1d1d1dnoneDas Ritterhaus Bubikon, wie es sich um 1530 präsentierte. Die Zeichnung stammt aus der Stumpf-Chronik.
Das Ritterhaus Bubikon, wie es sich um 1530 präsentierte. Die Zeichnung stammt aus der Stumpf-Chronik.

Das Sennhaus wurde um 1480 errichtet und 1570 für die Milchwirtschaft umgebaut. Im 19. und 20. Jahrhundert lebte hier wohl das Gesinde, weshalb der Gebäudeteil auch als Gesindehaus bezeichnet wird. Die Reformation in der Stadt Zürich brachte den katholischen Orden in eine schwierige Lage. 1528 wurde der Ordenskonvent aufgehoben. 1532 konnte der Orden die Kommende zwar wieder in Besitz nehmen, musste aber einen Zürcher Bürger als Verwalter sowie reformierte Pfarrer in seinen Kirchen einsetzen. Kommende und Herrschaft Bubikon blieben bis zu ihrem Verkauf 1789 im Besitz des Ordens. Danach wurden Teile der Anlage abgerissen oder als Privathäuser genutzt. 1936 übernahm die Ritterhausgesellschaft die Gebäude und renovierte das sogenannte «Ritterhaus Bubikon». 

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