Fair kämpfen à la Volketswil
Ufgschnappt
Flätterewätter mal anders: Auf dem Gutenswiler Pausenplatz wird gesittet mit Regeln gestritten und gekämpft. Zumindest vielleicht.
Ende Februar hätte Brian Keller seine Boxkarriere in Volketswil als offiziell lizenzierter Boxer feierlich starten wollen. Doch dazu kam es nicht. Die Gemeinde schritt ein und hatte dem Organisator der geplanten «Fight Night» Ende Februar im Kultur- und Sportzentrum Gries mit einem Veranstaltungsverbot gedroht.
Auf Gemeindegebiet finden jedoch nach wie vor Kämpfe statt – auf dem Pausenplatz. Damit dort keine zukünftig straffällige Schlägertypen herangezüchtet werden, gibt es im Downloadbereich der Schule Volketswil ein Dokument mit dem Titel «Regeln für faires Kämpfen», das die Dorfschule Gutenswil betrifft:
Ablauf:
- Wir melden uns vor dem Kampf bei der Lehrperson an.
- Wir kämpfen nur in der speziellen Zone (Pausenplatz, Wiese zw. Drülli und rotem Platz).
- Wir begrüssen uns vor dem Kampf.
- Wir verabschieden uns nach dem Kampf.
Fair kämpfen:
- Wir kämpfen nur 1:1.
- Wir kämpfen nur mit unseren Händen, ohne Stöcke und dergleichen.
- Wir respektieren die «Stopp»-Regel auch im Kampf.
Ich habe Fragen.
Wie steht es mit dem Publikum? Wie viele Mitschülerinnen und – schüler dürfen oder müssen rundherum stehen und «SCHLEEGI, SCHLEEGI», rufen? Vielleicht braucht es ja sogar wie bei Initiativen eine Mindestanzahl an Unterstützerinnen und Unterstützern, um einen Kampf zu fordern.
Gibt es Gewichtsklassen? Darf ein Sechstklässler einen Erstklässer verkloppen? Und umgekehrt? Gibt es einen Nachteilsausgleich für kürzere Arme? Vielleicht wäre dort der Fairness halber sogar angebracht, dass der Kleinere tatsächlich einen Stock, Knebel oder sonst eine Art Waffe benutzen darf – oder dann auf Stelzen laufen, um dem Gegner in die Augen zu blicken
Oder gibt es einen nötigen Notenschnitt? Muss man sich mit guten Noten den Zugang zu einem Kampf verdienen? Das wäre doch ein guter Ansporn, doch noch Franz-Voci zu büffeln, damit man dem Dummschwätzer aus der 5a eins auf die Nase hauen kann.
Gibt es überhaupt einen Gewinner und einen Verlierer? Wann ist der Kampf zu Ende? Sieg durch K.O. ist unwahrscheinlich, denn beide Parteien müssen schliesslich noch fähig sein, sich nach dem Kampf zu verabschieden. Einfach bis der erste Stopp ruft?
Gibt es ein Wettbüro? Was sind zugelassene Einsätze? Ein Pausenbrot oder die Übernahme einer mühsamen Ufzgi dürften hoch im Kurs sein.
Was macht die Lehrperson mit der Information, dass sich bald zwei Halbstarke vermöbeln? Muss sie beim Kampf dann auch anwesend sein? Vielleich muss man sich auch explizit melden, damit die Aufsichtspersonen bewusst den Blick abwenden können. Aber vor allem: Wie oft wurden solche Kämpfe denn wirklich angemeldet?
Eines ist sicher: Sollten Wetten akzeptiert werden, wette ich darauf, dass dieses Reglement noch nie eingehalten wurde.
