Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Gesellschaft

Fällanden verliert Dorfladen

Das Pfaffhüsli macht dicht, weil die zahlende Kundschaft fehlte

Erst beim Räumungsverkauf kamen die Kunden ins Pfaffhüsli. Auch Gemeindepräsident Tobias Diener war eher im Grossverteiler als im Dorfladen.

Das Pfaffhüsli sorgte für viel Gesprächsstoff in Fällanden. Nun ist der Quartierladen geschlossen.

Foto: David Marti

Das Pfaffhüsli macht dicht, weil die zahlende Kundschaft fehlte

Erst beim Räumungsverkauf kamen die Kunden ins Pfaffhüsli. Auch Gemeindepräsident Tobias Diener war eher im Grossverteiler als im Dorfladen.

Pfaffhausen steht wieder ohne Dorfladen da. Die Betreiber des Pfaffhüsli geben auf und schliessen den kleinen Lebensmittelladen mit 24-Stunden-Zugang und Café, wie auf «Inside Fällanden» zuerst berichtet wurde.

Aus finanziellen Gründen habe man sich dazu entschieden, sagt Elisabeth Ziegler, Präsidentin der Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen. «Wir hatten zu wenig Umsatz und zu wenig Frequenz.» Zwar sei insbesondere das Café als Treffpunkt «intensiv genutzt worden», aber zu wenige hätten dort etwas konsumiert.

Der unbediente Betrieb ist bei den Kunden nicht gut angekommen.

Elisabeth Ziegler

Präsidentin der Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen

Auf ihrer Website hat die Genossenschaft die Schliessung noch nicht publik gemacht. Immer noch zu finden ist der Hinweis auf Spenden für den Betrieb des Ladens. Gespendet hätten einige Leute in den letzten Jahren, sagt Ziegler, was für sie wichtig gewesen sei. Wie viel das letztlich ausgemacht hat, will sie nicht sagen.

Doch selbst diese Spenden haben das Pfaffhüsli, das in einem Gebäude im Besitz der Gemeinde einquartiert ist, nicht vor dem Untergang bewahrt. «Wir bedauern die Schliessung sehr», sagt Ziegler. Nun fehle ein Treffpunkt in Pfaffhausen. «Die Nachfrage nach einem solchen war auf jeden Fall da.»

Personalaufwand zu gross

Der Vorstand der Genossenschaft habe noch versucht, das Steuer herumzureissen. Diskutiert worden seien etwa die Vergrösserung des Cafés, verschiedene Kostensenkungen, Änderungen der Öffnungszeiten oder die Anfrage an die Gemeinde Fällanden nach einem höheren Unterstützungsbeitrag.

Bewegte Vorgeschichte

Ursprünglich war das Pfaffhüsli als reiner Unverpackt-Laden konzipiert, betrieben von der für diesen Zweck gegründeten Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen. An der emotionalen Gemeindeversammlung im Juli 2020 sorgten dann vor allem die Umbaukosten in Höhe von 490’000 Franken für Diskussionen.

Die Stimmberechtigten entschieden, das Geschäft an die Urne zu verlegen. Doch so weit kam es nicht. Der Bezirksrat schritt ein und hob den Versammlungsentscheid auf – weil er bei Gemeinderätin Maia Ernst (GLP) und dem mittlerweile zurückgetretenen Gemeinderat Pierre-André Schärer (parteilos) eine Interessenkollision ausmachte, da sie sich aktiv in der Genossenschaft engagierten.

Der Gemeinderat legte das alte Konzept daraufhin vorerst auf Eis und gleiste ein neues Projekt mit Unverpackt-Laden und Café auf. Im Mai 2021 schrieb er das Lokal neu aus, worauf erneut die Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen den Zuschlag erhielt.

Später wurden die Baukosten reduziert, wobei die Gemeinde den Grundausbau finanzierte und auch die Mieterin einen Teil berappen musste. Den dazu nötigen Kredit in Höhe von 200’000 Franken genehmigte der Gemeinderat im November 2021.

Trotz dem 24-Stunden-Service, der den Kunden nach einer Registrierung das Einkaufen im Laden jederzeit ermöglichte, war der Personalaufwand laut Ziegler gross. «Wir haben versucht, Montag bis Freitag das Pfaffhüsli öfters unbedient zu betreiben. Das ist aber bei den Kunden nicht gut angekommen.» Sie hätten Rückmeldungen erhalten wie: «Eine Kaffeemaschine mit Selbstbedienung habe ich auch zu Hause.»

Die Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen ist nun aufgelöst, die Kapitaleinlagen sind aufgebraucht. Der Entscheid sei an der letzten ausserordentlichen Versammlung einstimmig erfolgt. «Aufgrund der finanziellen Situation war die einhellige Meinung, dass wir nun die Konsequenzen ziehen und aufhören müssen.»

Am Ende haben die Betreiber ihre Waren zum halben Preis angeboten. Besonders bitter: «Plötzlich waren die Kunden da», sagt Ziegler.

Grossverteiler statt Dorfladen

Jährlich 25'000 Franken bekam das Pfaffhüsli von der Gemeinde. «Schade», sagt Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) zur Schliessung, «die Betreiber haben sich Mühe gegeben.»

Pfaffhausen hat sich zum Schlafdorf entwickelt.

Tobias Diener

Gemeindepräsident (FDP)

Diener, der in Pfaffhausen wohnt, gibt unverblümt zu: «Ich bin selber nicht allzu oft ins Pfaffhüsli gegangen.» Er gehe wegen des vollen Sortiments meist in den Coop oder die Migros. Eine gewisse Sortimentsbreite abzudecken und gleichzeitig Frischwaren anzubieten, wie es das Pfaffhüsli gemacht habe, sei nicht einfach.  

Rund 200'000 Franken hat die Gemeinde in die Sanierung der Liegenschaft an der Geerenstrasse 2 gesteckt, wo das Pfaffhüsli Ende November 2022 eröffnet wurde. Was nun mit den ehemaligen Ladenräumen geschehen soll, wird gemäss Diener derzeit im Gemeinderat diskutiert.

Wer kommt rein?

Es hätten sich jedoch bereits Interessenten bei der Gemeinde gemeldet. Die Frage, was diese dort beabsichtigten, beantwortet Diener nicht direkt. Er sagt jedoch: «Das Lokal in Wohnungen umzunutzen, wäre zwar theoretisch möglich, aber zu aufwendig.»

In den nächsten Wochen sollen Gespräche mit den Interessenten durchgeführt werden. Diener zeigt sich «vorsichtig optimistisch», dass es eine gute Nachfolgelösung gibt.

Für den Gemeindepräsidenten ist klar, dass Pfaffhausen einen Treffpunkt braucht oder – in seinen Worten – «ein kommunales Begegnungszentrum». So, wie es das Gemeinschaftszentrum Fällanden oder Benglen ist. Denn so was fehle im dritten Ortsteil. «Pfaffhausen hat sich zum Schlafdorf entwickelt.»

 

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns