Das Fällander Sorgenkind Pfaffhüsli ächzt im Endspurt
An der Geerenstrasse 2 in Pfaffhausen ist noch nicht viel los. Das passt Maria Ehlers nicht in den Kram. Die Frau, die im Vorstand der Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen ist, würde am liebsten schon mit dem Einrichten des «Pfaffhüslis» beginnen und schon bald erste Kunden im Geschäft empfangen. «Leider läuft noch nix», sagt Ehlers.
Weil das Ladenlokal der Gemeinde gehört, ist diese für grundlegende Sanierungsarbeiten verantwortlich. «Unter anderem müssen elektrische Anlagen wieder angeschlossen werden. Eine erforderliche Asbestuntersuchung wurde bereits in den letzten Wochen vorgenommen», sagt Ehlers. Es gebe regelmässige Bausitzungen mit der Gemeinde. «Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen richtig loslegen können.»
Finanzielle Auflagen der Gemeinde
Die Behörden machten gemäss Ehlers den Beginn der Arbeiten von der Kostenbeteiligung der Genossenschaft abhängig. 50’000 Franken sollte diese beisteuern, dann würde die Gemeinde 200’000 Franken für die Sanierungen freigeben. «Das Geld haben wir schon seit ein paar Wochen zusammen.»
Einerseits stammten die Mittel aus finanziellen Einlagen der Genossenschaft in der Höhe von 30’000 Franken. Andererseits aus dem Zustupf von zwei Stiftungen, die weitere 30’000 Franken beigesteuert habe, damit das «Pfaffhüsli» behindertengerecht eingerichtet werden kann. Also mit Rampen und rollstuhlgängiger Toilette.
Halb erfolgreiches Crowdfunding
Unabhängig davon hatte die Genossenschaft noch über ein Crowdfunding in den letzten zwei Monaten fast 44’500 Franken erhalten. Angesichts der Zahl spendender Personen, 134 waren es, scheint die durchschnittliche Summe pro Kopf von rund 400 Franken hoch. Ehlers bestätigt dies, entgegnet jedoch, dass einzelne Personen hohe Beträge mit mehreren Tausend Franken gespendet hätten. Die Genossenschaft selber habe sich nicht finanziell am Crowdfunding beteiligt.
«Auf solche On-top-Einrichtungen müssen wir leider verzichten.»
Maria Ehlers, Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen
Generell sagt Ehlers zu der Summe: «Natürlich hätten wir uns noch mehr gewünscht, aber wir sind sehr glücklich, dass wir das Crowdfunding erfolgreich abschliessen konnten.» Mit diesem Betrag lassen sich laut den Plänen der Genossenschaft die Renovation und der Umbau des Ladenlokals bezahlen. Weiter können Regale, Verkaufstheke, Kaffeemaschine oder eine Café-Einrichtung mit Tischen und Stühlen finanziert werden.
Dagegen muss die Genossenschaft einige Abstriche machen, weil sie das Finanzierungsziel von 80’000 Franken verpasst hat. Damit wäre etwa eine Terrasse im Aussenbereich oder eine Industriespülmaschine möglich gewesen. «Auf solche On-top-Einrichtungen müssen wir leider verzichten. Es sei denn es finden sich noch weitere Unterstützer – auch wenn das offizielle Crowdfunding abgeschlossen ist, darf gern noch weiter gespendet werden.»
Das Geschäft soll seine Tore wie ursprünglich geplant als Unverpackt-Laden öffnen, aber nicht nur. Auch gewöhnlich verpackte Lebensmittel will die Genossenschaft anbieten und den Dorfladen auch als Café betreiben. «Für Stammkunden wollen wir den Laden 24 Stunden zugänglich machen. Dafür benötigen wir ein spezielles Schliesssystem.»
Ungewisse Bauarbeiten
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Laut Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) sollen die Sanierungsarbeiten erst nach den Sommerferien am 22. August beginnen. «Dies war mit der Genossenschaft zuletzt so abgesprochen.»
Den dazu nötigen Kredit in der Höhe von 200‘000 Franken hat die Gemeindeversammlung vom letzten November genehmigt.
«Entscheidungen, die sich um das Ladenlokal drehen, sind vollständig von der Genossenschaft entflochten.»
Tobias Diener (FDP), Gemeindepräsident Fällanden
Das ganze Prozedere mit Baubewilligung und Baufreigabe dauere eben seine Zeit, sagt Diener. Doch nun fehlten nur noch einige technische Abklärungen etwa zum Thema Kanalisation oder dem energetischen Gebäudecheck .
Allerdings gebe es eine grosse Unsicherheit, weil es unberechenbare Lieferfristen für Baumaterialien , technische Installationen und Unternehmerleistungen gebe. «Das ist derzeit bei all unseren Bauprojekten das grosse Problem.» Fehlen wesentliche Komponenten, müsse man darauf warten. «Deswegen können wir zwar den Arbeitsbeginn festlegen, nicht aber das Ende der Bauarbeiten, das wäre fahrlässig.»
Die Gerichtsakte Pfaffhüsli
Bei der Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen handelt es sich um den gleichen Trägerverein, der bereits das erste Projekt des Gemeinderates betreiben sollte. Denn ursprünglich sah die Fällander Exekutive in der Liegenschaft an der Geerenstrasse 2 einen Unverpackt-Laden vor.
An einer emotionalen Gemeindeversammlung im Juli 2020 sorgten dann vor allem die Umbaukosten in der Höhe von 490’000 Franken für Diskussionen. Die Stimmberechtigten entschieden, das Geschäft an die Urne zu verlegen. Doch soweit kam es nicht. Der Bezirksrat schritt ein und hob den Versammlungsentscheid auf – weil er bei Gemeinderätin Maia Ernst (GLP) und dem mittlerweile zurückgetretenen Gemeinderat Pierre-André Schärer (parteilos) eine Interessenskollision ausmachte, da sie sich aktiv in der Genossenschaft engagierten.
Der Fällander Gemeinderat legte das alte Konzept daraufhin vorerst auf Eis und gleiste ein neues Projekt mit Unverpackt-Laden und Café auf. Im Mai 2021 schrieb er das Lokal neu aus, worauf erneut die Genossenschaft Quartierladen Pfaffhausen den Zuschlag erhielt.
Ein Interessenskonflikt bestehe seitdem nicht mehr, sagt Gemeindepräsident Tobias Diener (FDP) heute. «Entscheidungen, die sich um das Ladenlokal drehen, sind vollständig von der Genossenschaft entflochten.» Gemeinderätin Maia Ernst (GLP), die immer noch Teil der Genossenschaft ist, trete bei Bereitstellungen und Beschlussfassungen in den Ausstand und erhalte auch keinen Zugang zu Projektinformationen.
