Feldstecher, Leiter und Polizeikontrollen
Während des WEF postieren sich wieder Flugzeugliebhaber mit ihren Kameras um den Flugplatz Dübendorf. Dass die Planespotter dabei regelmässig ins Fadenkreuz von Polizisten geraten, nehmen sie gelassen hin.
Der Wirbel rund um das World Economic Forum (WEF) in Davos sorgt Jahr für Jahr auch auf dem Flugplatz Dübendorf für Aufsehen. Zahlreiche Jets, Helis oder Transportflugzeuge landen und heben hier wieder ab. Auch diese Woche herrscht reger Flugverkehr über der Stadt. Entlang dem kilometerlangen Maschendrahtzaun mit Stacheldraht bietet sich für Aviatikfans die Gelegenheit, das Geschehen zu verfolgen.
Ein Personenwagen mit deutschem Autokennzeichen fährt auf Höhe Einfahrt Gfenn auf das Gelände vor den Zaun. Ein Mann steigt aus, geht zum Kofferraum, packt eine Leiter aus und stellt sie hinter dem Wagen auf. Mit Kamera und Teleobjektiv ausgerüstet, steigt er die Leiter rauf und ruft einem Passanten zu: «Gulfstream!»
Gemeint ist ein Privatjet des Herstellers Gulfstream Aerospace, der gleich danach landet und vom Mann auf der Leiter fotografiert wird. Der Planespotter heisst Michael Schulz. Er ist extra wegen des WEF aus Frankfurt am Main angereist und hat sich in einem Hotel in der Nähe einquartiert. Den Dübendorfer Flugverkehr mache er über eine Flug-Tracker-Website aus, verrät er.
Schulz philosophiert noch ein wenig über den eben gelandeten Flugzeugtyp, der einige hundert Meter von ihm entfernt auf einen Abstellplatz manövriert wird. «Wenn man wie ich auf Flugzeuge steht, dann entwickelt man sich zu einem Experten.» Unbemerkt bleibt seine Faszination für die Flieger nicht.
Eine Patrouille der Kantonspolizei fährt an ihm vorbei. Die Polizisten mustern ihn, ohne anzuhalten. Er sei bereits kontrolliert worden. «Nett kontrolliert», wie Schulz betont. Die Polizisten hätten seinen Ausweis begutachtet und das Nummernschild fotografiert. Solange er hier den Zaun nicht beschädige, sei das alles kein Problem, hätten sie ihm noch gesagt.
Schreckschüsse bedeutet Flugverkehr
Ein bisschen weiter weg vom Geschehen steht Eugen Schärli. Auf einer Anhöhe am Rand der Überlandstrasse hält er Ausschau nach landenden Flugzeugen. «Ich bin diese Woche deswegen schon ein paarmal raus», sagt der Volketswiler und unterbricht sogleich das Gespräch: «Jetzt kommt einer!» Schärli nimmt das Flugzeug, das er als «Privatjet» ausmacht, ins Visier und drückt mehrmals ab.
Vorbereitet ist Schärli nicht bei seinen Ausflügen. «Es ist reiner Zufall. Ich weiss nicht, was mich erwartet.» Einen Hinweis auf baldige Aktivität vor Ort gibt ihm immerhin das Fahrzeug auf der Landepiste, das die Vögel in der Anflugzone mit Schreckschüssen verscheucht. «Jetzt kommt ein Helikopter …», Schärli fotografiert, «es ist ein Super Puma.»



Er sei in den letzten Jahren während des WEF meist hier gewesen, um zu fotografieren. Doch sein spektakulärstes Ergebnis am Flugplatz war zu Beginn der Corona-Zeit, als Swiss-Flieger von Kloten nach Dübendorf umgesiedelt wurden.
Dübendorf besser als Kloten
Das war auch für Bernhard Merk ein bleibendes Erlebnis. Der Schaffhauser steht mit Zigarre im Mund auf einem Parkplatz neben der Überlandstrasse und starrt durch seinen Feldstecher auf einen Privatjet. Das Flugzeug ist eben gelandet und befindet sich nur etwa 100 Meter vom Zaun entfernt.
«Ich interessiere mich generell für die Luftfahrt», sagt Merk. Das Spektakel rund ums WEF wollte er sich nicht entgehen lassen, deswegen war er vor Dübendorf auch schon am Flughafen Zürich. Sogar einen E-Scooter hat er im Kofferraum, um die Distanzen rund um den Flughafen schneller bewältigen zu können. Ob er den auch in Dübendorf einsetzt, weiss er noch nicht.
Einen gewichtigen Nachteil gegenüber Dübendorf hat Merk beim Wetter ausgemacht. Während in Kloten dicker Nebel herrsche, scheine hier die Sonne. «Kalt ist es trotzdem», sagt er und schaut wieder durch den Feldstecher.
Von der Polizei kontrolliert
Die Kälte spüren offenbar auch andere Personen, die auf dem Parkplatz in ihren Autos sitzen bleiben und auf die Landepiste blicken. Einer von ihnen steigt doch noch kurz aus, um eins zu rauchen. Der Mann erzählt, dass eben die Polizei hier gewesen sei, um nach dem Rechten zu sehen.
Bekanntschaft mit der Polizei macht heute ein Schwerzenbacher, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Ein Fahrzeug hält in der Nähe seines Standorts bei der Tankstelle Gfenn Benzin Shop. Es steigen zwei Polizisten aus. «Personenkontrolle», sagt einer und fragt freundlich nach dem Ausweis. Der Ausweis wird gescannt, und zusätzlich will der Uniformierte noch einen Blick in den Rucksack des Mannes werfen. Dieser plaudert noch ein bisschen mit den beiden über Trump. Man wünscht sich einen guten Tag, und die Polizei fährt davon.
Für den Schwerzenbacher ist das ganze Schauspiel rund ums WEF nichts Neues. Er habe bereits als Security und Limousinenfahrer in Davos gearbeitet. Nun beschränkt er sich darauf, durch seinen Feldstecher aus dem Zweiten Weltkrieg, den er von seinem Schwiegervater bekommen hat, die Abflüge und Ankünfte der Flugzeuge zu beobachten.