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Gegroundete Swiss-Maschinen heben ab

Nach drei Monaten hat der Flugplatz Dübendorf als Standplatz für die eingemotteten Flieger ausgedient. Heute früh hat die Swiss begonnen, die insgesamt 14 Maschinen zurück zum Flughafen Zürich zu fliegen.

Eine Maschine der Swiss hebt in Dübendorf ab mit Ziel Kloten., Captain Michael Nagel (links) und Co-Pilot Martin Gerber vor dem Start. (Bild. Christian Merz), Bevor sie zur Piste rollen, winken die Piloten aus dem Fenster., Bis Mittwochabend sollen sämtliche Maschinen der Swiss den Flugplatz Dübendorf verlassen. , Co-Pilot Martin Gerber macht einen letzten Check aussen an der Maschine.

Christian Merz

Gegroundete Swiss-Maschinen heben ab

Die Triebwerke einer A321 drehen hoch. Nach langer Zeit nicht für einen Triebwerkstest, sondern für einen Flug. Drei Monate stand die Maschine der Fluggesellschaft Swiss auf dem Flugplatz Dübendorf am Boden. Im Cockpit sitzen der Pilot Michael Nagel und sein Co-Pilot Martin Gerber. Sie sind mit den letzten Vorbereitungen für den Flug zum Flughafen Zürich beschäftigt. Auch wenn es nur rund 20 Minuten Flugzeit sein werden, müssen sie genauso viele Checklisten abarbeiten, wie bei einem Flug von Zürich nach Stockholm.

Es sei ein sehr schönes Gefühl, die Maschinen, die lange auf dem Flugplatz parkiert waren, wieder zurück zur «Home Base» (Heimbasis) zu fliegen, sagt Nagel. «Wir Piloten lieben unser Handwerk. Leider konnten wir in den vergangenen Monaten nicht viel fliegen.» So habe er während dem Lockdown nur vier Flüge pro Monat absolvieren können. Der Flug von Dübendorf nach Zürich ist für Nagel und Gerber deshalb ein spezieller, weil die Rückflüge den Auftakt zur Wideraufnahme des Flugbetriebs markieren. «Es ist auch ein aussergewöhnlicher Flug, weil wir die Begebenheiten des Flugplatzes Dübendorf nicht gut kennen», sagt Nagel.

Winken aus dem Cockpit

Kurze Zeit später zieht ein Schleppfahrzeug die Maschine mit der Kennung HB-IOD zur Piste 11. Die Piloten winken aus den Cockpit-Fenstern – fast so, als ob das Flugzeug zu seinem Jungfernflug starten würde. Wenig später beschleunigt das Flugzeug in Richtung Süd-Südost und hebt ab. Die Route wird die zwei Piloten fast bis zum Pfäffikersee führen, ehe sie eine Linkskurve fliegen werden. Nach Frauenfeld werden sie erneut nach links drehen und schliesslich auf der Piste 14 des Flughafens Zürich landen.

Am Boden derweil steht neben den noch parkierten Maschinen Peter Rothen. Auch er ist Captain bei der Swiss. Er erklärt, dass die Piloten in der Luft nicht viel Zeit hätten, um den Flug zu geniessen. «Sie arbeiten während diesem Flug mehrere Checklist-Seiten ab.» Dabei gehe es vor allem darum zu überprüfen, ob die verschiedenen Parameter des Flugzeugs in Ordnung sind.

«Ich habe es sehr genossen, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen – das hat gut getan.»

Peter Rothen, Captain Swiss Airlines

Bis Mittwochabend werden alle 14 Maschinen der Swiss und die verbleibenden drei Maschinen der Fluggesellschaft Edelweiss den Flugplatz verlassen haben. Nur noch vier Flugzeuge der Fluggesellschaft Helvetic bleiben vorerst in Dübendorf.

Mehr Zeit mit der Familie

Obwohl er in den vergangenen drei Monaten kaum geflogen sei, habe er viel zu tun gehabt, sagt Rothen. Als Vertreter der Flottenführung hat er in einem Teilpensum Büroarbeit im Home Office geleistet. «Ich habe es sehr genossen, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen – das hat gut getan.» Denn im Normalbetrieb sei ein Pilot bekanntlich nicht viel zuhause.

Der Grossteil seiner Kollegen habe im Gegensatz zu ihm gar nicht gearbeitet, sagt Rothen. Nur insgesamt 40 Piloten der A320-Flotte, knapp ein Zehntel, seien während dem Lockdown geflogen. «Deshalb muss jeder Pilot, der mit der Wideraufnahme wieder in die Luft geht, vorher in den Flugsimulator», sagt Rothen. Die Länge des Trainings dort hänge davon ab, wie lange ein Pilot nicht geflogen sei. Die Swiss plant, dass rund die Hälfte der Piloten bis Ende Juli wieder normal arbeitet.

«Disziplin ist hoch »

Doch kann angesichts der geltenden Hygienevorschriften bereits von Normalität im Flugbetrieb gesprochen werden? Peter Rothen hat kürzlich zwei Linienflüge geflogen und sagt, dass diese Flüge «ruhig verlaufen» seien. «Die Leute wirken sensibilisiert und die Disziplin ist hoch.» So würden über 95 Prozent der Passagiere an Bord Masken tragen, obwohl es keine Pflicht gebe. Er und sein Co-Pilot tragen nur Schutzmasken während des Ein- und Aussteigens der Passagiere. «Im Cockpit ist das Tragen einer Maske nicht empfohlen und aus technischen Gründen ohnehin nicht machbar.»

Auf dem Flugplatz Dübendorf ist inzwischen eine weitere Swiss-Maschine mit Ziel Kloten abgehoben. Bevor die zurückgeholten Maschinen im Linienbetrieb eingesetzt werden können, werden sie am Flughafen einer weiteren Wartung unterzogen. Peter Rothen wird am Dienstag selbst eine Maschine zurück nach Zürich fliegen. Er freue sich bereits auf den kürzesten Flug seiner Karriere, sagt er. Am Sonntag wird der Pilot bereits wieder etwas länger im Cockpit sitzen. Seine Arbeit führt ihn dann nach Porto in Portugal.

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