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Heimatschutzgesellschaft baut um

Ein Projekt mit Weitsicht: Modern wohnen im historischen Stedtli Grüningen

Die Heimatschutzgesellschaft Grüningen baut aktuell das historische Gerichts- und Mangihaus im Stedtli um. Mit dem Ziel eines modernen, gemeinschaftlichen Wohnkonzepts.

Beat Hofmann (links) und Walter Pfister stellen ihr geplantes Leuchtturmprojekt vor: Im Stedtli soll zukünftig modern gewohnt werden.

Foto: Marie Fredericq

Ein Projekt mit Weitsicht: Modern wohnen im historischen Stedtli Grüningen

Die Heimatschutzgesellschaft Grüningen baut aktuell zwei historische Gebäude, das Gerichts- und das Mangihaus, im Stedtli um. Mit dem Ziel eines modernen, gemeinschaftlichen Wohnkonzepts.

Wohnraum ist knapp und teuer – ein Problem, das auch im Oberland angekommen ist. «Es muss neue Formen des Zusammenlebens geben, um dem entgegenzuwirken», sagt Walter Pfister, Präsident der Heimatschutzgesellschaft (HSG) Grüningen.

Als sich der langjährige Mieter des geschichtsträchtigen Hauses an der Stedtligass entschied, umzuziehen, eröffnete sich für die HSG eine Möglichkeit dafür. «Wir mussten die Gebäude und Räume ganz neu denken – und da machte es Sinn, auf aktuelle Engpässe einzugehen und neue Ideen einzubringen.»

Der Umbau des ehemaligen Gerichtshauses und des Mangihauses.
Aktuell ist auch diese Liegenschaft noch vom Durchgangsverkehr betroffen – dank isolierten Fenstern aber nur unmerklich.

In Zukunft soll im ehemaligen Gerichts- und im angrenzenden Mangihaus nicht mehr nur eine Partei leben. Vielmehr will die HSG im historischen Grüninger Stedtli ein Leuchtturmprojekt realisieren. Neben einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Gemeinschaftsraum entstehen in den beiden Gebäuden aktuell sieben einzeln bewohnbare Zimmer mit geteilten Bädern, eine riesige Gemeinschaftsküche sowie ein herrschaftlicher Gemeinschaftssaal.

Es ist ein Projekt, das modernes Wohnen nach Grüningen bringen soll.

Sieben Zimmer, sieben Bewohner

«Sieben Menschen sollen im besten Fall im April 2026 hier einziehen», sagt HSG-Vizepräsident Beat Hofmann. Seit 1964 sind die Gebäude im Besitz der Heimatschutzgesellschaft. Doch bis die Räume wieder belebt werden, müssen die geschichtsträchtigen Häuser an der Stedtligass, schräg gegenüber vom Gemeindehaus Grüningen, noch auf Vordermann gebracht werden.

Geplant sind drei Wohneinheiten (Clusterwohnungen) mit je zwei Zimmern, die sich ein Bad teilen, sowie eine weitere 1-Zimmer-Einheit mit Bad. «Wir könnten uns vorstellen, dass in den 2-Zimmer-Einheiten Pärchen einziehen könnten oder eine Mutter mit einem Kind im Schulalter», sinniert Hofmann.

Da alle Zimmer einen eigenen Eingang haben, könnten sie auch einzeln vermietet werden. «Es wird sich dann zeigen, wie die Zimmer genau aufgeteilt und genutzt werden.» Nun gelte es erst einmal, den Umbau voranzutreiben.

Für den guten Haussegen

Neben den Badezimmern, die von je zwei Zimmern geteilt werden, bietet das Haus eine riesige, moderne Gemeinschaftsküche und einen Gemeinschaftsraum im obersten Stock. «Wer diesen Raum betritt, merkt sofort: Hier hängt Geschichte in der Luft», sagt Hofmann freudig.

Kein Wunder, fühlt man sich im zukünftigen «Wohnzimmer» in eine andere Zeit zurückversetzt – das ehemalige Gerichtshaus und das Mangihaus blicken auf eine lange Vergangenheit zurück.

Das Gerichtshaus wurde 1363 vom Adligen Ulrich von Aspermont als Haus mit Turm erbaut und diente im Lauf der Jahrhunderte unterschiedlichen Zwecken: als Gerichtsstätte, Taverne, Sekundarschule, Postbüro und Fremdarbeiterunterkunft. 1968 übernahm die Heimatschutzgesellschaft (HSG) Grüningen das Gebäude und richtete es nach einem Umbau 1974/1975 unter Architekt Hans Suter zu einem Wohnhaus mit neun Zimmern um. Über 40 Jahre war es an dieselbe Familie vermietet, steht nun aber vor einer umfassenden Sanierung. Das Mangihaus entstand ab 1670 als Färberschopf und wurde 1910 zu einem Wohnhaus mit Verbindung zum Gerichtshaus umgebaut. 1966 hatte die HSG bereits dieses Gebäude gekauft, liess es jedoch wegen des schlechten Zustands 1969 abbrechen und als neues «Lädelihaus» wiederaufbauen. Rund 40 Jahre wurde es gewerblich genutzt, bis die HSG es vor etwa zehn Jahren zur Chronikstube und für Vorstandssitzungen umfunktionierte. Heute steht eine aktive gesellschaftliche Nutzung im Raum, da das Gebäude kaum verwendet wird und Einnahmen entgehen. (zo)

Wie die Gemeinschaftsküche und das Wohnzimmer eingerichtet werden, bliebe der zukünftigen Mieterschaft überlassen. «Es ist uns wichtig, dass hier ein echtes Zusammenleben entsteht, mit einer guten Balance zwischen Privatsphäre und Gemeinschaftlichkeit», sagt Hofmann.

Und für den guten Haussegen hat die HSG bereits mitgedacht: Es soll ein Hausausschuss, bestehend aus Mitgliedern der HSG, aus der Verwaltung und Vertretern der Hausgemeinschaft, gegründet werden, der sich regelmässig trifft. «Es ist ausserdem geplant, dass im zukünftigen Mietpreis eine Putzkraft inkludiert ist, die einmal wöchentlich die gemeinsam genutzten Räume sauber hält.»

Ein Stedtli, das aufblüht

Die zukünftige Wohngemeinschaft soll also nicht nur modernes, sondern auch bezahlbares Wohnen in den historischen Häusern und inmitten des Stedtli ermöglichen. «Wir werden pro Zimmer voraussichtlich unter 1000 Franken Mietpreis bleiben», erklärt Hofmann.

Zusätzlich soll der Gemeinschaftsraum im untersten Stock auch der breiten Bevölkerung zugänglich werden.

«Dieser Raum ist abgeschnitten von den Wohnräumen. Hier könnten wir uns ein kleines Café vorstellen, einen Raum für Vereinsversammlungen, einen Kursraum für Hobbys, so etwas in der Art», sagt HSG-Präsident Walter Pfister. Es werde sich zeigen, was für die Grüninger Bevölkerung am attraktivsten sei. «Besonders mit der Umfahrung könnte das ein neuer Treffpunkt werden.»

Der Umbau des ehemaligen Gerichtshauses und des Mangihauses.
Im untersten Stock des Mangihauses, direkt angrenzend an die Stedtligass, soll ein Raum entstehen, der für die gesamte Bevölkerung zugänglich ist.

Und so machen sich nicht nur die Gemeinde, sondern auch weitere Akteure in Grüningen bereits heute Gedanken, wie das Stedtli mit der Umfahrung und der Calatrava-Brücke aufblühen könnte. Dazu will auch die HSG einen Beitrag leisten und investiert (bis dato) satte 700’000 Franken in die Renovation der Häuser mit dem modernen Wohnkonzept.

«Es ist uns einfach wichtig, dass das Stedtli lebt. Und das tut es nicht, wenn hier zwar gut zahlende, aber nicht integrierte Mieter leben, die selten da sind und sich nicht am Grüninger Dorfleben beteiligen.»

Wenn das Interesse am Wohnkonzept knapp sei, könne auch anders vermietet werden. Zudem sei ein Bed and Breakfast ebenfalls möglich in den Räumlichkeiten.

Doch so weit wolle man noch gar nicht denken. Die beiden sind nämlich fest davon überzeugt, dass das Wohnkonzept Zukunft hat. «Der Platz wird besser genutzt, der Preis ist bezahlbar, und es ermöglicht ein soziales Zusammenleben auf einer neuen Ebene», erklärt Hofmann.

Eine demografisch durchmischte Mieterschaft, das wünschen sich die HSG-Vorsitzenden. Für ein Haus, in dem gelebt wird – und ein Stedtli, das aufblüht.

Informationsveranstaltung

Die Heimatschutzgesellschaft Grüningen informiert am 26. November um 19.15 Uhr im Café des Schlosses Grüningen über das Projekt und dessen Inhalte. Anschliessend findet eine Begehung der Baustelle statt.

Interessierte können ohne Anmeldung an der Veranstaltung teilnehmen.

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