Das «Chelleland» in Saland ist zurück
Einziges Lokal im Dorf
Nach langer Pause öffnet das «Chelleland» seine Tore wieder. Pächter Ernst Giger setzt auf Pizza, regionale Spezialitäten – und auf die Idee, ein Treffpunkt für alle zu sein.
15 Monate lang war es still in Salands Gastronomiewelt, kein Tisch mehr gedeckt, kein Menü gekocht, kein Kaffee serviert. Das einzige Restaurant im Dorf, das «Chelleland», stand leer. Dies, nachdem der frühere Pächter Reto Wüthrich in Pension gegangen war. Lange war fraglich, ob wieder ein neuer Pächter gefunden werden kann. Nun kehrt neues Leben in die Gaststube zurück: Ernst Giger hat das Lokal übernommen.
Er sah das Potenzial
Der Gastronom ist seit der Schliessung einige Male am verwaisten Restaurant vorbeigegangen. «Saland ist ein grosses Dorf, ohne Restaurant – und direkt gegenüber entstehen neue Wohnungen. Da dachte ich mir: Das ist eine Chance.»
Tatsächlich wachsen nebenan auf dem Areal der abgerissenen Schinkenräucherei der Familie Lötterle Wohnhäuser heran. Insgesamt 24 Wohnungen werden dort gebaut; die Eigentumswohnungen sind bald bezugsbereit, die Mietwohnungen sollen im März bewohnbar sein. Giger hofft somit auf zusätzliche Kundschaft.
Zuvor war Giger im «Adler» in Grüningen als Servicefachangestellter tätig. Als die Eigentümer ihren Rückzug ankündigten, machte auch er sich auf die Suche nach einer neuen Aufgabe. Fündig wurde er in Saland.
Hier bot sich ihm die Gelegenheit, in einem frisch renovierten Betrieb neu anzufangen. «Der Eigentümer hat die Inneneinrichtung während der Schliesszeit umfassend saniert», erzählt Giger.
Für das kulinarische Angebot aber ist nun er verantwortlich. Dort will der Gastronom eigene Akzente setzen: Herzstück ist der Holzofen, nach ein paar Jahren Ruhepause steht deshalb auch wieder Pizza auf der Speisekarte. «Die Leute wollen Pizza essen», ist Giger überzeugt.
Ein kleines Stück Graubünden
Die Menükarte ergänzt der waschechte Bündner mit frischer und saisonaler Küche. Einzig die Capuns, eine Spezialität aus Gigers Heimat, werden tiefgefroren geliefert von einer Bekannten in Sedrun. «Das ist aber eines der wenigen Produkte aus dem Tiefkühler», betont er.
Gigers Motivation, auch nachmittags geöffnet zu haben, ist so simpel wie gastfreundschaftlich: «Ich möchte ein Treffpunkt für alle sein.» Deshalb soll das «Chelleland» auch durchgehend geöffnet sein. Jassrunden und Familien sind ebenso willkommen wie spontane Spaziergänger, die auf einen Kaffee einkehren.
«Die Antrinkete Anfang September war ein voller Erfolg», freut sich der 57-jährige Pächter. Obwohl zeitgleich auch das Baumerfest gefeiert wurde, sei die Terrasse des «Chellelands» voll gewesen. «Den Leuten gefällts», sagt Giger.
Die Umgebung abgecheckt
Konkurrenzdenken liegt dem Pächter fern. «Ich habe geschaut, was die anderen Restaurants in der Umgebung anbieten. Deshalb habe ich bewusst kein Cordon bleu und kein Fondue Chinoise auf die Karte genommen.»
Stattdessen setzt Giger auf eigene Spezialitäten, etwa den Flambi-Spiess, Schweins- oder Rindsfilet, das direkt am Tisch flambiert wird. «Wir Wirte in der Umgebung sollten miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.»
In der Küche steht Ehsany Aref, ein erfahrener Koch aus Afghanistan, der zuvor als Küchenchef im «San Marco» in Rapperswil tätig war. «Hier im Tösstal schätze ich es, dass der Betrieb etwas ruhiger ist», sagt er. Sein persönlicher Favorit? «Die Tagliatelle Chelleland mit Steinpilzen, Kalbfleisch und Kräutersauce.»
Mit Giger, Koch Aref, einem Pizzaiolo und einer Serviceaushilfe hat das «Chelleland» nicht nur ein neues Team, sondern auch eine klare Ausrichtung: unkompliziert und gastfreundlich. Nach langer Durststrecke hat Saland seinen Treffpunkt zurück – und somit vielleicht auch ein Stück Dorfleben mehr.