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Mehr Nachtruhe im Zentrum

Glocken der Betonkirche in Effretikon schweigen neu in der Nacht

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Illnau-Effretikon passt ihre Läutordnung an. Doch nicht überall gelten die gleichen Regeln.

Ab dem 1. September läuten die Glocken der reformierten Kirche in Effretikon nachts nicht mehr.

Foto: Melanie Duchene

Glocken der Betonkirche in Effretikon schweigen neu in der Nacht

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Illnau-Effretikon passt ihre Läutordnung für den Standort Effretikon an. In Illnau und Kyburg bleibt der Stundenschlag nachts bestehen.

Seelenabschussrampe oder auch Giraffentränke – so wird der markante Kirchturm, der das Effretiker Zentrum überragt, im Volksmund genannt. Das reformierte Kirchengebäude auf dem Rebbuck entstand zwischen 1959 und 1961 nach Plänen von Architekt Ernst Gisel und sorgte damals wegen seiner eigenwilligen Formen und des vielen Betons für grosse Diskussionen in der Bevölkerung.

Eine Diskussion der etwas anderen Art lösten in letzter Zeit die Kirchenglocken respektive ihr Geläute aus. Ende 2024 schrieb die örtliche Kirchenpflege in einer Mitteilung, dass es vermehrt Anfragen dazu von Neuzuzügern gegeben habe. Das Effretiker Zentrum wird aktuell baulich verdichtet, sodass viel neuer Wohnraum entsteht.

In der Folge lancierte die Behörde eine Onlinebefragung zum Glockengeläute der insgesamt drei Kirchen auf Gemeindegebiet. Mit dem Ergebnis, dass sich von den teilnehmenden 326 Personen schliesslich 58 Prozent gegen eine Anpassung des aktuellen Geläutes aussprachen. 42 Prozent – vor allem aus Effretikon – wünschten sich hingegen eine Reduktion, insbesondere während der Nachtstunden.

«Nachtruhe in der Stadt stärken»

Ein Wunsch, dem die Kirchgemeinde nun mit einer Anpassung der Läutordnung per 1. September nachkommt. Ab dann werden die Glocken der Kirche im städtischen Effretikon beim Stunden- und Viertelstundenschlag zwischen 22.01 und 5.59 Uhr künftig schweigen. Damit solle die Nachtruhe in der Stadt gestärkt und gleichzeitig die Tradition gewahrt werden, schreibt die Kirchenpflege dazu. Im dörflichen Illnau hingegen bleibt der nächtliche Stundenschlag bestehen. Gleiches gilt für die Aussenwacht Kyburg, wo die Schlossuhr mit ihren Stundenschlägen die Zeit angibt.

Diese Lösung nehme Rücksicht auf die Wünsche der jeweiligen Bevölkerung und berücksichtige zugleich die unterschiedlichen Gegebenheiten der drei Kirchen, so die Kirchenpflege. «Die Glocken bleiben in ihrem Charakter und ihrer Bedeutung erhalten – sie erklingen aber bewusster, rücksichtsvoller und angepasst an das heutige Leben.»

Die Auswertung im Detail

Am häufigsten wurde in der Umfrage das Glockengeläute mit Tradition (207 Nennungen) verbunden, gefolgt von Zeitansage (187) und Heimat (173). Weitere häufig genannte Begriffe sind Kulturerbe (117), Feierlichkeit (113) und Orientierung (93). 83 Personen empfinden das Glockengeläute hingegen schlicht als Lärm.

Unter den Umfrageteilnehmern, die sich für eine Anpassung der Läutordnung aussprachen, wünschten insgesamt 99 Personen einen Verzicht auf den Stunden- und Viertelstundenschlag zwischen 22 und 7 Uhr mit Ausnahme von Feiertagen. 79 Personen plädierten für eine Verkürzung des Einläutens von Gottesdiensten auf 10 Minuten statt 15 Minuten. 57 Personen machten sich für eine Reduktion des Bestattungsläutens von 15 auf 10 Minuten sowie den Verzicht auf das dreiminütige Vorläuten stark. Die Frage, ob das Programm des Läutens bei den drei Kirchen künftig einheitlich sein soll, beantworteten 42,6 Prozent mit Ja.

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