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Stadtentwicklung in Illnau-Effretikon

Im Zentrum von Effretikon wird ab- und aufgebrochen

Vertrautes verschwindet, Neues entsteht: Das Jahrheft 2025 gibt einen Einblick in den Verdichtungsprozess in Effretikon.

Das Cover des «Jahrhefts 2025» mit der ehemaligen Druckerei Effretikon (oben links), dem Westflügel des Rütlihofs (unten links) und dem Baufeld Rosenhof (rechts).

Foto: PD – Hotzehuus-Verein

Im Zentrum von Effretikon wird ab- und aufgebrochen

Stadtentwicklung in Illnau-Effretikon

Vertrautes verschwindet, Neues entsteht: Das «Jahrheft 2025» gibt einen Einblick in den Verdichtungsprozess in Effretikon.

Almut Berger

Was derzeit rund um den Bahnhof Effretikon geschieht, beschäftigt die Gemüter. Warum werden grosse Teile des Zentrums abgerissen? Wie lange dauert diese Bauerei noch? Und gehen die wenigen Treffpunkte jetzt auch noch verloren? Diesen und anderen Fragen geht das «Jahrheft der Stadt Illnau-Effretikon 2025» nach. Und dokumentiert so zum ersten Mal in seiner Geschichte einen laufenden Prozess.

Die aktuelle Entwicklung markiert die zweite grosse Gestaltungsphase nach den 1960er und frühen 1970er Jahren. Binnen kurzer Zeit schnellte die Einwohnerzahl von Illnau-Effretikon von rund 6000 auf 14’000 Personen. Anders als damals, als auf der grünen Wiese gebaut wurde, wird heute jedoch vor allem verdichtet.

Kompakte Ortszentren mit einer hohen Wohnqualität, einer lebendigen Durchmischung von Dienstleistungsangeboten und Aussenflächen, die zum Begegnen und Verweilen einladen – so lautet die Vision des Stadtrats. Statt der aktuell rund 17’800 soll Illnau-Effretikon bis 2030 19’000 Einwohnende zählen.

«Stapi» hofft auf frische Impulse

Als gebürtiger Effretiker erachte er die Neuentwicklung des Zentrums als überfällig, schreibt Stadtpräsident Marco Nuzzi (FDP) im Vorwort zum neuen «Jahrheft». Er räumt aber auch ein, dass sich nicht alle mit der neuen Architektur oder der höheren Bebauungsdichte anfreunden können.

«Nicht alle können sich die neuen Wohnungen im Zentrum leisten. Und auch der Rückgang des Einzelhandels lässt sich durch die baulichen Massnahmen nicht stoppen.» Trotzdem hofft er, dass die Umgestaltung frische Impulse setzt.

Die Visualisierung zeigt, wie die beiden Zentrumsgebiete, getrennt durch die Bahnlinie, künftig aussehen sollen.
Die Visualisierung zeigt, wie die beiden Zentrumsgebiete, getrennt durch die Bahnlinie, künftig aussehen sollen. Während die Westseite eine bewegte Silhouette erhält, wirkt die Ostseite aufgrund der einheitlichen Höhen ruhiger.

Zu Wort kommen auch die aktuelle Stadtplanerin Ivana Vallarsa und der langjährige Ortsplaner Alwin Suter. Beide beschäftigen sich seit Jahrzehnten von Berufs wegen mit der Entwicklung des Stadtzentrums. Es seien immer wieder neue Themen aufgekommen, die nicht ignoriert werden könnten. Dazu gehören beispielsweise das Weiterbauen im Bestand, klimagerechte Siedlungen oder aber die Gentrifizierung mit den entsprechenden Folgen für die Alteingesessenen.

Preisgünstige Wohnungen verschwinden

Ein weiteres Kapitel des «Jahrhefts» ist denn auch Menschen wie Roberto Venere oder Manoj Jose gewidmet. Sie stehen stellvertretend für all diejenigen, denen im Zuge des Umbruchs die Wohnung gekündigt wurde.

Die Suche nach einer neuen, bezahlbaren Wohnung in der Gemeinde entpuppt sich oftmals als schwierig. Das sorgt auch beim Sozialamt für Mehrarbeit: «Früher waren auf Homegate 30 günstige Wohnungen zu finden – heute sind es 10», wird Urs Gröbli, Leiter Gesellschaft, zitiert.

Einen Ausblick, wie das Wohnen in Effretikon künftig sein könnte, gibt dann das Kapitel «Am Rosenweg wächst hoch ein Haus». Auf dem Areal des ehemaligen Jelmoli-Gewerbehauses an der Bahnhofstrasse entsteht bis 2028 ein 19-geschossiges Wohn- und Gewerbegebäude mit knapp 100 Mietwohnungen für ein anspruchsvolles Publikum.

«Ausbaustandard und Lage treffen den Zeitgeist für modernes und nachhaltiges Wohnen», heisst es dazu. Und: «Aufgrund der hohen Nachfrage rechnet die Anlagestiftung nicht mit Leerstand.»

Stadt setzt auf Bäume

Trotz der starken Verdichtung soll auch der Natur Platz eingeräumt werden. Möglichst viel Grün lautet das Motto für die Umgebungsgestaltung in den Baufeldern westlich und östlich des Bahnhofs. Geplant sind Baumreihen entlang den Strassen und Baumgruppen auf kleinen Plätzen. Bänder mit Bodenvegetation sollen den Asphaltteppich durchbrechen, das Regenwasser möglichst vor Ort versickern lassen. Schwammstadt heisst das geflügelte Wort.

Fotobeispiel
Das Fotobeispiel zeigt, wie die geplanten grünen Gassen einst aussehen könnten.

Da die Strassengestaltung in der städtischen Hand liegt und die Gestaltungspläne für die Privatgrundstücke verbindlich sind, gehen Stadtplanerin Ivana Vallarsa und Projektleiter Martin Pfister davon aus, dass die Pläne kein Papiertiger bleiben. Gewisse schöne Ideen würden aber erst langfristig real, zumal noch viele Details geklärt und verhandelt werden müssten.

Keine Metzgerei, keine Bäckerei, keine Papeterie mehr – viele Fachgeschäfte sind aus dem Zentrum verschwunden. «Silberstreifen am Gewerbehorizont» heisst ein weiterer Beitrag, der am Beispiel der neuen Wohn- und Gewerbeüberbauung Bellis Hoffnung auf Besserung macht.

Denn hier zieht mit Vuaillat endlich wieder eine Bäckerei nach Effretikon. Und auch das ehemalige Restaurant Bahnhöfli, das 2022 dem Baubagger zum Opfer fiel, gibt im Bellis sein Comeback: als «Bellissimo» und nahezu am gleichen Ort wie einst.

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