Seltsame Markierungen in Wila und unauffällige Hydranten in Schlatt
Das Tösstal im Bild – Teil 4
Mit der diesjährigen Foto-Sommerserie «Frage, wo du stehst» möchten wir Sie dazu animieren, Ihre Umgebung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Idee dahinter hat etwas mit Geschichtsforschung zu tun.
Wegen der Markierungen neben den Gleisen in Wila, die uns letzte Woche ins Auge gestochen sind, fragen wir bei der Pressestelle der SBB nach. Diese hilft uns weiter.
Anscheinend handelt es sich bei den roten Markierungen an der Bahnstrecke tatsächlich um eine Art Dekoration, zumindest gerade jetzt im Sommer. Ihren wirklichen Zweck erfüllen die Markierungen erst im Winter, wenn wieder eine dicke Schneedecke über dem Tösstal liegt.

Der SBB-Pressesprecher stellt uns freundlicherweise die Fahrdienstvorschriften (FDV) vom Bundesamt für Verkehr zur Verfügung. Im 740 Seiten umfassenden Werk werden wir auf der Seite 188 fündig. Die roten Markierungen werden unter Punkt 10.2 als «Merkzeichen für Schneeräumung» bezeichnet.
Im Erklärungstext heisst es wörtlich: «Bauten, die die Schneeräumung auf der Strecke behindern, sind mit Merkzeichen zu versehen.» Und zur näheren Erklärung steht unter «Bedeutung»: «Heben der Pflugschar bzw. der Schleudereinrichtung».
Kein Wunder, konnten wir kein Muster in der Platzierung der Merkzeichen erkennen. Markiert werden Gebäude, Bahnübergänge, Signale, Steuerkästen, Brücken und andere Bauteile, und von diesen gibt es unzählige an jeder Bahnlinie.
Wenn Sie sich also nächsten Winter fragen, warum die Schneemade an der Bahnlinie so wellenartig aussieht, wissen Sie jetzt Bescheid. Bei der Dichte von Merkzeichen zum Beispiel im Bahnhofbereich von Wila muss der Schneepflug alle paar Meter gehoben und wieder gesenkt werden, um Schäden an der Infrastruktur zu vermeiden.
Die Merkzeichen sind übrigens nicht nur auf der Tösstal-Linie montiert worden, es handelt sich um eine schweizweite Angelegenheit und betrifft alle Bahnbetriebe, nicht nur die SBB. Wann genau die Markierungen ins Tösstal gekommen sind, weiss auch die Pressestelle nicht genau, da müsste man tiefer graben. Auf jeden Fall bleiben die «Merkzeichen für Schneeräumung» das ganze Jahr stehen und kommen im Gegensatz zu den Schneepfählen am Strassenrand nicht ins Sommerdepot.
«Frage, wo du stehst» – Teil 4

In Schlatt sind die Hydranten derart mit der Umgebung verschmolzen, dass sie schon fast nicht mehr wahrgenommen werden. Moderne Hydranten haben diese limettengelbe Farbe, genauso wie die dazu passenden Feuerwehrautos, und einen feuerroten Hut obendrauf. Zu diesem Thema scheint in Schlatt die Zeit stillzustehen. Einem grossen Teil der Hydranten sieht man an, dass sie schon recht in die Jahre gekommen sind.
Eine Schulklasse hat sich, vor langer Zeit, darangemacht, die Hydranten aufzuhübschen, und sie mit Farbe gestaltet. Auch von dieser künstlerischen Intervention sind heute nur noch einzelne, verbleichte Farbfragmente zu sehen. Der Zahn der Zeit nagt an den Löschwasserspendern.
Anscheinend ist die Sicherheit trotzdem gewährleistet, kein Feuerwehrkommandant würde sich in dieser Hinsicht etwas zuschulden kommen lassen. Die massive Bauweise ist nicht kaputt zu kriegen, die Hydranten erfüllen noch Jahre ihren Dienst.
Alt muss in diesem Fall nicht unbedingt mit ineffizient gleichgesetzt werden. Vermutlich besteht die Chance auf einen Austausch nur dann, wenn ein Hydrant sich mutig einem ausser Kontrolle geratenen Auto in den Weg stellt.
Das scheint in Schlatt selten oder gar nie der Fall zu sein. Wir werden in Schlatt nachfragen, warum ein Auffallen um jeden Preis nicht immer nötig ist und wieso die Hydranten hier ein überdurchschnittlich hohes Alter erreichen. Nächste Woche werden Sie die Antwort erhalten.
Machen Sie mit – fragen Sie, wo Sie stehen
Senden Sie uns Ihre Fragen und die möglichen Antworten mit Bild. Gesucht sind Begebenheiten oder Dinge, die sich in Ihrer Umgebung als selbstverständlich etabliert oder unauffällig eingefügt haben. Suchen Sie nicht zu weit, gehen Sie einfach vor Ihre Haustür und schauen Sie mit einem etwas kritischeren Blick als sonst. Senden Sie uns Ihre Gedanken mit Bild bis zum 15. August per E-Mail redaktion@toessthaler.ch.
