Lebendige Töss-Inseln in Rikon und seltsame Markierungen in Wila
Mit der diesjährigen Foto-Sommerserie «Frage, wo du stehst» möchten wir Sie dazu animieren, Ihre Umgebung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Idee dahinter hat etwas mit Geschichtsforschung zu tun.
Wegen der Ansammlung von Schwemmgut in der Töss bei Rikon, die uns letzte Woche ins Auge gestochen ist, fragen wir als Erstes bei der Gemeindeverwaltung in Zell nach. Dort erfahren wir, dass der Fluss kantonales Eigentum ist, und werden direkt an die Baudirektion verwiesen. Die Medienstelle der kantonalen Baudirektion hat Antworten auf unsere Fragen.
Die Einbauten in die Töss sind aus einer Zusammenarbeit der Fischerei- und Jagdverwaltung, Amt für Landschaft und Natur (ALN) und der Abteilung Wasserbau vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) entstanden.
Die Strukturierungsmassnahmen wurden von 2020 bis 2021 in den Abschnitten Sennhof und Turbenthal sowie 2023 im Abschnitt Rikon eingebaut. Sie erfüllen ihren Zweck und wirken sich sehr positiv auf die ökologische Vielfalt in der Töss aus.

Die «lebendigen Inseln», wie sie von der Baudirektion genannt werden, tragen zur Verbesserung der Struktur in der Töss bei. Die natürlichen Materialien schaffen Rückzugsräume für Fische und Kleintiere. Ausserdem wird mit den Pfahlgruppen und Wurzelstöcken die Dynamik des Flusses sowie die ökologische Vielfalt gefördert.
Durch die Erhöhung der Strömungsvielfalt bilden sich mehr Kiesbänke und viele Vertiefungen in der Flusssohle, sogenannte Kolke. Die Auswirkungen auf den Wasserstand sind nur minimal. Auch wenn die Einbauten auf den ersten Blick eine optische Verengung der Töss suggerieren, wird der Abfluss nicht verengt. Sie lenken die Strömung lediglich um.
Zudem werden die Strukturen nur dort eingebaut, wo der stufenförmige Verlauf der Töss ausreichend Spielraum für geringe Erhöhungen im Wasserstand hat. Somit stehen die Massnahmen im Einklang mit dem Hochwasserschutz.
Die strukturverbessernden Massnahmen mit ihren unterschiedlichen Wassertiefen und Kiesablagerungen bieten verschiedene Lebensräume und fördern – wie erwünscht – die ökologische Vielfalt. Mittlerweile haben sich die Fische in den neuen Unterständen und Kolken häuslich eingerichtet und verlassen sich darauf, dass ihr Versteck geheim bleibt.
Wer jetzt aber trotzdem die Gelegenheit nutzten möchte, seine Angelrute auszuwerfen, sollte sich beim Kanton Zürich zuerst um ein Fischereipatent bemühen.
«Frage, wo du stehst» – Teil 3

Dort, wo sich in Wila die Sommeraustrasse mit der Bahnlinie kreuzt, stehen seltsame rote Markierungen. Seltsam wirken sie, weil es so viele sind. Rote, horizontale Blechschilder auf Eisenstangen montiert, wild angeordnet, eine Logik dahinter ist nicht erkennbar.
Ein Perspektivenwechsel in den Bereich der Bahngleise lässt eine gewisse Struktur erahnen, der Sinn erschliesst sich einem aber immer noch nicht. Es muss sich um Markierungen der SBB handeln.
Sind die Markierungen erst einmal visuell im Kopf abgespeichert, werden sie plötzlich auch im Bereich vom Bahnhof, am Bahnübergang an der Tablatstrasse und an vielen anderen Abschnitten auf der Tösstallinie sichtbar.
Nur ein Lokführer weiss dieses Geheimnis zu ergründen. Wobei sich das Fahrverhalten der Züge nicht merklich verändert hat, seit diese Markierungen gesetzt wurden. Weder im Tempo der Züge noch in der Signalisation auf der Bahnstrecke sind Veränderungen zu erkennen.
Wenn wir davon ausgehen, dass die Markierungen nicht bloss einen dekorativen Zwecke erfüllen, müssen wir bei den Schweizerischen Bundesbahnen die zuständigen Stellen ausmachen und dort nachfragen. Nächste Woche werden Sie die Antworten erhalten.
