Ein Passivsammler in Tablat und mysteriöse Baumstücke in der Töss
Mit der diesjährigen Foto-Sommerserie «Frage, wo du stehst» möchten wir Sie dazu animieren, Ihre Umgebung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Idee dahinter hat etwas mit Geschichtsforschung zu tun.
Die wissenschaftliche Konstruktion am Waldrand von Tablat hat uns letzte Woche aufgefordert, eine Telefonnummer zu wählen. Am anderen Ende der Leitung nimmt eine motivierte Wissenschaftlerin den Hörer ab. Sie scheint dankbar zu sein für das Interesse an ihrer Arbeit. Unaufhörlich sprudeln die Informationen aus ihr heraus.
Schnell klären sich alle Fragen. Die Firma FUB AG (Forschungsstelle für Umweltbeobachtung) in Rapperswil hat diesen Passivsammler bei Tablat installiert. Er dient dazu, Immissionen in der Luft zu messen, und gehört zu einem schweizweiten Netz für ein Monitoring der gemessenen Schadstoffe.

Der Ursprung liegt in den dramatischen Zeiten der 1970er Jahre. Damals wurden der saure Regen und dessen Folgen ins Bewusstsein gebracht. Der saure Regen enthielt zu viele Luftverunreinigungen wie Schwefel und Stickoxide. Die Folge davon war das sogenannte Waldsterben.
Die Massnahmen, die von vielen Staaten gemeinsam beschlossen und in den 1980er Jahren eingeleitet wurden, zeigten gute Erfolge. Kohle wurde entschwefelt, Automotoren, Kehrichtverbrennungsanlagen und die Industrie erhielten Abgasfilter und umweltfreundliche Technologien. Diese sind so erfolgreich, dass einige Schadstoffe deutlich reduziert werden konnten.
So sind etwa Immissionswerte für Schwefeldioxid heute in der Schweiz kaum mehr messbar. Nur im Bereich der Landwirtschaft sind die Ammoniakwerte noch zu hoch, obwohl Massnahmen wie Schleppschläuche beim «Pschütten» oder das Abdecken von Güllegruben ergriffen werden.
Zu hohe Ammoniakkonzentrationen führen zu einer Überdüngung der Wälder, Moore und Trockenwiesen. In der Folge werden zum Beispiel die Bäume «bequem» und schlagen nicht mehr so tiefe Wurzeln. Der Wind bringt sie leichter zum Umstürzen. Im Weiteren kommt es zu Erosionen, zur Schwächung der Hänge und zu einem Rückgang in der biologischen Artenvielfalt.
Mit diesem kleinen, unscheinbaren Passivsammler in Tablat kann also die Luftqualität überprüft werden, und er hilft mit, dass wir auch in Zukunft im Tösstal in einer intakten Natur gesunde Luft atmen können.
«Frage, wo du stehst» – Teil 2

In der Töss bei Rikon sammelt sich mehr Treibgut im Fluss als an anderen Orten im Tösstal an. Anscheinend ist hier der Flusslauf anders beschaffen. Von der Schöntalbrücke aus sind die Inseln aus Treibgut besonders gut zu sehen. Äste, Laub und anderes Schwemmgut flechten sich um grosse, aus dem Flussgrund ragende Baumstücke.
Das Wasser der Töss wäscht das Geflecht aus, und die Sonne bleicht alles zu einem gleichmässig hellen Farbton. Die aufragenden Baumstücke sind am oberen Ende sauber horizontal abgeschnitten. Auffällig ist auch, dass mitten in der Töss nirgends Bäume von solchem Kaliber wachsen. Die Baumstücke müssen mit einer gewissen Absicht dort platziert und verankert worden sein.
Die Ansammlung von Schwemmgut wird ein erwünschter Effekt sein und mit dem Hochwasserschutz im Einklang stehen – obwohl die Installation eher wie ein verstopfter Abfluss wirkt. Eine verbindliche Schlussfolgerung ist nicht möglich. Wir versuchen, die zuständigen Stellen zu befragen, und werden Sie nächste Woche informieren.
