Kunst im Oberland: Bündner sucht Inspiration am Greifensee
In der Serie «Unterwegs im Oberland» stellen wir Menschen auf ihren Sommerausflügen durch die Region vor. Künstler Capünsli auf Inspirationssuche am Greifensee.
An diesem windigen Dienstag macht die Greifenseer Seepromenade in Maur nicht gerade den Eindruck, dass Sommerferien sind. Oder eben doch? Sind nur alle ausgeflogen? So ausgestorben wie an diesem Nachmittag war die Schifflände wohl zuletzt im Winter. Und doch, inmitten der Leere, steht ein Mann und starrt in den See hinaus. Er scheint die Ruhe zu geniessen. Aber Erholung ist nicht der Grund für seinen Besuch am See.
Dass er nicht von hier ist, verraten sein «Moinz» – die Churer Grussformel – und der Bündner Dialekt sofort. So ganz fremd sei ihm der Ort hier aber nicht. Viele seiner Freunde, Kunden und auch seine Partnerin würden in der Umgebung leben. Ein ruhiger Tag am See wie heute sei sehr inspirierend für ihn. Er ist Hobbykünstler und unter dem Namen Capünsli bekannt.
Serie «Unterwegs im Oberland»
In den Sommerferien sind in der Region zahlreiche Ausflüglerinnen und Ausflügler unterwegs. Wir treffen sie und berichten über ihre Pläne und Erlebnisse.
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Der 57-Jährige malt vor allem Bilder, schrieb kürzlich aber auch ein illustriertes Buch und macht Holzschnitzereien. «Ich liebe die kreative Arbeit», sagt Capünsli. «Es lenkt mich von meinem hektischen Alltag ab.» Wie der Churer weiter erzählt, arbeite er als Bauführer im Appenzellerland. Stressige Zeiten seien keine Seltenheit. So geniesst er die Freizeit und Ferien, wie er sie gerade hat, umso mehr.
Inzwischen füllt sich die Seepromenade etwas mehr, weil gerade ein Bus in der Schifflände kehrt gemacht hat. Viele schlendern zum Schiffssteg und warten auf das Kursschiff oder laufen in Richtung des Restaurants Schifflände, dessen Terrasse noch ziemlich leer ist.
Der Steinbock und das Murmeli
Capünsli hatte schon als Kind immer Stift und Papier in der Hand, erinnert er sich. Eines Tags von der Kunst zu leben, sei sein Traum. Schon an vielen Orten konnte er seine Bilder ausstellen – auch im Oberland. Zum Beispiel hing seine Kunst bereits in der Hochwacht auf dem Pfannenstiel.
Ihm bleibe mal mehr, mal weniger Zeit für sein Hobby, erzählt Capünsli. Momentan würde man in seiner Kollektion vor allem Bündner Sujets finden. So malte er zum Beispiel einen Steinbock oder ein Murmeltier und liess seine Arbeiten in verschiedenen Farben drucken.
Vom Oberland gibt es noch keine Bilder, aber dafür von Zürich. «Für mein Buch brauchte ich eine Darstellung der Stadt», sagt der Churer. «So malte ich an einem Nachmittag auf der Quaibrücke die Skyline von Zürich – ein schönes Erlebnis.»
Von den Ausflüglern, die vorher ins Restaurant und aufs Schiff verschwunden sind, gibt es keine Spur mehr. Wir sind wieder allein am Ufer.
Und auch Capünsli wird bald nicht mehr in Maur sein. Wie er nämlich erzählt, werde er den Rest seiner Ferien im Ausland verbringen. Morgen sei die Fahrt nach Como geplant, und danach gehe die Reise weiter nach Monaco. «Ich freue mich, ein bisschen Meeresluft zu schnuppern», sagt Capünsli, als ihm der Greifenseewind um die Ohren fegt.
