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Das Tösstal im Bild - Teil 1

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Die Foto-Sommerserie «Frage wo du stehst» wirft einen genaueren Blick auf die Umgebung vor der Haustür.

In unserer Sommerserie lohnt ein genauer Blick, um spezielle Details aufzuschnappen.

Foto: André Gutzwiller

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Mit der diesjährigen Foto-Sommerserie «Frage, wo du stehst» möchten wir Sie dazu animieren, Ihre Umgebung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Idee dahinter hat etwas mit Geschichtsforschung zu tun.

Text: Martin Widmer und André Gutzwiller

War Geschichte Ihr Lieblingsfach? Geschichte kann spannend wie ein Krimi sein, wenn man bei einer eigenen Erfahrung anknüpft, wenn sie mit dem Ort zu tun hat, wo man lebt und wo man steht: Grabe, wo du stehst!

Martin Widmer ist Autor und Historiker. Er schreibt heute Krimis mit zeitgeschichtlichem Hintergrund. Als eigenes «Grabe, wo du stehst»-Projekt auf dem Rosenberg in Wila hat er die Biografie des letzten Direktors geschrieben: «Krawattenende. Die Geschichte des Créateurs Alfred Bruder und seiner Cravatex AG 1954–1975», erschienen im Limmat Verlag.(red)

Auf dem Rosenberg in Wila konnte einst im Rosenbad gekurt werden. Danach wurde in dem grossen weissen Gebäude auf dem Hügel am Dorfeingang eine Seidenweberei eingerichtet, in der bis Mitte der 1970er Jahre Krawattenstoffe hergestellt wurden.

Danach richtete der Verein Rosenberg ein Kurs- und Lagerhaus im alten Fabrikgebäude ein. Ein idealer Ort, um mit Gruppen ein Versuchslabor einzurichten, wie man mit ihnen Geschichte ausgraben kann.

Ein Grabungsprojekt zum Anpacken

Mit über 1000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen, Schulklassen, Lehrlingsgruppen, Volkshochschulkurs-Besuchern und -Besucherinnen, Lehrerfortbildungen sowie Senioren und Seniorinnen haben Ralph Bachmann und Martin Widmer begonnen, die Geschichte des Rosenbergs auszugraben.

Die Methode war einfach: Grabe, wo du stehst. Nach dem Vorbild des schwedischen Projekts «Gräv där du står» und dem gleichnamigen Handbuch von Sven Lindqvist haben die beiden die Gruppen angeleitet und nach jedem Grabungsprojekt die Resultate präsentiert: Fotos und Interviews mit ehemaligen Arbeitern und Arbeiterinnen, eine Ausstellung mit Krawattenstoffen oder eine Begehung der ehemaligen Wasserkraftanlage.

Diese wurden von vielen Gruppen ganz handgreiflich ausgegraben und wiederhergestellt. Dabei packten die Schülerinnen, die im Geschichtsunterricht am wenigsten glänzten, am meisten an. Lehrlinge der Metallarbeiterschule Winterthur gruben in Hinwil eine verschüttete Pelton-Turbine aus und renovierten und installierten sie im alten Turbinenhaus des Rosenbergs erfolgreich.

Mit den Erfahrungen vom Grabungsfeld Rosenberg hat Martin Widmer mit Dani Geser «Grabe, wo du stehst»-Projekte in der ganzen Schweiz durchgeführt.

Vom Wert von Fotos und Geschichten

Was haben Geschichten und Bilder gemeinsam? Warum sind sie oft spannender als die Geschichtsschreibung? Während Historiker und Historikerinnen versuchen, möglichst viele Aspekte einer historischen Epoche auszuleuchten, bringen Geschichten und Bilder etwas auf den Punkt.

Sie verdichten eine Momentaufnahme und lassen die Zuhörer und Betrachterinnen bei ihren Erfahrungen anknüpfen; das Echo der eigenen Geschichte hallt wider.

Frage wo du stehst – Teil 1

Sommerserie «Frage, wo du stehst».
Was bedeutet dieser Gegenstand mitten in der Wiese in Tablat?

Am Waldrand nordöstlich von Tablat, abseits vom Wanderweg, steckt ein metallisches Gebilde in der Wiese. Auf den ersten Blick ähnelt es einem Aschenbecher im Freibad, der neben dem Badetuch in den Boden gesteckt wird. Badetücher können keine ausgemacht werden, und das nächste Freibad befindet sich in Turbenthal. Ein zweiter Blick wird notwendig.

Beim genaueren Hinsehen wirkt die Konstruktion recht aufwendig, die Funktion kann nichts mit einem Aschenbecher zu tun haben. Die Stange ist in der Höhe verstellbar und steckt recht stabil im Gelände. Das orange markierte Ende deutet darauf hin, gesehen werden zu wollen. Es lädt den Betrachter ein, näher zu treten.

Es sind keine mechanischen Teile auszumachen, die eine weitere Klärung zulassen. Der Betrachter würde fragend zurückgelassen, wäre da nicht ein Etikett mit einer gross gedruckten Seriennummer und einer Firmenadresse in Rapperswil – inklusive Telefonnummer, die gewählt werden will.

Wir beugen uns dem Willen und rufen dort an. Die Antworten erhalten Sie nächste Woche.

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