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Ein Pfingstnachzug zur Ostergeschichte

Die Offenbarung hinter dem Maurmer Kreuz

Das Lichtkreuz in der Kirche Maur bereitet vielen Menschen irdische Freude. Doch einem Paar bedeutet es die Welt.

Das Kreuz hat viele Menschen berührt – und ein Ehepaar ganz besonders.

Foto: Matthias Müller

Die Offenbarung hinter dem Maurmer Kreuz

Ein Pfingstnachzug zur Ostergeschichte

Unsere Ostergeschichte über das Plexiglaskreuz in der reformierten Kirche Maur hat den Weg bis zu seinem Schöpfer nach Deutschland gefunden. Zu Pfingsten ergänzt er sie mit einer berührenden Anekdote.

Exakt 50 Tage ist es her, seit ich über das Plexiglaskreuz in der reformierten Kirche Maur geschrieben habe. Nur ein kleines Stück zu Ostern, entstanden aus persönlicher Neugierde.

Mit Reaktionen hatte ich nicht gerechnet. Warum das Kreuz mal hängt und mal nicht? Das ist sicherlich nett zu wissen. Doch den Gang der Welt tangiert es maximal peripher.

Umso freudiger staunte ich, als ich letzte Woche eine E-Mail aus Deutschland erhielt. Ludger Hinse, der Künstler, der das farbig oszillierende Kreuz einst erschaffen hatte, schrieb mir: «Eine gute Freundin aus Rapperswil hat uns Ihren Artikel zum Lichtkreuz gesandt. Ihre Recherche war gut, aber nicht ganz richtig.» Nicht ganz richtig?

Im Anhang seiner E-Mail finde ich eine undatierte Predigt mit dem Titel «Berührungen – Mit dem Kreuz», die er im Rahmen eines seiner Projekte gehalten hatte. In dieser setzt sich Hinse mit den Begegnungen auseinander, zu denen er durch seine vielen Lichtkreuze gekommen ist, die heute in mehr als 50 Kirchen auf der ganzen Welt hängen – von Chile über Peru bis zu den Niederlanden.

Eine dieser Erzählungen ist blau eingefärbt. Sie bezieht sich auf Maur. In ihr zitiert Hinse aus einem Brief von Kurt Gautschi – dem damaligen Pfarrer der Reformierten Kirche.

«Lieber Ludger, Du hast bei berührenden Geschichten unter dem Lichtkreuz hie und da gesagt: ‹Ich habe immer noch Gänsehaut.› Heute habe ich sie auch bekommen. Da ruft mich die Ehefrau eines pensionierten Chefarztes einer grossen Zürcher Klinik an.

‹Wir kommen eben aus der Kirche und sind unter dem Kreuz gestanden. Wir haben uns dabei erinnert an die Geschichte jener Frau, die oft zum Lichtkreuz ging, um sich darauf vorzubereiten, bald selbst ins Licht zu gehen.

Unsere Tochter ist bereits dort, sie ist durch Suizid aus dem Leben gegangen. Nach jahrelangen Depressionen hat sie doch noch das Studium beendet, sie war sehr intelligent, feinfühlig und künstlerisch begabt. Aber sie hat es nicht mehr geschafft.

Jetzt möchten wir zum Gedenken an unsere wunderbare Tochter das Kreuz in der Kirche Maur stiften, es wird uns immer dankbar an sie erinnern.›

So wird das Kreuz nun als Stiftung von leidgeprüften Eltern ein Zeichen des Glaubens und der Überwindung des Todes schon im Leben sein.»

Es sind berührende Zeilen. Zutiefst berührende Zeilen sogar. Und angesichts des Umstands, dass mir dieser Hintergrund bei meiner ersten Spurensuche verborgen geblieben war, rufe ich Kurt Gautschi an.

Er könne sich nicht mehr an alles im Detail erinnern, entschuldigt sich der inzwischen pensionierte Pfarrer. Doch jene Begebenheit sei ihm bis heute noch voll präsent: «Genau so hat es sich ereignet!»

Sowieso, dieses Kreuz: «Ich war so begeistert, dass ich Ludger Hinse geholfen habe, eine Ausstellungsreihe in verschiedenen reformierten und katholischen Kirchen rund um den Greifensee zu organisieren. Später sind die Leute sogar zu uns nach Maur gepilgert, um sich unser Kreuz anzusehen.»

Den Namen des Stifters möchte Kurt Gautschi nicht preisgeben. Dieser habe damals um Anonymität gebeten, das gelte es zu respektieren. Womit auch ich die Sache nun ruhen lassen und es bei diesem kleinen Stück zu Pfingsten belassen möchte.

Einzig eines darf ich an dieser Stelle noch nachliefern: Gestern Freitag hat die Pfarrerin Rahel Walker Fröhlich in der Dorfzeitung «Maurmer Post» bekannt gegeben, dass das Lichtkreuz neu das ganze Jahr über in der Kirche Maur hängen wird. Ein paar Zeilen weiter schreibt sie: «Im Christentum ist das Kreuz auch ein Zeichen der Hoffnung. Stärker als der Tod sind Hingabe, Barmherzigkeit und Liebe.»

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