Duftende Hanfplantagen in Wila geben Rätsel auf – eine Spurensuche
Der Geruch blühenden CBD-Hanfs nervt Anwohner, nebulöse Firmen lassen die Gerüchteküche brodeln. Unlängst hat auch die Gemeinde Wila Wind davon bekommen. Ein Versuch, Antworten zu finden.
Hanf ist nicht gleich Hanf – dass das verbotene Rauschkraut einen legalen, gleich aussehenden Zwilling hat, wird immer wieder ausgenutzt. Das zeigen Schlagzeilen von ausgehobenen Plantagen aus Rüti, Dietlikon oder jüngst Schwerzenbach.
Auch in Wila wird der trendige CBD-Hanf angebaut – weitgehend unsichtbar und lange unbemerkt. Ausgehend von einem verspätet eingereichten Baugesuch, erhielten wir vor zwei Jahren Einblick in eine der beiden Anlagen.
Seit geraumer Zeit liefert diese Hanfindustrie wieder vermehrt Gesprächsstoff: wegen Geruchsemissionen und rätselhafter Firmen, die im Schochen-Quartier ansässig sind.
Im Austausch mit Anwohnerinnen und Anwohnern zeigt sich: Über die Hanfunternehmen ist wenig Gesichertes bekannt – und doch fallen sie auf. «Die ganze Nacht über fahren Autos mit ausländischen Nummern hier hin und her», erzählt eine Frau. Die Sache wirke sehr dubios. «Das alles hat ein ‹Gschmäckli› – im wahrsten Sinne des Wortes», meint eine andere.
Ein Blick zurück: Betreiber Hamdi Ajazaj hatte die Cannabro AG, angemeldet im Gebäude des Heilsarmee-Brocki an der Schochenstrasse, 2022 übernommen.
Mit Unterbrüchen bestand die Firma schon seit 2016, zuvor an anderer Adresse. Entsprechend lange ist die Hanffirma auch den Nachbarinnen und Nachbarn bekannt. Sie erzählen von vielen Wechseln. «Unsere Kinder sind praktisch mit dem Geruch und dem Lärm der Lüftung aufgewachsen», schildert eine von ihnen.
Unternehmer Ajazaj hatte in Wila Grosses vor: Auf CBD-Blüten sollten Kosmetika mit Hanföl folgen. Doch es kam anders: Im vergangenen Herbst schied er aus der Firma aus. Warum, ist nicht bekannt – eine Anfrage bleibt bis heute unbeantwortet.

Sein Unternehmen gibt es weiterhin, allerdings mit neuem Besitzer, wie ein Blick ins Handelsregister zeigt. Doch die Telefonnummer läuft ins Leere, und die Anlage wird seit einigen Monaten nicht mehr genutzt, wie das Bauamt bestätigt. Anwohner berichten von Geldproblemen und einer Spezialfirma, die die Anlage geräumt habe.
Woher stammt also der Hanfgeruch?
Im vergangenen November tauchte dann ein neues Unternehmen auf der Bildfläche auf: die Swiss to Grow AG, angemeldet an derselben Adresse wie die Cannabro AG. Vermutlich handelt es sich um die Nachfolgefirma. Laut Handelsregister gehört sie zwei Niederländern.
Begehung soll Licht ins Dunkel bringen
Eine Nachfrage bei der Gemeinde Wila zeigt: Sowohl die stillgelegte Plantage als auch jene beim Brocki haben eine Baubewilligung.
Ausgehend von Reklamationen, die zwischen Ende des letzten und Anfang dieses Jahrs bei der Gemeinde eingegangen waren, führte das Bauamt im April eine Begehung der Anlage der Swiss to Grow AG durch. Was dabei herausgekommen ist, gibt das Amt nicht preis. Es verweist auf ein laufendes Verfahren.
Ebenfalls nicht äussern will sich die betroffene Betreiberfirma. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle erfahren haben, sucht diese aktuell nach Lösungen, um die Geruchsemissionen einzudämmen.
Wie die Baudirektion auf Anfrage erklärt, ist beim Bau von Indoor-CBD-Anlagen neben der üblichen Baubewilligung eine zusätzliche kantonale Bewilligung nötig. Sie soll sicherstellen, dass die Bestimmungen der sogenannten Luftreinhalteverordnung des Bunds eingehalten werden.
«Zu den Auflagen gehört, dass die belastete Abluft möglichst vollständig erfasst und ungehindert vertikal nach oben in einem Kamin über Dach abgeleitet wird», sagt Sprecherin Isabelle Rüegg.
Zudem würden vorsorgliche Grenzwerte zur Geruchskonzentration in der Abluft gelten. «Um diese einzuhalten, werden beispielsweise Aktivkohlefilter eingesetzt.» Eine spezielle Meldepflicht für Hanfanlagen gibt es im Kanton Zürich nicht – weder in landwirtschaftlicher noch in polizeilicher Hinsicht.
Die Polizei empfiehlt jedoch, legale Hanfanlagen vorsorglich zu melden. Laut Sprecher Alexander Renner finden in solchen Betrieben angekündigte Kontrollen statt. «Wenn der Verdacht auf den Anbau von illegalem Hanf besteht, werden Anlagen unangemeldet kontrolliert.»
Verband erklärt fehlende Transparenz
Das Problem mit den duftenden Hanfplantagen kennt auch der Branchenverband IG Hanf – dem die Unternehmen aus Wila übrigens nicht angehören.
«Die Gerüche entstehen, wenn der Hanf blüht. Entsprechend kann es passieren, dass lokal begrenzte Geruchsemissionen entstehen», erklärt Vorstandsmitglied Benjamin Foro. Und verweist, wie der Kanton, auf notwendige Massnahmen zur Begrenzung von Gerüchen.
Und er liefert auch eine mögliche Antwort auf die Frage, weshalb Hanfproduzenten oft sehr intransparent auftreten. «Der Grund für die Diskretion ist effektiv die Sicherheit», sagt er. «Leider ist Diebstahl in der Branche ein grosses Thema, besonders, da Hanfblüten und das benötigte Inventar einen hohen materiellen Wert haben.»
Dass vermehrt illegales Cannabis unter dem Deckmantel des legalen Zwillings vertrieben wird, beobachtet die IG Hanf mit Sorge. In der Branche sei es üblich, dass Grosshändler Rohstoffe von verschiedenen, oftmals kleineren Betrieben bezögen. Doch: «Ein seriöser Grosshändler kauft keinen THC-Cannabis von einem illegalen oder betrügerischen Produzenten», betont Foro.
Zur Selbstregulierung hat der Verband ein Qualitätslabel für legalen Hanf eingeführt. Die Problematik solcher illegalen Praktiken könne langfristig nur mit einer Regulierung des Cannabismarkts gelöst werden, findet die Branchenorganisation.
Ob das Hanf-«Gschmäckli» demnächst verpufft, kann nur die Zeit zeigen. Für Nachbarn und Betroffene bleibt vorerst nur eines: Nase zu und durch.
