Hier in der Region wächst legaler Cannabis
6500 Hanfpflanzen
Mitten in Wila betreibt die Cannabro AG eine CBD-Hanfplantage. Während der Hanf munter gedeiht, steht die Baubewilligung noch aus. Doch Inhaber Hamdi Ajazaj hat grosse Pläne.
Von aussen ist der Gewerbepark neben dem Bahnhof Wila keine Sehenswürdigkeit. Ein Areal, wie man es vielerorts antrifft. Hier gibt es eine Schreinerei, eine Autowerkstatt, eine Zeitungsredaktion.
Was kaum einer weiss: Hinter unbeschrifteten Türen baut die Firma Cannabro AG hier CBD-Hanf an. Das geht aus einem Baugesuch mit dem Vermerk «bereits erstellt» hervor. Seit dem 6. Januar liegt es beim Bauamt Turbenthal auf.
Die Schlüssel zu diesen Türen hat Elitsa Stoyanova, die gerade aus ihrem schneeweissen Mercedes-Coupé steigt. Die 34-Jährige hilft sporadisch im Cannabis-Zuchtbetrieb mit.
«Bis vor Kurzem war ich Vollzeit hier tätig. Aber mit der Zeit fiel es mir schwer, nachts zu arbeiten», sagt die gebürtige Bulgarin, als sie Zutritt zum Innern der Halle gewährt.
Nachts erwacht der Hanf
Die 6500 Hanfpflanzen, die hier gedeihen, werden nämlich jeweils von sechs Uhr abends bis sechs Uhr in der Früh beleuchtet, gepflegt und gegossen. Entsprechend finster ist es tagsüber in der Gewerbehalle.
Wände aus Spanplatten trennen die Anbaufläche vom Rest des Raumes. Die Pflänzchen sind nur anhand ihrer Umrisse zu erkennen. Über ihnen hängen grosse Leuchten.
Als ich die Anlage übernommen habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich keine Bewilligung mehr einholen muss.
Hamdi Ajazaj, Geschäftsführer der Cannabro AG
Die Dimensionen der Plantage in Wila – laut Baugesuch ist sie rund 400 Quadratmeter gross – werden erst beim zweiten Besuch in den Abendstunden deutlich.
Hamdi Ajazaj, der Inhaber der Anlage, hat sich damit einen Traum erfüllt. «Er hat schon lange ein grosses Interesse am CBD-Hanf», weiss Stoyanova. Sie kennt Ajazaj seit fünf Jahren.
Über CBD-Hanf
In der Cannabispflanze stecken über 80 Wirkstoffe, sogenannte Cannabinoide. Das bekannteste davon, THC, sorgt für die berauschende Wirkung von Hanfprodukten. Seit 2011 ist Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent in der Schweiz legal. Seither sind Hanfprodukte mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD), im Trend. Diesem wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. (nos)
Die Produktion in Wila ist indes nur einer von drei Standorten der Firma. Das Unternehmen mit drei Mitarbeitenden ist auch noch an einem anderen Ort in Wila und in Turbenthal beheimatet.
Bei vergessener Bewilligung droht Busse
Letzterer Standort sei sogar grösser, verrät Ajazaj später. Wo genau er sich befindet, will er derzeit nicht preisgeben.
Die Indoor-Plantage in Wila hat er vor etwas mehr als einem Jahr von der insolventen Firma Cannazonas GmbH übernommen. Das ist auch der Grund, weshalb Ajazaj das Baugesuch erst im Nachhinein eingereicht hat.




«Als ich die Anlage übernommen habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich keine Bewilligung mehr einholen muss», sagt er.
Ajazaj hatte Glück. Beim Bauen ohne Baubewilligung werde die Bauherrschaft verwarnt, schreibt Balz Zinniker, Gemeindeschreiber von Wila. «Falls sie künftig erneut ohne die nötige Baubewilligung Bauvorhaben erstellt, wird sie durch die Baubehörde verzeigt.» In diesem Fall würde eine Busse vom Statthalteramt drohen.
Die Pflanzen mögen es schwül
Nach Anbruch der Dunkelheit erwachen die Pflanzen im künstlichen Licht. Sie sind von der Sorte «Harlequin» und erst einige Wochen alt. «Hanf dieser Sorte ist nach nur zwei Monaten erntereif, das ist sehr schnell», sagt Stoyanova. Die Nachfrage danach sei gross.
Das Klima und die Wasserzufuhr werden automatisch reguliert. 21 Grad und 66 Prozent Luftfeuchtigkeit – bei schwülen Temperaturen fühlen sich die Pflanzen wohl.
Ziel ist, eine Maschine zur Herstellung von Kosmetika anzuschaffen.
Elitsa Stoyanova, Aushilfskraft bei der Cannabro AG
Im Anschluss an die Ernte, die per Hand erfolgt, werden die Blüten getrocknet. Das dauert rund eine Woche. «Es ist ein unsicheres Geschäft», erklärt Stoyanova. «Man weiss nie, ob die Ernte verkauft werden kann der nicht.»
Wer im Internet nach der Sorte «Harlequin» sucht, erfährt, dass sie für ihren hohen CBD-Gehalt bekannt und deshalb gefragt ist. Blüten, sogenannte «Buds», finden sich in vielen Onlineshops.
Verkauf in Kilosäcken
Doch wie kommt es, dass nirgendwo der Name Cannabro auftaucht? Immerhin pflückt das Unternehmen in Wila 75 Kilogramm CBD-Hanf pro Ernte.
«Zurzeit verkaufen wir den Hanf in Kilosäcken an Grosshändler. Diese verpacken und vertreiben die Ware dann nach ihren Wünschen», sagt Hamdi Ajazaj.
Zu den Abnehmern dürften sogenannte Headshops gehören, die neben CBD-Produkten auch Zubehör für den Cannabiskonsum anbieten. Gemäss Ajazaj ist aber geplant, die Blüten in Zukunft auch selbst abzupacken und unter der Marke Cannabro zu vertreiben – auch direkt.
Auf Blüten sollen Kosmetika folgen
Wie das aussehen könnte, ist auf der Webseite des CBD-Unternehmens abgebildet. Auch Kosmetika mit CBD-Zusatz wolle man in Zukunft herstellen.
«Ziel ist, eine Maschine zur Herstellung von Kosmetika anzuschaffen, vielleicht schon dieses Jahr», sagt Stoyanova. Da es sich dabei um eine grosse Investition handelt, verkauft die Cannabro AG derzeit nur getrocknete Cannabis-Blüten.
Dass von aussen nichts auf die Anlage hindeutet, ist laut dem Inhaber gewollt. «Ich habe nichts zu verbergen», betont Hamdi Ajazaj. Doch die Pflanzen seien wertvoll, und umfangreiche Sicherheitsmassnahmen ein grosser finanzieller Aufwand.
