Militärmarsch nach Dübendorf dürfte eine Zweitauflage erleben
Kantonsratspräsident lobt Leistungsbereitschaft
Der erste Schweizer Militärmarsch ist zu einem Bekenntnis für den Zusammenhalt und die Leistungsbereitschaft geworden.
Die schnellsten Offiziere waren schnell unterwegs. Jedenfalls zu schnell, um sich bei der Müli Grüningen zu stärken.
Denn als dort der Grüninger Gemeindepräsident Carlo Wiedmer (SVP) zusammen mit Ramona Moser-Hess, der Präsidentin der TCS-Gruppe Zürcher Oberland, vereinbarungsgemäss am Samstag vor 10 Uhr den Tisch mit Bananen, Melonenstücken, Riegeln und Getränken aufbaute, waren die ersten Patrouillen des ersten Schweizer Militärmarschs über 100 Kilometer bereits weiter.
Regierungsrat am Start dabei
14 Leute hatten am Freitag um 16.30 Uhr auf dem Üetliberg den 100 Kilometer langen Marsch über den Seedamm und wieder hinauf nach Dübendorf in Angriff genommen. Bevor sie loslegten, hatten Regierungsrat Mario Fehr (parteilos) sowie Brigadier Hugo Roux, Kommandant der Militärakademie, sie noch angefeuert.


Beide gingen auf die Wichtigkeit der mentalen Bereitschaft und die Verteidigungsfähigkeit ein. Aber auch auf die grosse Verantwortung der Politik gegenüber den Soldatinnen und Soldaten und dem wichtigen Thema Sicherheit generell.
«Sauglatt» durch die Nacht
Eine kurze Nacht und rund 85 Kilometer nach dem Start trafen Michael Haeringer, Stefan Farrèr und Hanspeter Lüscher dann am Samstag kurz vor halb elf in der idyllisch gelegenen Müli ein, «leicht angeschlagen», wie die drei bemerkten.
Sie waren die letzte Patrouille der 100-Kilometer-Absolventen, aber die erste, die Wiedmer bewirten konnte.


«Es ist richtig streng, aber bisher sauglatt», zog Haeringer eine Zwischenbilanz. Er und ein Kollege arbeiten bei den Militärbetrieben. «Wir sagten uns, dass Bewegung positive Energie auslöst.» Das tat sie auch. Doch es brauchte einen zusätzlichen Bananenbiss, um die leichten Anlaufschwierigkeiten nach der kurzen Pause zu überwinden.
«Marschieren ist nicht so mein Ding», meinte Wiedmer mit Blick auf die weiterziehende Gruppe. Viel lieber ist er mit dem Velo unterwegs. Und das nicht zu kurz. Nächste Woche geht es zusammen mit seinen Kindern per Rennvelo nach Genua.
Polizei mit von der Partie
Kurz nach 11 Uhr passierten die ersten Patrouillen, die in Rapperswil für den 30-Kilometer-Marsch gestartet waren, den Verpflegungsposten bei der Müli. Einige der knapp 30 Teilnehmer dieser Kurzvariante legten in Hombrechtikon noch einen Zwischenstopp ein, um das Feldschiessen zu absolvieren.
Unterwegs war auch eine Delegation der Marschgruppe der Kantonspolizei Zürich. Die Gruppe war gut gemischt und gut gelaunt. Gerne nahmen sie die kleine Stärkung entgegen. Mit Verspätung auf die Marschtabelle trafen bereits deutlich nach 12 Uhr die letzten beiden Gruppen bei Carlo Wiedmer ein.
Zu diesen gehörten einerseits der neu gewählte Fischenthaler Gemeindepräsident René Schweizer (SVP), andererseits Daniel Wäfler aus Gossau, Mitorganisator des 100-Kilometer-Marschs.



Während diese letzten beiden Patrouillen erst gut die Hälfte ihrer 30 Kilometer langen Strecke hinter sich gelegt hatten, überschritten um 13.23 Uhr die schnellsten des 100-Kilometer-Marschs beim Innovationspark in Dübendorf die Ziellinie. 20 Stunden und 53 Minuten hatten Oberstleutnant Boris Thamberger sowie Oberleutnant Gian Marco Derungs für die total 107,7 Kilometer benötigt.
«Ein gutes Beispiel für Mehrleistung»
Im Ziel ging Kantonsratspräsident Beat Habegger (FDP) vor den versammelten Marschteilnehmern auf die Leistungsbereitschaft unserer Gesellschaft ein. «Die Mehrleistung der Miliz in der Politik und der Sicherheit ist wichtig. Von diesen Beiträgen Einzelner an die Gesellschaft können alle profitieren.»



Habegger kam auch auf den auf fast 108 Kilometer «verlängerten» 100-Kilometer-Marsch zu sprechen: «Das ist ein gutes Beispiel für Mehrleistung.»
Für diese Leistung hätten alle Teilnehmer seinen grossen Respekt und Dank. Der Hombrechtiker Gemeindepräsident Rainer Odermatt (FDP) hatte in Rapperswil die Wichtigkeit der Eigeninitiative und der Zukunftsgestaltung hervorgehoben. Es gelte, einen Beitrag an die Sicherheit des Lands zu leisten und die Bevölkerung wieder mehr mit der Armee zu verbinden: «Dazu sind Anlässe wie der Militärmarsch ideal.»
Fortsetzung wahrscheinlich
Der Militärmarsch dürfte eine Zweitauflage erleben, wie Daniel Wäfler meinte. Jedenfalls werde diese Option nach den positiven Rückmeldungen der Teilnehmer, Helfer und Gäste geprüft. Mindestens für den Apéro am Start ist schon gesorgt. So hat der Gemeindepräsident von Stallikon zugesagt, dass seine Gemeinde die Kosten dafür übernähme.
«Wenn es eine Fortsetzung gibt, dann soll es ein Format geben, wo das gegenseitige Verständnis von ziviler Gesellschaft, dem Militär und dem Sicherheitsverbund von Polizei, Sanität, Zivilschutz und Feuerwehr gefördert und gelebt werden kann», findet Wäfler, der für die SVP im Kantonsrat sitzt. «Sicherheit für die Gesellschaft soll auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen.»
