In Bauma haben Kickerinnen jetzt eine eigene Garderobe
«Bekenntnis zum Mädchenfussball»
Die Zeiten, in denen sich Fussballerinnen in der Küche spielfertig machen mussten, sind vorbei – seit Kurzem auch beim FC Bauma. Für dessen Präsidenten ist die neue Mädchengarderobe eine Herzensangelegenheit.
Fussballfan sein, in der Freizeit kicken und nachts vom Karriereweg der ganz grossen Stars träumen – all das ist längst kein reines Jungsthema mehr. Und überhaupt: Das in dem Jahr zu schreiben, wo mit der Europameisterschaft Top-Frauenfussball quasi vor der Haustür stattfindet, fühlt sich schon fast verboten an.
«Rund 20 Prozent der Mädchen beginnen mit dem Fussballspielen», sagt Werner Berger, Präsident des FC Bauma. Es sei gut möglich, dass daraus bald 30 Prozent würden. Hinzu kommt das Wachstum, das der Gemeinde blüht.
Und doch: In ländlichen Fussballklubs haben und hatten fussballverrückte Mädchen und Frauen oft das Nachsehen. Beim FC Bauma will man dieses Kapitel nun endgültig hinter sich lassen.
Nach knapp einem Jahr Bauzeit konnten sich die Baumer Kickerinnen Ende März erstmals im eigenen Garderobengebäude umziehen. Bisher mussten sie mit der Schiedsrichterkabine oder der Küche vorliebnehmen oder bereits umgezogen erscheinen.
Die neuen Räumlichkeiten – konzipiert sind sie als Anbau neben dem bisherigen Häuschen – verfügen über zwei getrennte Kabinen mit jeweils eigenen Duschen.
Zwar sei die Umkleidesituation in Gesprächen mit den Fussballspielerinnen nie bemängelt worden. Für Berger geht es aber um viel mehr – er will den Bau des neuen Garderobengebäudes nicht als blosse Kapazitätserweiterung verstanden wissen, sondern als Statement. «Es ist ein klares Bekenntnis zum Mädchenfussball.»
Dabei war das vor Kurzem noch anders. Als man im Verein vor rund sechs Jahren erstmals über eine Vergrösserung nachdachte, fasste man zunächst eine pragmatische Lösung ins Auge. Der Plan: einen Teil der Garage für den Rasenmäher zur Mädchengarderobe umwidmen.
Diesen Vorschlag unterbreitete man auch den Mitgliedern an der Generalversammlung 2019. Schliesslich habe man ihn aber bewusst verworfen. Ein Entscheid, auf den Berger heute stolz ist. «Es kann nicht sein, dass wir dauernd über Gleichstellung reden, aber fussballbegeisterte Mädchen in diesem Bereich diskriminieren.»
Dass ein wesentlich grösseres – und teureres – Projekt gelang, hat der Klub nicht zuletzt der Gemeinde zu verdanken. «Wir hatten das Glück, dass wir sportaffine Finanzvorsteher haben», sagt Berger. Während man früher die Vereine gegeneinander ausgespielt habe, habe sich heute das Miteinander bewährt. «Man anerkennt, wie wichtig der Sport insgesamt für die Jugendförderung und Integration ist.»
Die Gemeinde unterstützt den Bau der Mädchengarderobe mit einem zinslosen Darlehen von 400’000 Franken, 120’000 Franken gibt es vom kantonalen Sportfonds, weshalb nun eine Plakette mit Zürcher Wappen an der Wand prangt. Insgesamt kostet der Neubau 600’000 Franken.
Für Berger wie auch für den 86-jährigen Ehrenpräsidenten Ruedi Kleeb ist es wohl das letzte grössere Bauprojekt auf dem Fussballplatz Schwendi – bewusst weitsichtig geplant.
«Ich bin den Gründern des Klubs bis heute dankbar, dass sie von Beginn an eine Juniorenabteilung eingeführt haben», sagt Kleeb. Für ihn ist das Projekt die konsequente Fortführung dieses Ursprungsgedankens. Mit seinem Engagement im Verein – und zuletzt in der Baukommission für die Erweiterung – habe er etwas zurückgeben wollen.
Passend zur neuen Garderobe gibt es ab diesem Jahr auch ein reines Mädchenteam. Bisher spielten die Mädchen im Nachwuchsbereich bei den Buben mit. In der Juniorinnen- und Juniorenförderung will man künftig verstärkt mit anderen Tösstaler Vereinen zusammenarbeiten. Offiziell eingeweiht wird das Garderobengebäude im Rahmen des Grümpi-Wochenendes Ende Juni.