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Feuerwehrkommandanten erinnern sich

Fünf Jahre nach Grossbrand: «Darauf kann man sich nicht vorbereiten»

Heute vor fünf Jahren brannte es in Hinwil auf dem Firmenareal der Bührer Traktorenfabrik AG. Wir blicken mit dem damaligen Feuerwehrkommandanten Roland Anderegg und seinem Nachfolger Thomas Stübi, die 2021 im Einsatz waren, zurück.

Roland Anderegg (rechts) und Thomas Stübi kämpften damals gemeinsam mit vielen anderen gegen die Flammen.

Fotos: Simon Grässle / Kantonspolizei Zürich

Fünf Jahre nach Grossbrand: «Darauf kann man sich nicht vorbereiten»

Feuerwehrkommandanten erinnern sich

Heute vor fünf Jahren brannte es in Hinwil auf dem Firmenareal der Bührer Traktorenfabrik AG. Wir blicken mit dem damaligen Feuerwehrkommandanten Roland Anderegg und seinem Nachfolger Thomas Stübi, die 2021 im Einsatz waren, zurück.

Der 3. März 2021 sei ein schöner Frühlingstag gewesen, erinnert sich Roland Anderegg, der damalige Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Hinwil. «Ich weiss noch, dass ich damals mit meiner Frau und meinen Kindern einen Ausflug nach Eglisau gemacht habe, es waren Sportferien.» Als um 13.04 Uhr das erste Mal sein Pager vibriert habe, habe er sich noch nicht viel dabei gedacht. Alle Einsätze der Feuerwehr Hinwil gingen sowohl dort als auch auf seinem Handy ein. «Mein Stellvertreter war damals zuständig.»

Doch das kleine Gerät hörte nicht auf zu vibrieren – in kurzen Zeitabständen forderte es immer wieder Einsatzkräfte an. Anderegg wurde langsam klar, dass der Plan vom Familienausflug so nicht aufging. «Als ich gehört habe, dass es im Gebäude der Bührer Traktorenfabrik brennt, dachte ich nur: ‹Das ist gar nicht gut.›» Nicht gut deswegen, weil es es sich um ein sehr verschachteltes, unübersichtliches Areal handelt, das viele Gefahrenquellen birgt. Anderegg beschloss, zurück nach Hinwil zu fahren, seine Frau brachte ihn direkt zum Feuerwehrdepot. Von dort aus machte sich der damalige Kommandant einsatzbereit.

Kein Routineeinsatz

Etwa zur gleichen Zeit war Thomas Stübi, der heutige Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Hinwil, schon als einer der Ersten vor Ort. Sein Kollege Daniel Gamper übernahm die Einsatzleitung. «Auf dem Weg ins Depot habe ich die schwarze Rauchwolke gesehen.» Ähnlich wie Anderegg dämmerte auch ihm in diesem Moment bereits, dass die kommenden Stunden wohl eher nicht unter die Kategorie Routineeinsatz fallen würden.

«Ich wusste, dass auf dem Gelände mit den verschiedenen Nutzungen eine schnelle Brandausbreitung möglich ist.» Gemeinsam mit etwa acht Kollegen, die mit als Erste vor Ort waren, musste er sich einen Überblick verschaffen – und das so schnell wie möglich. «Rasch war klar, dass keine Personen mehr im Gebäude sind. Wir sind dann kurzerhand in den Teil des Gebäudes vorgedrungen, wo der Brand mutmasslich ausgebrochen war.» Doch wenige Augenblicke später kamen bereits Teile vom Glasdach herunter – die Feuerwehrleute mussten sich also schnell von dort zurückziehen, um sich selbst nicht zu gefährden.

Insgesamt 300 Menschen im Einsatz

«Den Brand konnten wir danach nicht mehr aus unmittelbarer Nähe löschen – unsere oberste Priorität war, zu verhindern, dass das Feuer auf die umliegenden Gebäude überspringt», erinnert sich Stübi. Dass das Feuer sich jedoch in so unfassbar schneller Geschwindigkeit ausbreitete, überraschte die erfahrenen Feuerwehrleute. Inzwischen war auch Anderegg am Ort des Geschehens angekommen. «Ein Brand von dieser Dimension hat uns alle überfordert, niemand hatte so etwas zuvor schon einmal erlebt.»

Neben der Hinwiler Feuerwehr rückten auch weitere Feuerwehren aus – parallel versuchten die Einheiten, das gewaltige Feuer in den Griff zu bekommen. Im Lauf des Nachmittags sollten immer mehr Einsatzkräfte hinzukommen – am Ende kämpften rund 300 Menschen mit 79 Fahrzeugen gegen die Flammen, darunter die Stützpunktfeuerwehr Uster, die Feuerwehren Wetzikon-Seegräben, Dürnten, Oetwil am See, die Betriebsfeuerwehr B+F VBS der Logistikbasis der Armee in Hinwil, ein Löschzug der SBB sowie Rettungsdienst und Polizei.

Glück im Unglück

Die Befürchtung von Anderegg und Stübi, das Feuer könnte sich auf die umliegenden Gebäude ausbreiten, sollte sich zum Glück nicht bewahrheiten. Auch der westliche Teil des Gebäudes, wo sich eine Brockenstube befand, konnte gerettet werden. «Wirklich im Griff hatten wir alles aber erst gegen Abend», meinen beide. Es sei damals ein grosser Erfolg gewesen, dass einerseits keine Menschen beim Brand zu Schaden gekommen seien und man andererseits noch habe verhindern können, dass umliegende Geschäfte ebenfalls den Flammen zum Opfer gefallen seien.

«Dafür, dass so viele Einsatzkräfte aus unterschiedlichen Einheiten vor Ort gewesen sind und man nur wenig Zeit hatte, sich untereinander abzustimmen, hat alles sehr gut funktioniert», findet Anderegg. Dennoch sei der Druck während des gesamten Einsatzes enorm gewesen. Dass das Gebäude aufgrund des Brands einsturzgefährdet war, erschwerte die Löscharbeiten zusätzlich. Bis der Einsatz wirklich als beendet gelten konnte, vergingen insgesamt 30 Stunden. Auch am Folgetag führten die Feuerwehrleute nach einer kurzen Pause weitere Löscharbeiten aus. Am Ende stand nur eine Ruine aus Russ und ein paar Grundmauern. «Es war sicher nicht unser längster Einsatz, dafür aber der mit dem grössten Schadensausmass», so Stübi.

Lehren aus dem Einsatz ziehen

Und was bleibt fünf Jahre nach dem Brand? Rein optisch nicht viel: Da, wo damals das Gebäude der Bührer Traktorenfabrik stand, ist heute ein provisorischer Parkplatz für jede Menge Autos. Auf der emotionalen Ebene hat das Ereignis dafür umso tiefere Spuren hinterlassen. «Als Landwirt war es mir auch ein persönliches Anliegen, die Traktoren vor den Flammen zu retten», berichtet Anderegg.

Drohnenaufnahme des ehemaligen Areals der Bührer Traktorenfabrik AG.
Heute stehen auf dem ehemaligen Gelände zahlreiche Autos.

Zudem sind sich der ehemalige und der jetzige Kommandant einig: Auf einen Einsatz dieses Ausmasses kann man sich schlecht vorbereiten. «Vielmehr ist es so, dass wir in der Rückschau betrachtet unheimlich viel dazugelernt haben.» Gleichzeitig ist Stübi und Anderegg auch die Erleichterung der Menschen im Gedächtnis geblieben, deren Hab und Gut sie vor den Flammen retteten. «Mehrere benachbarte Firmen kamen im Nachhinein auf uns zu und bedankten sich für unseren Einsatz», sagt Stübi. Und fügt hinzu: «Wenn dir das als Feuerwehrmann passiert, ist das unheimlich motivierend.»

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