Diesen Handgriff hört ganz Dübendorf
An diesem Mittwoch hat es in Dübendorf wieder einmal geheult. Der Bevölkerungsschutz hat die Sirenen getestet. Wie der Alarm ausgelöst wird – und was passiert, wenn die Technik versagt.
Dass es am ersten Mittwoch im Februar für etwa eine halbe Stunde heult, ist den meisten Dübendorfern bekannt. Wenige erschrecken vielleicht, weil sie es vergessen haben. Zwölf einheimische Zivilschützer haben an diesem Tag die Ehre, die lauten Alarmanlagen zu betätigen.
«Es ist auch nach 16 Jahren noch ein spezielles Gefühl», sagt Roger Rechsteiner auf dem Dach des Alters- und Spitexzentrums Imwil. Er ist der Zivilschutzkommandant und stellvertretende Leiter Bevölkerungsschutz und organisiert in Dübendorf den jährlichen Sirenentest am Mittwochnachmittag. «Früher habe ich das Betätigen der Sirene noch gefilmt und stolz auf Facebook gepostet.» Das mache er heute zwar nicht mehr, aber seine Freunde neckten ihn noch immer: «‹Häsch wider mal Lärm gmacht›, sagen sie dann.»
Auf Gebäuden oder Autos
Die Anlage zu aktivieren, ist simpel. Das Herzstück ist ein kleines Steuergerät, in das man einen Schlüssel steckt, ihn für einige Sekunden nach rechts dreht und dann wieder loslässt. Dann ertönt aus acht Lautsprechern an einer Metallstange das ohrenbetäubend laute, bekannte «Wii-uu».
Nachdem eine dieser acht Sirenen auf Dübendorfs Gemeindegebiet ausgeklungen ist, lauscht Rechsteiner nach den anderen, die etwas später betätigt wurden. «Das sind die aus Fällanden», meint er.
Vielleicht war es aber auch eine der mobilen Sirenen. Denn in den abgelegenen Stadtgebieten sind während des Tests Fahrzeuge mit auf dem Dach montierten Sirenen unterwegs. Drei von ihnen fahren im Schritttempo in Stettbach, Hermikon, bei der Ruine Dübelstein, im Geeren und beim Eglishölzli herum.

Denn in diesen Bereichen stehen keine öffentlichen Gebäude. Also können auch nirgends Sirenen montiert werden. «Die Alarmanlagen sind Eigentum der Stadt. Diese auf ein privates Gebäude zu stellen, ist schwierig», erklärt Rechsteiner. Wichtig sei ausserdem, dass die Häuser hoch genug seien, aber auch nicht zu hoch. «Der Jabee Tower im Hochbord würde sich zum Beispiel nicht eignen, weil man die Sirene aus dieser Höhe nicht mehr hört.» Deshalb stehen sie auf Schulhäusern, Turnhallen oder eben auf einem Alterszentrum.
60 Sekunden allgemeiner Alarm
Im siebten Stock gelangt man auf das Dach des Alters- und Spitexzentrums Imwil. Von dort gehts über eine kleine Leiter in den achten Stock, wo die rund drei Meter hohe Stange mit den Lautsprechern steht. Betätigt wird die Sirene in einem kleinen Raum daneben. Sie heult jeweils für 60 Sekunden den allgemeinen Alarm. Einen Wasseralarm gibt es in Dübendorf nicht, da das Gebiet nicht unterhalb einer Stauanlage liegt.
Im Gegensatz zu alten, pneumatisch (also mit Druckluft) gesteuerten Exemplaren erzeugen die neuen Anlagen in Dübendorf elektronische Töne. Sie sind ans Stromnetz angeschlossen. Fällt dieses aus, werden sie von zwei grossen Batterien betrieben. Gebaut wurden sie – sowie weitere 3200 Sirenen in der Schweiz – von der ehemaligen Dübendorfer Firma Kockum Sonics, die heute in Wallisellen steht.
Rechsteiners Aufgabe ist es an diesem Mittwochnachmittag, in dem kleinen Raum zu stehen und erst mal zu prüfen, ob die Sirene überhaupt funktioniert. Die ersten zwei Mal wird sie von der Kantonspolizei Zürich per Fernsteuerung ausgelöst. Einmal um 13.30, einmal um 13.35 Uhr.
So würde es auch bei einem Notfall funktionieren: Die Kantonspolizei löst die Sirenen von ihrer Einsatzzentrale her aus. Sollte die Funkverbindung unterbrochen sein, kommt die Feuerwehr Dübendorf-Wangen-Brüttisellen zum Zug. Sie betätigt die Sirene manuell. Sollte die Feuerwehr bei einer längeren Notsituation keine Zeit dafür haben, übernimmt der Zivilschutz.
Zu diesem Team von zwölf Personen gehört Rechsteiner, der um 13.45 und um 13.50 Uhr die Sirenen manuell startet. Dass es heute funktioniert hat, meldet er anschliessend dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Dass eine Sirene nicht geheult hätte, gab es laut Rechsteiner noch nie.
«Es ist viel wahrscheinlicher, dass eine Sirene durch einen technischen oder menschlichen Fehler unter dem Jahr abgeht», sagt Rechsteiner. In der Schweiz passiere das etwa einmal im Monat, in Dübendorf sei es vor rund zehn Jahren einmal passiert. Auch in diesem Fall müsste die Feuerwehr ausrücken, denn der Alarm kann nur manuell, durch das Ziehen eines Steckers, ausgeschaltet werden.
Nicht alle werden erreicht
Und wie muss man nun vorgehen, wenn das Warnsignal zu hören ist? «Die allgemeine Sirene bedeutet in erster Linie, dass sich die Bevölkerung informieren soll», erklärt Rechsteiner. Der Alarmton weise nicht direkt auf Krieg oder eine Naturkatastrophe hin. «Durch die App Alertsuisse oder das Schweizer Radio wird das weitere Vorgehen kommuniziert.»
Aus diesem Grund sei es auch wichtig, Personen aus dem Ausland über den Sirenentest aufzuklären. «Asylzentren zum Beispiel sollten ihre Bewohner informieren, damit sie nicht in Angst versetzt werden.»
Der Bevölkerungsschutz müsse in Dübendorf auch beachten, dass nicht alle Bewohner die Sirenen gut hören würden. «Zum Beispiel behindern die Hochhäuser im Hochbord den natürlichen Weg des Schalls. Dahinter ist der Warnlaut nicht so gut zu hören.»
Die Mitarbeiter bei Skyguide, dem Flugsicherungszentrum in Wangen-Brüttisellen, müssen im Notfall telefonisch benachrichtigt werden. Denn: «Ihr Gebäude ist schallgeschützt.» Dazu kämen noch hörbehinderte Menschen – auch sie seien von der Alarmierung ausgeschlossen. Darum sagt Rechsteiner: «Es ist wichtig, dass sich die Bevölkerung untereinander hilft.»