Diese Lektüre geht unter die Haut
Seine Biografie: harte Kost. Seine Ausdrucksweise: «fadegrad». Oliver Baer war ein gefeierter Fotograf – und alkoholabhängig. Jetzt ist er Buchautor seiner eigenen Geschichte.
Jahrelang führte Oliver Baer aus Russikon eine Art Doppelleben: Von 8 bis 17 Uhr war er als erfolgreicher Fotograf auf Achse. Er arbeitete für renommierte Agenturen und namhafte Künstler wie Christa de Carouge, Stefanie Heinzmann oder Freezy.
Im «stillen Kämmerlein» jedoch war der Alkohol sein Lebenselixier. «Ich sehnte mich den ganzen Tag über auf diesen erlösenden Moment», erinnert er sich heute an die Zeit zurück. Erst nach einem Suizidversuch wurde ihm schmerzlich bewusst, dass er Hilfe brauchte.
Seit dem Entzug in einer Klinik sei sein Kopf heute endlich klar und frei. Oder «rauschlos und laut» – wie der Titel seiner Podcasts lautet, die der 37-Jährige seit Kurzem regelmässig herausgibt. Am 10. Februar findet dieser das erste Mal live im Zürcher «Kaufleuten» statt, unter dem Motto «Talk about Alk».

Der eigentliche «Big Bang» ist aber seine Autobiografie, die am 3. Februar im Handel erscheinen wird. Seine primäre Motivation für das Schreiben seiner eigenen Geschichte: wachrütteln, auffordern, hinzuschauen – und das eigene Verhältnis zum Alkoholkonsum überdenken.
Achtung, «Spoileralarm»: Das gelingt dem Debütautor voll und ganz. Wer das Buch aus den Händen legt, wird sich danach eher keine Bierdose öffnen. Und sich vielleicht fragen, ob die zwei, drei Gläser Wein zum Feierabend wirklich die einzige Möglichkeit sind, sich selbst zu belohnen.
Aus den Händen legen wird man «Belichtet und benebelt» sowieso erst, wenn man es fertig gelesen hat (oder weil man zur Arbeit oder ins Bett muss).
Sex, Drugs and Rock & Roll
Baers Biografie liest sich von Anfang an wie ein Kriminalroman. Er teasert auf der ersten Seite einen schrecklichen Verdacht an, der den Leser nicht mehr loslässt und wie ein roter Faden durch die Geschichte führt. Mit der traurigen Gewissheit, dass es sich um keinen fiktiven Roman handelt, sondern um Baers echte Lebensgeschichte.
Der Autor beginnt bei seinem zweiten Lebensjahr und nimmt uns mit auf die Reise durch die prägendsten Stationen seiner Geschichte. Sein Schreibstil ist roh, nackt, ungeschönt. Der ehemalige Promifotograf, der seine Erfolge jahrelang im Übermass feierte, nimmt kein Blatt vor den Mund.
Eine gestohlene Kindheit durch zu viel Verantwortung, erste Kontakte mit Alkohol und Drogen, eine innere Zerrissenheit und das Lechzen nach Anerkennung und Liebe bis zum exzessiven Alkoholmissbrauch – wer dieses Buch liest, wird mit schweren Themen und grossen Emotionen konfrontiert.
Der rote Faden erscheint dabei wie ein Damoklesschwert immer wieder im Hintergrund. Ob der Verdacht am Ende des Buchs aufgelöst wird, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Der umtriebige «Selfmademan» wird nicht nur Lesungen aus seinem Buch halten, sondern wird auch ein letztes Mal an der Photo-Schweiz 26 in Zürich mit einer Sonderausstellung präsent sein. Ausserdem haben die Rapper Freezy (aus Uster), Phumaso und Smack eigens den Song «Belichtet und benäblet» herausgegeben. Die offizielle Buchvernissage findet am 6. Februar an der Photo-Schweiz 26 im Kongresshaus Zürich statt.
Dann beginnt der «Big Bang»
«Belichtet und benebelt» (im Eigenverlag von Oliver Baer herausgegeben) wird ab 3. Februar im Handel erhältlich sein, unter anderem bei Exlibris, Orell Füssli und Press & Books.
Ebenfalls am 3. Februar findet in der Bibliothek Russikon die erste öffentliche Lesung statt. Eintritt frei, Anmeldung erwünscht.