Ehemaliger Fotograf aus Russikon spricht offen über seine Alkoholabhängigkeit
Wann wird aus einer lieb gewonnenen Gewohnheit eine Sucht? Oliver Baer erzählt über eine sehr schmale Gratwanderung. Und über seine innigste Beziehung, die sein Leben zerstörte.
Oliver Baers Blick wirkt wach und aufmerksam, seine Körperhaltung lässig entspannt. Das blütenweisse Shirt unterstreicht seinen gesunden Teint und seine sportliche Statur. Haare und Schnurrbart sind sorgfältig getrimmt.
Es ist nicht nur sein gepflegtes Erscheinungsbild – auch wenn der 37-Jährige von seinem Leben erzählt, wirkt er «aufgeräumt» und fokussiert. Das war nicht immer so. Über Jahre hinweg war Baer tagtäglich benebelt und betäubt – vom Alkohol, der sein Leben dominierte. «Ich lebte während 15 Jahren in zwei Welten.»
Er führte ein «Doppelleben»
Oliver Baer war ein sogenannter funktionaler Alkoholiker: Von 8 bis 17 Uhr funktionierte er professionell im Berufsalltag. Sobald er jedoch die Tür hinter sich zuzog, lebte er nur noch für seine Alkoholsucht. «Ich freute mich den ganzen Tag über auf meinen besten Freund, den Alkohol.»

