Diese Fragen stellen sich vor Beginn der Rückrunde in der 2. Liga
Wie starten Gossau, Brüttisellen, Wald und Greifensee in die zweite Saisonhälfte? Welches Team hat sich am besten verstärkt und wer die beste Vorbereitung hinter sich? Wir haben die Antworten.
Wie sieht die Ausgangslage in der Gruppe 2 aus?
Die 14 Teams können grob drei Gruppen zugeordnet werden. Vorne schreitet ein Quartett voran, am anderen Ende humpeln Küsnacht und Beringen dem Umzug hinterher. Das Duo sieht das rettende Ufer nur mit einem Fernglas und dürfte dem Sturz in die 3. Liga kaum mehr entkommen. Auffällig ist das breite Mittelfeld mit gleich acht Teams, zu denen auch der FC Gossau (5.), Wald (6.), Brüttisellen-Dietlikon (9.) und der auf Rang 12 unter dem Strich liegende FC Greifensee gehören. Was die Spannung erhöht: Die Mittelfeld-Teams liegen innerhalb von lediglich sechs Punkten. Das wiederum heisst bei verbleibenden 13 Partien: Die Mannschaften bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Aufbruchstimmung und Absturzsorgen.
Können Oberländer Teams um den Aufstieg mitreden?
Läuft alles in geordneten Bahnen weiter, wird das nicht der Fall sein. Elf Zähler liegen der punktgleiche FC Gossau (5.) und Wald (6.) hinter Tabellenführer SC Veltheim. Der SCV startet mit den besten Aufstiegskarten in den Händen und zwei beziehungsweise vier Zählern Vorsprung auf Stäfa und Herrliberg. Wie minim die Chancen sind, dass ein Oberländer Team mit einer Top-Rückrunde ganz nach oben stossen kann, lässt sich gut aufzeigen. In den letzten zehn Jahren holten die Aufsteiger der Gruppe 2 bei jeweils 26 Partien zwischen 54 und 62 Punkte. Um überhaupt auf 54 Punkte zu kommen, dürften sich Gossau und Wald im Frühling nur eine Niederlage und ein Remis leisten. Das ist nichts weniger als eine Herkulesaufgabe.
Wie stark ist der FC Greifensee abstiegsgefährdet?
Der FCG nimmt die Rückrunde auf einem Abstiegsplatz in Angriff. Aktuell ist er also die am stärksten gefährdete Mannschaft aus der Region. Gut für die seit 2011 ununterbrochen in der 2. Liga spielenden Greifenseer sind die engen Verhältnisse. Zwei oder drei Siege am Stück können die Lage bereits fundamental verändern. Am besten fangen die Greifenseer auch an, auf heimischem Rasen zu gewinnen, auf dem sie in der Hinrunde eine erschreckend schwache Ausbeute aufweisen. Einen einzigen Punkt holte der FCG in sechs Heimspielen. Was für ihn spricht, ist die defensive Stabilität. Nur drei Mannschaften kassierten weniger Gegentore, wobei auch nur ein Gegner weniger Tore erzielten als der Drittletzte. In die Waagschale werfen können die Greifenseer mit Sicherheit, dass sie in den vergangenen Jahren oftmals in Not waren und sich doch jedes Mal retteten. «Wir performten immer, wenn wir voll im Abstiegskampf waren», hat Captain Pascal Unholz schon vor Saisonbeginn auf diese FCG-Qualität hingewiesen. Es ist einmal mehr Zeit, darauf zu bauen.
Wer überzeugte in den Testspielen am meisten?
Welcher der vier Zweitligisten aus der Region spielerisch den besten Eindruck in den Tests hinterlassen hat, können wir nicht beurteilen. Es tut in diesem Fall auch nichts zur Sache. Denn wie sagt man so schön: Der Totomat ist das, was zählt. Rein von den Ergebnissen her gibt es darum nur eine richtige Antwort. Und die heisst FC Gossau. Das Team von Andreas Häsler gewann bis Anfang dieser Woche drei der vier Tests, darunter zwei gegen Zweitligisten. Dazu trennte sich der FCG vom Drittligisten Wetzikon 4:4. Was neben der guten Bilanz auffällt: Die Gossauer schossen Tore in Hülle und Fülle, insgesamt deren 20. Witziger Zufall: Gleich häufig traf der FCG in den 13 Partien der Vorrunde.
Wie gut hat sich das regionale Quartett verstärkt?
So gut wie gar nicht. Wald hat sogar drei Abgänge zu verzeichnen. Ungeachtet dessen sagt Trainer Boris Juric: «Wir bauen weiterhin auf die Eigenen und versuchen, wieder Junioren in die Mannschaft zu integrieren.» Dasselbe Bild zeigt sich in Gossau und Greifensee, wo man wie gewohnt dem vorhandenen Personal vertraut. Die einzige Ausnahme ist Brüttisellen-Dietlikon, das in der Winterpause gleich drei Neue holte. Trainer Zahir Idrizi freut sich zudem, dass Antonio Kaba Mangrei (11 Tore) nach seiner Rückkehr im Sommer sofort wieder zu seinen alten Skorerqualitäten gefunden hat und dem Verein trotz Anfragen die Treue hält. Idrizi sagt: «Ich freue mich auf die Rückrunde. Mit den neuen Spielern wird Kaba nochmals alles übertreffen.»
Kann Riley Christen die Torjägerkrone verteidigen?
Unmöglich ist das nicht, allzu verheissungsvoll sind Riley Christens Aussichten aber nicht. Der Knipser des FC Gossau, der letzte Saison mit 28 Toren bester Zweitliga-Torschütze war, steigt mit einem beträchtlichen Rückstand in die zweite Hälfte des Torjägerrennens. In der Hinrunde verpasste Riley mehrere Spiele verletzt, traf aber dennoch siebenmal. Der Veltemer Dennis Bagnato (13 Tore) nimmt die Rückrunde aus der Poleposition in Angriff. Dicht auf den Fersen ist ihm neben anderen auch der Brüttiseller Antonio Kaba Mangrei. Der 27-jährige Stürmer hat in der Vorrunde in elf Einsätzen elf Tore erzielt. Kaba Mangrei knüpft damit nach seiner Rückkehr vom SV Höngg nahtlos an die Saison 2023/2024 auf dem Lindenbuck an. Ihm gelangen für die damals in der 3. Liga spielenden Brüttiseller in 20 Pflichtspielen 31 Tore.
Ist die Sportredaktion mit ihren Tipps auf Kurs?
Seit 20 Jahren gibt die Sportredaktion vor jeder Regionalfussball-Saison ihre Tipps ab. Mal sind sie besser, mal fallen sie etwas bescheidener aus. Vor Beginn der Rückrunde ist ein guter Zeitpunkt, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Diese fällt, so viel Selbstkritik muss sein, durchzogen aus. Beim FC Brüttisellen-Dietlikon und beim FC Gossau sind wir durchaus auf Kurs, beide stehen nur leicht besser da als von uns getippt. Kräftig Aufholbedarf haben wir jedoch bei Wald und Greifensee. Den Aufsteiger FCW haben wir unterschätzt. Er ist als Sechster um gleich fünf Positionen besser klassiert als prognostiziert. Die Greifenseer haben wir derweil überschätzt. «Die Saison wird weitgehend sorgenfrei», waren wir uns sicher. Und trauten dem FCG Rang 8 zu. Jetzt liegt er vier Plätze weiter hinten und ist in den Kampf um den Ligaerhalt verwickelt. Noch ist bei all unseren Tipps eine Punktlandung möglich, weshalb wir uns gerne hinter dieser hübschen Weisheit verstecken: Abgerechnet wird am Schluss.