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Die offensive Lebensversicherung im FCG

Der bodenständige Knipser, der auch ein «Sauhund» sein kann

Ob mit rechts, links oder per Kopf: Riley Christen ist ein Goalgetter wie aus dem Bilderbuch. Fast 30 Tore erzielte er letzte Saison. Vom FC Gossau weglocken liess sich der Oberländer trotzdem nicht.

Toptorjäger Riley Christen sieht keinen Grund, seinen Stammklub Gossau zu verlassen.

Foto: Robert Pfiffner

Der bodenständige Knipser, der auch ein «Sauhund» sein kann

Ob mit rechts, links oder per Kopf: Riley Christen ist ein Goalgetter wie aus dem Bilderbuch. Fast 30 Tore erzielte er letzte Saison. Vom FC Gossau weglocken liess sich der Oberländer trotzdem nicht.

Es fuchst ihn, diese Marke so knapp verpasst zu haben. Riley Christen hat keine Mühe, das zuzugeben. Und findet dennoch: «28 Tore sind auch völlig okay.» Mehr als okay, keine Frage.

Häufiger als der Stürmer des FC Gossau traf letzte Saison kein anderer Spieler eines Zweitligisten aus der Region Zürich. Und das sind – Achtung Zufall – 28 Teams. Man müsste annehmen, dass der Torjäger mit Anfragen überschüttet worden ist. Und fragt sich, was ihn von einem Wechsel abhielt.

Letzteres ist im Prinzip sehr simpel. Und fast schon kitschig, wie er sich dazu äussert. Christen sagt: «Ich liebe es, in Gossau zu spielen.» Es ist ein Satz, bei dem es den FCG-Verantwortlichen warm ums Herz werden dürfte.

Was Christen dazu bringt, sich so auszudrücken? In erster Linie der enge Teamzusammenhalt. «Wir sind alles Kollegen, die neben dem Fussball gemeinsam Dinge machen», streicht der Spieler aus dem Grüt heraus. Und sagt, der dörfliche Charakter des Vereins passe zu ihm. «Niemand erhält hier etwas, jeder macht es aus purer Freude am Sport.»

Die 2. Liga? Das passt!

Trotz seinen 28 Toren ist es um Christen erstaunlich lange ruhig geblieben. In den Sommerwochen aber buhlten dann doch eine Handvoll Klubs um den Stürmer, darunter ein Erstligist und Interregio-Klubs. Mehr oder weniger intensiv, wie Christen präzisiert.

Er sagt frei heraus, wer ihn verpflichten wollte. Und legt bei einem Klub sogar offen, was dieser ihm bot. Zu schlaflosen Nächten führten die Angebote nicht. Im Prinzip war ihm von Anfang an klar: «Ich bleibe.»

Christen ist zwar erst 24, vom sportlichen Aufstieg aber hat er sich verabschiedet. Die 2. Liga? Die passt für ihn. Klar, auch er träumte einst von einer Profikarriere. Christen gehörte der Züri-Oberland-Auswahl von der U12 bis zur U15 an, den Sprung in die U16 aber schaffte er nicht mehr.

Er war damals stets einer der Kleinsten. Was schwer vorstellbar ist, wenn man jetzt neben dem hochgeschossenen und athletischen Mann steht. Mit 1,86 Metern ist Christen nun der grösste Spieler im Team. Und im Gegensatz zu den Anfängen ja auch nicht mehr Aussenverteidiger.

Im Nachwuchs des FC Pfäffikon, bei dem er eine Saison lang war, beorderte ihn der damalige Trainer nach vorne. Wo er geblieben ist. «Irgendetwas habe ich wohl richtig gemacht», sagt der Knipser und grinst.

Die simple Erklärung

Christen hat sogar sehr viel mehr als nur irgendetwas richtig gemacht. Zweimal gelangen ihm in Folge jeweils über zehn Tore, ehe er letzte Saison richtiggehend «explodierte». Wie er sich das erklärt? «Es ging anscheinend ein Knopf auf», sagt er.

Christen versucht gar nicht erst, den Leistungssprung an konkreten Dingen festzunageln. Stattdessen ist er überzeugt: «Bei mir war es das Selbstvertrauen.» Christen fand letzte Saison den Tritt sofort – und verlor diesen nicht mehr. In der Meisterschaft blieb er nie länger als zwei Partien hintereinander ohne persönliches Erfolgserlebnis. Am Schluss hatte er die Hälfte der Gossauer Treffer erzielt.

Die eindrückliche Quote weckt Erwartungen. Zumindest im Umfeld. Christen selbst sieht sich nicht stärker unter Druck. «Es reizt mich natürlich, an die vorherige Saison anknüpfen zu wollen», sagt er, ohne eine konkrete Zahl anzuvisieren. Seine Strategie ist simpler. «Einfach so viele Tore wie möglich machen.»

Der Start in die Meisterschaft verlief nicht nach seinem Gusto, zuletzt fiel Christen mit einer Verletzung aus. Seine Gefährlichkeit dürfte er in der Sommerpause dennoch kaum verloren haben. Christen ist eine richtige Nummer 9. Ein körperlich präsenter, klassischer Instinktstürmer, der mit dem starken rechten Fuss ebenso trifft wie mit links oder per Kopf.

«Ich bin nicht der grosse Techniker», weiss Christen. «Das muss ich aber auch gar nicht sein.» Was zeichnet ihn aus? Er sagt: «Ich bin einer, der den Verteidigern wehtut und auch ein wenig ein Sauhund sein kann.»

Was letztlich nichts anderes heisst, als dass Christen alles tut, um zu treffen. Es reizt ihn, sich zu pushen. Nicht nur im Spiel, sondern ebenfalls im Training. «Ich war immer schon der Typ, der Vollgas gibt.»

Das perfekte Gesamtpaket

Riley Christen fühlt sich dem Klub verbunden, ist eine Teamstütze und mit seinem Einsatz ein Vorbild: Kann man sich von einem Spieler mehr wünschen? Andreas Häsler lacht. Der Gossauer Trainer weiss genau, was er am Angreifer hat. «Riley ist ein Mentalitätsmonster», sagt er, «ein richtiger Sturmtank mit unglaublichem Zug und Willen.» Er sei abgeklärter geworden, findet der Trainer, «und auch noch einmal reifer».

Und der Stürmer selbst – welche Begriffe passen aus seiner Sicht zu ihm? Christen sagt: «Ich würde mich als bodenständig, ehrgeizig und fröhlich bezeichnen.» Dann grinst er vergnügt. Im Gespräch mit ihm ist ordentlich Tempo drin. Kaum einmal muss Christen über eine Antwort nachdenken. Er platziert ein paar Sprüche, wirkt aufgeräumt und ist offen. Man erhält jedenfalls sofort das Gefühl, einer lebensfrohen und zufriedenen Person gegenüberzusitzen.

Christen hat eine KV-Lehre abgeschlossen, ist aber seit Längerem für einen grossen Sicherheitsdienst tätig und für diesen hauptsächlich in Zügen unterwegs. Unsicher hat er sich dabei noch nie gefühlt. Und es passt zu ihm, was er über herausfordernde Situationen sagt: «Man muss sie mit einem Lächeln nehmen.»

Obwohl sie ihm gefällt, wird er diese Arbeit nicht ewig machen. Christen liebäugelt mit der Polizeischule. Ins Büro zieht es ihn nicht zurück. «Das ist nichts für mich», winkt er ab. «Ich bin gern unter Leuten, bewege mich gern.»

Sein Bewegungsdrang und seine Energie führen dabei regelmässig zu Problemen – allerdings nur bei den gegnerischen Verteidigern.

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