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Für 30 Jahre

Deshalb will Wetzikon weiterhin Trinkwasser aus dem Zentrum

Die Trinkwasserfassung Feld an der Binzackerstrasse in Wetzikon soll bleiben: Der Kanton stellt nun doch eine 30‑jährige Verlängerung der Konzession in Aussicht – aber mit Auflagen.

An der Binzackerstrasse fassen die Wetziker Stadtwerke Grundwasser. Und sie wollen dies auch in Zukunft tun.

Foto: Simon Grässle

Deshalb will Wetzikon weiterhin Trinkwasser aus dem Zentrum

Für 30 Jahre

Die Trinkwasserfassung Feld an der Binzackerstrasse in Wetzikon soll bleiben: Der Kanton stellt nun doch eine 30‑jährige Verlängerung der Konzession in Aussicht – aber mit Auflagen.

Hinter dem Gebäude der Wetziker Stadtpolizei befindet sich eine grosse Wiese. Darauf steht nur ein kleines weisses Häuschen – rundherum blaue Pfosten mit der Aufschrift: «Schutzzone». Wer sich nicht achtet, wird kaum erahnen, dass hier im Pumpwerk Feld in zwölf Metern Tiefe ein grosser Teil des Wetziker Trinkwassers aus dem Grundwasser gefasst wird – und dies seit über 80 Jahren.

Lange sah es aber danach aus, als ob damit Ende 2027 Schluss sein könnte. Dann läuft die Konzession des Kantons ab – und dieser teilte der Stadt bereits 2020 mit, dass es keine Verlängerung gibt. Der Grund: Gebäude wurden immer näher an die Schutzzone herangebaut.

Doch nun, in Anbetracht von zunehmender Trockenheit und unregelmässigen Niederschlägen, sieht alles auf einmal anders aus.

Ohne Investitionen geht es nicht

Es gab Anfang Jahr erneut Gespräche mit Vertretern des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft, kurz Awel. «Die Wasserfassung im Pumpwerk Feld ist wichtig für Wetzikon», sagt der zuständige Stadtrat Henry Vettiger (SVP). Er hat sich deshalb darum bemüht, nochmals beim Kanton vorstellig zu werden – wie es aussieht mit Erfolg.

Unter Bedingungen stellt der Kanton in Aussicht, dass die Konzession für voraussichtlich 30 Jahre verlängert wird. «Längere Konzessionen werden heute in der Regel nicht mehr erteilt», sagt Vettiger.

Dafür muss die Anlage aber unter anderem auf den neuesten Stand gebracht werden, mit zusätzlichen Vorrichtungen zum Schutz der Wasserqualität. Ausserdem braucht es eine Überprüfung und eventuell Anpassungen bei den Schutzzonen. Das weisse Häuschen der Trinkwasserfassung wird sicher eingezäunt werden müssen.

Tinkwasserfassung Feld, weisses Häuschen steht auf einer grünen Wiese
Heute weisen blaue Pfosten auf die Schutzzone hin. Künftig wird das Häuschen eingezäunt sein.

«Die Anpassungen beim Pumpwerk Feld würden voraussichtlich 1,2 Millionen Franken kosten», schätzt Vettiger. Für ihn ein vergleichsweiser geringer Aufwand im Vergleich zu dem, was Wetzikon im Fall einer Stilllegung bezahlen müsste. «Das Wasser aus dem Pumpwerk Feld kriegen wir fast gratis», sagt er. Die Stadt muss nach den Anpassungen lediglich noch für Personalkosten und den Unterhalt der Anlage aufkommen.

Etwa 1000 Liter pro Minute Trinkwasser gewinnen die Stadtwerke dort. «Und es hat eine Topqualität», ergänzt Brunnenmeister Marcel Christen.

Pro Jahr nehmen die Stadtwerke etwa 1,5 Millionen Franken mit dem Wasser aus dem Pumpwerk Feld ein. «Auf 30 Jahre sind wir da bei 45 Millionen Franken, die wir nicht für eingekauftes Seewasser ausgeben müssen», meint Vettiger.

Park bleibt möglich

Denn nur zwei Drittel des Wetziker Trinkwassers gewinnt die Stadt aus den eigenen Fassungen, ein Drittel kommt aus aufbereitetem Seewasser von der Gruppenwasserversorgung Zürcher Oberland. «Das Pumpwerk Feld macht etwa 40 Prozent unseres eigenen Wassers aus», erläutert der Brunnenmeister. Dies könnte die Stadt nicht ohne zusätzliches Seewasser kompensieren.

Das würden laut Vettiger auch die Wetzikerinnen und Wetziker spüren. «Die Wasserpreise würden ohne das Pumpwerk Feld nochmals erhöht werden.»

Deswegen arbeiten Vettiger und die Stadtwerke daran, dass die Konzession verlängert werden kann. «Wir können alle Bedingungen des Kantons erfüllen», betont der Stadtrat.

Die Bedingungen würden auch einem Park bei der Trinkwasserfassung nicht widersprechen. Denn dies fordert eine Motion von SP-Parlamentarierin Daniela Oriet, die bereits an den Stadtrat überwiesen wurde.

Tinkwasserfassung Feld, weisses Häuschen steht auf einer grünen Wiese
Heute steht das Häuschen der Grundwasserfassung auf der grünen Wiese. Doch es ist möglich, darauf einen Park zu erstellen.

Bei der Einreichung gingen die Verantwortlichen aber noch davon aus, dass an der Binzackerstrasse bald kein Trinkwasser mehr gefasst wird. «Ein naturnaher Park sollte kein Problem sein», sagt Vettiger, «man muss ihn einfach grundwasserkonform bauen.» Doch ein konkretes Projekt für eine Parkanlage liegt noch nicht vor.

So steht es um die Trinkwasserfassung in Wetzikon

In den vergangenen zwei Jahren hat der Stadtrat die Preise für Trinkwasser zweimal erhöht. Heute zahlt man für einen Kubikmeter Trinkwasser Fr. 2.80, 2024 waren es noch Fr. 2.05.

Grund für die Preiserhöhung sind verschiedene Investitionen. 2024 und 2025 wurde das Reservoir Balm für 2,3 Millionen Franken saniert. Bis 2028 werden alle sieben Quellfassungen im Kemptner Wald für 3,7 Millionen und bis 2030 jene in der Hinterburg für 4,2 Millionen Franken erneuert. «Das ist wichtig, um die Wasserversorgung von Wetzikon langfristig zu sichern», sagt Stadtrat Vettiger.

Man sieht zwei Rohre, eines aus Edelstaht, das andere aus Ton.
Tonrohre (unten) sind teilweise 100 Jahre alt. Sie werden durch neue aus Edelstahl ersetzt.

Es sei an der Zeit, die Quellfassungen auf den neusten Stand der Technik zu bringen. «Vor 100 Jahren hat man noch Tonrohre benutzt», sagt Brunnenmeister Marcel Christen. Nun werden beispielsweise neue rostfreie Rohre eingebaut. «Es ist eine Operation am offenen Herzen.»

Die Brunnenstube im Chämptnerwald, wo das Wasser aus allen Quellen zusammenläuft, wurde bereits saniert. (bes)

Man sieht den Innenbereich einer Brunnenstube, wo Quellwasser zusammenläuft.
Hier läuft das Trinkwasser aus den Wetziker Quellen zusammen: die Brunnenstube im Chämptnerwald.

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