Der Rohbau des Millionenprojekts beim Eselriet in Effretikon steht
Aufrichtfeier
Das Feuerwehr- und Werkgebäude in Illnau-Effretikon steht in seinen Grundmauern. Ein Grund zu feiern, denn das Konzept wird damit immer mehr zu einem funktionstüchtigen Gebäude.
Zwischen Betonmauern und unter einem grossflächigen Dach aus einheimischem Holz stehen Festbänke und Tische. Weisswein wird fleissig ausgeschenkt, aus Eiskübeln klaubt sich mancher eine Flasche Bier. Es ist die Aufrichtfeier des neuen Feuerwehr- und Werkgebäudes in Illnau-Effretikon. Das 39-Millionen-Projekt erstreckt sich mit einer Breite von 41 Metern und einer Länge von 115 Metern auf dem Gebiet Eselriet. Der Rohbau steht, und das gibt am Donnerstagabend Grund zu feiern.
Dass es jemals dazu kommen würde, war keineswegs sicher. Bereits 2012 genehmigte der Stadtrat einen Projektauftrag für einen Neubau. Das ehemalige Feuerwehrgebäude an der Grendelbachstrasse war unter anderem sanierungsbedürftig und liess von der Infrastruktur zu wünschen übrig. Es gab beispielsweise keine Frauengarderobe, ausserdem musste die Feuerwehr durch ein Wohnquartier ausrücken. Zudem wollte der Stadtrat städtische Dienste, wie etwa den Werkhof, zentralisieren. Man sprach schon damals von einer Mehrzweckhalle.
Es folgten Bedarfsabklärungen, Standortprüfungen und eine Machbarkeitsstudie. Verzögerungen ergaben sich vor allem aus dem aufwendigen Einzonungsverfahren, da das Grundstück zunächst in der Reservezone lag, sowie aus der rechtlichen Verknüpfung von Landkauf und Umzonung. Zusätzlich gab es politische Einwände: Parlamentarier stellten wiederholt Fragen zum Landpreis, zur Notwendigkeit einer Zentralisierung, zu Alternativstandorten und zu den finanziellen Risiken des Projekts.
Vor exakt einem Jahr wurde der Grundstein gelegt. Im März 2024 haben die Stimmberechtigten dem geplanten Neubau mit einem deutlichen Ja von 79 Prozent zugestimmt. Nach der Grundsteinlegung hat die Stadt nun einen weiteren Meilenstein erreicht.
Premiere für Architekten
Den Wettbewerb gewannen die beiden Architekten David Bühler und Reto Streit. Sie brachten bereits reichlich Erfahrungen im Bau mit, jedoch handelt es sich bei diesem Projekt um das erste, das die beiden als Selbständige umsetzen. Ein mächtiger Schritt für die beiden. Nicht nur wegen der Grösse des Neubaus, sondern auch wegen der Verflochtenheit. Denn das Feuerwehr- und Werkgebäude umfasst auch den Rettungsdienst, den Zivilschutz, den Forstbetrieb, die Wasserversorgung und die Sammelstelle.
«Durch diese Komplexität haben wir viel gelernt», sagt Reto Streit. Garderoben, Küchen, Fahrzeuglifte, Funkanlagen – eine solche Dichte verschiedener Infrastrukturen ist keine Alltäglichkeit. Eine Zentralisierung städtischer Dienste sei keine Seltenheit mehr, Illnau-Effretikon habe jedoch eine Vorreiterfunktion. «Ich halte es für grossartig, dass man uns dieses Vertrauen geschenkt hat.»
Woher kommt das Vertrauen? «Die beiden waren von Anfang an mit Herzblut und viel Engagement dabei. Sie waren stets auch sehr lösungsorientiert», sagt Stadtpräsident Marco Nuzzi (FDP).
Wertschätzung für die Büezer
Lobende Worte findet auch Stadträtin Rosmarie Quadranti (Die Mitte), die für das Ressort Hochbau zuständig ist. Sie bedankt sich bei allen Beteiligten: «Schön, dass ihr hier baut.» Eine Aufrichtfeier habe für sie eine besondere Bedeutung: «Solche Rituale sind bei einem Bau notwendig», sagt sie. «Es ist schliesslich auch eine Wertschätzung, die man den Arbeitern entgegenbringt.»
Einer dieser Arbeiter ist Fitim Hoti, Vorarbeiter und Bauspengler. Er bestätigt Quadrantis Aussage: Diese Wertschätzung bedeutet viel. «Es ist eine sehr schöne Geste. Wenn nicht alle am selben Strang ziehen, kann es auf der Baustelle nicht funktionieren. Aber meine Arbeit errichte ich nicht wegen Wurst und Semmel, sondern weil sie mich mit Stolz erfüllt.» Eigentlich ist sich Hoti grössere Projekte gewohnt. In einem Aspekt konnte aber dieser Bau schon mal imponieren: «Ich habe noch nie eine solch ordentliche und saubere Baustelle gesehen.»
Und das war anscheinend gar nicht so leicht, wenn man den Zimmermännern zuhört. «Wir verarbeiteten in kürzester Zeit eine Menge Material», sagte Zimmermann Gabriel Länzlinger. Rein von der Fläche her sei das für sie ein riesiges Projekt gewesen. «Herausfordernd war bestimmt, das ganze Baumaterial zum richtigen Zeitpunkt vor Ort zu haben.» Etwa 70 Lastwagen Holz verbauten sie in knapp acht Wochen.