Darum verlässt dieser Oberländer Veloprofi die Schweiz
Felix Stehli aus Bäretswil fährt neu für ein kleines südafrikanisches Team. Das zahlt sich für ihn aus.
Knapp zwei Wochen bleiben ihm, um seine Habseligkeiten zu verpacken und sich von den nahestehenden Personen zu verabschieden. Dann bricht Felix Stehli nach Südafrika auf. Der Veloprofi lebt künftig in Durbanville, knapp 30 Kilometer entfernt von Kapstadt.
Die Basis ist nicht zufällig gewählt. Stehli hat für nächste Saison einen Vertrag beim südafrikanischen Team Honeycomb 226ers unterschrieben. Mit dem 25-jährigen Bäretswiler sowie dem Einheimischen Marc Pritzen, mit dem Stehli 2023 beim Continental-Team EF Education-Nippo engagiert war, stehen beim Rennstall nur zwei Fahrer unter Vertrag.
Davon einen Abstieg von Stehli oder fehlende Professionalität in der Equipe herzuleiten, ist ein Fehler. Teamchefin, Mechaniker und Physiotherapeutin – alles ist vorhanden. Die zwei Trainer von Pritzen und Stehli, die deren physische Einheiten planen, sprechen sich zudem untereinander ab.
Die sportlichen Perspektiven stimmen für Stehli ebenfalls. Etwa mit der Teilnahme am Cape Epic, dem weltweit wichtigsten Bike-Mehretappenrennen.
Kommt der finanzielle Aspekt hinzu. Der zuletzt für das auf dritthöchster Stufe angesiedelte Team Vorarlberg fahrende Stehli war bisher auf die Unterstützung von privaten Sponsoren angewiesen. Vom Rennstall erhielt er nur rund 450 Franken monatlich. «Jetzt verdiene ich zehnmal mehr, und das Leben da kostet nur ein Drittel.»
Stehli hat nach dem Angebot der südafrikanischen Mannschaft gar keine weiteren Alternativen gesucht. Stattdessen wusste er sofort: «Das will ich machen.»
«Gehöre in diesen Zirkus»
Lange hatte Stehli auf einen Vertrag bei einem grossen Strassenteam gehofft. Das Glück als Velofahrer fand er abseits der befestigten Strecken. Er stellte heuer sein Potenzial im Gravel mit starken Ergebnissen eindrücklich unter Beweis. Mit dem Höhepunkt an der Gravel-WM im Oktober: Da fehlten Stehli lediglich 18 Sekunden auf die Bronzemedaille.
«Ich sah, dass ich in diesen Zirkus gehöre», sagt er zu seinem Richtungswechsel aufs Gravel und Mountainbike. Und macht klar: «Ich bin mehr als motiviert, zu zeigen, wozu ich imstande bin.»
Das wichtigste Rennen für das Team ist unbestritten das Cape Epic im eigenen Land. Pritzen wurde bei der letzten Austragung zusammen mit Landsmann Wessel Botha in der Gesamtwertung Zehnter. «Wir peilen eine Topplatzierung an», meldet Cape-Epic-Debütant Stehli hohe Ansprüche an und sagt: «Einen besseren Guide als Marc kann ich gar nicht haben.»
Ich fahre mit dem Ziel, mir noch einen besseren Namen zu verschaffen.
Felix Stehli
Seit Kurzem weiss Stehli, dass er 2026 wohl kaum ein Rennen der Gravel-World-Series bestreitet. Stattdessen fährt er überwiegend in den USA. Stehli hat wie Teamkollege Marc Pritzen für den Life-Time-Grand-Prix einen der nur 25 Plätze erhalten, die Zugang zum Preisgeld-Topf haben.
Von einem «Megaaufsteller» spricht Stehli im Zusammenhang mit dem Ticket für die wichtigste US-Offroad-Serie. Von April bis Oktober stehen sechs Veranstaltungen an – drei davon Gravel-Rennen. Stehli sagt: «Ich fahre mit dem Ziel, mir noch einen besseren Namen zu verschaffen.»
Bisher war Velofahren eine Nullrechnung für ihn. Dank seinem neuen Vertrag und gedeckten Spesen verdient er erstmals Geld. Zeigt er in der US-Serie Topleistungen, kann er den Verdienst steigern. Rund 470’000 Franken werden ausgeschüttet, der Gesamtsieger erhält 40’000 Franken.