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Er sieht den Wechsel als Weg aus der Sackgasse

Felix Stehli ist überzeugt: Bei seinem neuen Team hat er bessere Perspektiven, den Sprung zu den Profis zu schaffen.

Bald ist er nicht mehr in Pink unterwegs: In Felix Stehlis künftigem Team dominieren die Farben gelb, schwarz und rot.

Archivfoto: Roger Hofstetter

Er sieht den Wechsel als Weg aus der Sackgasse

Gibswiler Felix Stehli

Felix Stehli fährt nächste Saison weiterhin auf dritthöchster Stufe, aber für ein anderes Team. Die Neuorientierung sieht er als Investition.

Am Dienstag ist Felix Stehli nach Stellenbosch aufgebrochen. Der Zeitpunkt dafür war ideal. In Südafrika kann der Gibswiler dem Schweizer Herbstwetter mit sinkenden Temperaturen entgehen. Und weil er nun seine sportliche Zukunft geklärt hat, kann Stehli die Wochen fern der Heimat unbeschwert geniessen.

Kurz vor der Abreise hat er einen Vertrag beim Team Vorarlberg unterschrieben. Der österreichische Rennstall ist auf Continental-Stufe angesiedelt, also auf dritthöchster Ebene.

Auf dieser war Stehli zuletzt bereits unterwegs. Für den kürzlich 23 Jahre alt gewordenen Fahrer ist der Wechsel also weder Auf- noch Abstieg. Er fühlt sich für den jungen Oberländer dennoch richtig an. «Ich kann mich wohl mehr zeigen, erhalte mehr Chancen», sagt er. Und glaubt, dass die Österreicher ein attraktiveres Rennprogramm bieten werden als sein vormaliger Arbeitgeber.

Zwei gute Phasen, dazwischen aber «Gugus»

Die vergangenen zwei Jahre hat Stehli beim Nachwuchsteam von EF Education-EasyPost verbracht. Und auf seine Chance gehofft, in den World-Tour-Rennstall nachgezogen zu werden. Das ist nicht passiert.

Dafür waren auch Stehlis Leistungen letzte Saison zu inkonstant. Er beendete im Frühling eine Rundfahrt in Griechenland als Dritter und überzeugte im Herbst beispielsweise als Gesamtdritter an der Bulgarien-Rundfahrt. In gleich drei Etappen fuhr er aufs Podest.

Ein Übertraining und schlechte Leistungen um die Schweizer Meisterschaft im Juni herum verhagelten ihm die Bilanz. Er sagt selbstkritisch: «Ich bin gut gestartet und habe gut abgeschlossen. Alles dazwischen war Gugus.»

Letzten Endes waren beide Seiten nicht mehr an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert. Stehli hatte das Gefühl, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Er moniert die fehlende Perspektive.

Die Statistik gibt ihm dabei recht. EF Education-EasyPost hat bisher keinen einzigen Fahrer aus dem seit zwei Jahren existierenden Nachwuchsprogramm ins World-Tour-Team integriert.

Auf dieser Stufe ist es ein Überlebenskampf

Vor einigen Wochen und mit der damals noch ungeklärten Zukunft vor Augen war Stehli gar kurzzeitig am Punkt, dass er sich die Grundsatzfrage stellte. Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt, um dem Profitraum weiterhin nachzujagen?

Der Kampf um einen Vertrag in den besseren Teams wird verbissen geführt. Das zeigt sich auch daran, dass manche Fahrer sehr viel Risiko auf sich nehmen. «Einige halten voll rein und würden dafür sterben», sagte Stehli nach der Bulgarien-Rundfahrt plakativ.

Der Weg in den Bereich, wo im Radsport Geld fliesst, ist weit. Das weiss der Gibswiler. Er betreibt keine Schönfärberei und sagt: «Auf der Conti-Stufe zu fahren, ist ein Überlebenskampf.» 450 Franken hat er von seinem letzten Team monatlich erhalten.

Davon kann niemand leben. Der junge Fahrer ist darum froh über die Unterstützung seines Vaters und von privaten Sponsoren.

Der saure Apfel ist eine Investition

Mit dem Schritt zum Team Vorarlberg hat sich Stehli finanziell nicht verbessert. Aber das spielt für ihn zum jetzigen Zeitpunkt keine Rolle. «Jeder hat schon mal in einen sauren Apfel beissen müssen», sagt er dazu.

Das Ziel für ihn ist klar: Auf die Saison 2025 hin will er den Sprung in ein höherklassiges Team schaffen. Er sieht das nächste Jahr darum als Zukunftsinvestition an. Der Gibswiler möchte sich später nicht vorwerfen müssen, zu früh aufgegeben zu haben.

Mit 23 hat er durchaus noch Zeit. Und er sagt: «Es haben schon andere Fahrer geschafft, vom Team Vorarlberg aus Profi zu werden.» Oder zumindest, ihre Karriere wieder zu beleben, wie das Beispiel von Patrick Schelling aus Rüti zeigt.

Vier Jahre fuhr der mittlerweile zurückgetretene Schelling für die Vorarlberger, ehe er zum zweiten Mal einen Vertrag von einem Team der höchsten Stufe erhielt.

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