Gesellschaft

Chronologie der Ereignisse

So entwickelte sich der Konflikt um das Tägernauer Holz

Debatten, Demos, Gerichtsbeschwerden: die wichtigsten Ereignisse im Ringen um die Wald-Deponie in Gossau und Grüningen.

Der Wald im Tägernauer Holz muss voraussichtlich doch nicht der Deponie weichen.

Foto: Simon Grässle

So entwickelte sich der Konflikt um das Tägernauer Holz

Die geplante Wald-Deponie im Tägernauer Holz hat die Region um Gossau und Grüningen fast 20 Jahre lang beschäftigt. Eine Übersicht.


>> Lesen Sie hier, wie es zur grossen Wende im Konflikt um das Tägernauer Holz gekommen ist.


  • 2009 wird eine Deponie für Kehrichtschlacke im Tägernauer Holz in den kantonalen Richtplan eingetragen. Das Volumen beträgt 750’000 Kubikmeter und umfasst eine Fläche von sechs Hektaren. Gleichzeitig wird auch eine Deponie im Leerüti für Inertstoffe (Typ B) mit 500’000 Kubikmeter Volumen eingetragen.

    Der erste Richtplaneintrag

  • In der Teilrevision 2016 des Richtplans wird bekannt, dass der Kanton die Grösse im Tägernauer Holz verdoppeln will: auf 1,5 Millionen Kubikmeter und eine Fläche von zehn Hektaren. Gegner befürchten, dass rund 7000 Bäume gerodet werden müssen. Die Baudirektion will am Standort und an der Vergrösserung festhalten. Kurz darauf wird bekannt, dass auch das Volumen der Leerüti auf 1,3 Millionen Kubikmeter erhöht werden soll.

    Die Vergrösserung

  • Es kommt zu mehreren Kundgebungen. Im Sommer 2018 lassen sich Anwohner medienwirksam an Bäume binden. Im Herbst demonstrieren nochmals 400 Personen gegen die Deponie.

    Der Protest

  • Im Herbst 2019 debattiert der Kantonsrat über die Vergrösserung der Deponie im Tägernauer Wald. Der Rat genehmigt den Richtplan mit der vorgesehenen Vergrösserung der Deponie. Die Gossauer SVP-Kantonsrätin Elisabeth Pflugshaupt reicht jedoch einen Vorstoss ein, der ebenfalls angenommen wird. Dieser sieht vor, dass das Tägernauer Holz erst genutzt werden darf, wenn alle anderen Deponien für Kehrichtschlacke im Kanton ausgeschöpft sind.

    Die Abstimmung

  • Mit dem Entscheid des Kantonsrats sind die beiden Gemeinden Grüningen und Gossau nicht zufrieden. Sie wollen beim Bundesgericht erwirken, dass der neue Eintrag im Richtplan gestrichen wird. Bereits vorgängig hat auch der Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo) den Rechtsweg beschritten. Er will, dass die Vertagung der Deponie wieder aus dem Richtplan gestrichen wird.

    Der Weg ans Bundesgericht

  • Im Frühjahr 2021 kommt das Bundesgericht zu einem wegweisenden Entscheid. Es hebt den neuen Richtplaneintrag auf. Im Urteil bestätigen die obersten Richter, dass Regierungs- und Kantonsrat die Gründe für die Notwendigkeit der Vergrösserung und des Standorts nicht genügend genau dargelegt hätten. Gleichzeitig hebt es aber auch den Vorstoss von Elisabeth Pflugshaupt wieder auf. Da Gemeinden und Zweckverbände von diesem Entscheid stark betroffen seien, hätten sie im Gesetzgebungsprozess angehört werden müssen. Damit gewinnt auch der Zweckverband Kezo. Als Folge überprüft der Kanton seine Deponieplanung.

    Zwei Gewinner

  • Im Januar 2022 reichen die Gossauer Kantonsräte Jörg Kündig (FDP) und Elisabeth Pflugshaupt (SVP) eine Anfrage ein. Sie wollen wissen, wie der aktuelle Stand bei den Deponieplanungen im Kanton ist. Während der Kanton die Gesamtschau Deponien erarbeitet, treibt die ZAV Recycling AG (eine Tochter der Kezo) die Planung für die Deponie mit einem Volumen von 750’000 Kubikmetern voran. Die Firma stützt sich auf den Richtplaneintrag von 2009. Im April reicht sie den Gestaltungsplan beim kantonalen Amt für Raumplanung ein.

    Der Gestaltungsplan

  • Im April 2024 publiziert der Kanton die Gesamtschau Deponien. Darin sind unter anderem auch das Tägernauer Holz mit 5,9 Hektaren und 750'000 Kubikmetern und die Leerüti mit 12,9 Hektaren und 1,3 Millionen Kubikmetern Volumen mit bestehenden Richtplaneinträgen vermerkt. Anschliessende wird die Teilrevision öffentlich aufgelegt. Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) sagt, dass nur neue Standorte Teil davon seien – was bereits festgesetzt sei, könne nicht neu verhandelt werden.

    Die Gesamtschau

  • Im Zuge der Vernehmlassung passt der Regierungsrat seine Deponieplanung an. Ende November 2025 kommuniziert er, dass er 19 Deponiestandorte und drei Erweiterungen in den Richtplan aufnehmen möchte. Zudem informiert er überraschend, dass der Standort Leerüti neu auch für die Abfalltypen C, D und E geeignet sei und das Volumen von 1,3 auf 2,1 Millionen Kubikmeter erweitert werden soll. Das Tägernauer Holz wird gleichzeitig zu einem Ersatzstandort heruntergestuft.

    Die Wende

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