So löschen die Feuerwehren im Oberland brennende E-Autos
Tausende Liter Wasser
Brände einer Autobatterie sind selten. Doch wenn eine Feuer fängt, wird das Löschen komplex und teuer – vor allem bei E-Autos.
Ein brennendes Auto ist immer gefährlich – doch ob Benziner oder Elektrofahrzeug macht im Ernstfall einen entscheidenden Unterschied. Die Feuerwehr wird gerade bei E-Autos vor spezielle Herausforderungen gestellt.
In Pfäffikon stand am 26. Januar ein Benzinauto in Flammen. Das Auto brannte komplett aus, die Ursache ist nicht bekannt. Patrick Oesch, Kommandant der Feuerwehr Pfäffikon, war an der Hochstrasse vor Ort. Laut ihm sind Fahrzeugbrände keine Seltenheit. Häufig liege der Auslöser bei der Elektronik oder der Batterie.
E-Autos und Verbrenner haben beide eine Batterie, jedoch unterscheidet sich deren Aufbau und Funktion fundamental voneinander: Während die Batterie bei einem Benziner nur die nötige Startenergie für das erste Durchdrehen des Motors liefert, besteht diejenige eines E-Autos aus vielen sogenannten Zellen, welche miteinander verknüpft sind und gemeinsam für den dauerhaften Antrieb des Fahrzeugs sorgen.
Im Fall von Pfäffikon war es ein Benziner, der ausbrannte. Doch wie wäre dieser Einsatz verlaufen, wenn der Akku eines Elektroautos in Flammen gestanden hätte?
Severin Debrunner ist Ausbildungschef bei der Feuerwehr Uster und hat sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. «Im Gegensatz zum Verbrenner muss man bei einem Elektroauto unterscheiden: Brennt nur das Fahrzeug – oder brennt tatsächlich die Batterie?»
Ist Ersteres der Fall, so löscht die Feuerwehr mit Wasser, manchmal auch Schaum, welches gezielt auf den Brandherd gerichtet wird – wie bei einem normalen Fahrzeugbrand. Fängt jedoch die Antriebsbatterie Feuer, dann werde es komplizierter.
Die Batterie befindet sich meist gut geschützt zentral im E-Auto verbaut. Sie hat eine Schutzhülle, welche nur schwer zu durchbrechen ist. Grundsätzlich ist das ein grosser Vorteil: Bei einem Unfall bleibt sie meist unbeschädigt, da sie ausserhalb der klassischen Knautschzonen liegt.
Wenn die Batterie brennt, fragen wir uns: Wie bringen wir das Löschmittel an die Batterie? Wie durchbrechen wir deren Schutzhülle?
Severin Debrunner
Ausbildungschef bei der Feuerwehr Uster
Doch fängt sie Feuer, dann ist paradoxerweise ebendiese Sicherheit einer der gefährlichsten Faktoren beim Löschen eines Batteriebrands. «Wenn die Batterie brennt, fragen wir uns: Wie bringen wir das Löschmittel an die Batterie? Wie durchbrechen wir deren Schutzhülle?», führt der Feuerwehrmann aus.
Feuer gegen Wasser
Grundsätzlich gibt es drei Arten, ein Feuer zu löschen, wie Debrunner erläutert. «Entweder wir ersticken das Feuer durch Sauerstoffentzug, wir nehmen ihm den Brennstoff, oder wir entfernen die Energie.» Beim E-Auto komme nur die dritte Option infrage.
Dafür flutet die Feuerwehr das Batteriegehäuse mit Wasser. Durch den Kühlungseffekt wird dem Brandherd Energie entzogen, was die chemischen Reaktionen im Inneren der Batterie stoppt.
Für das Abkühlen einer entflammten Autobatterie sind jedoch enorme Wassermengen vonnöten: Oft reichen mehrere tausend Liter zum Löschen einer brennenden Fahrzeugbatterie nicht aus, wie Debrunner weiss.
Problematisch ist zudem, was mit dem Löschwasser nach dem Einsatz passiert: Dieses ist häufig mit giftigen und umweltschädlichen Stoffen kontaminiert, welche durch die chemischen Reaktionen im Inneren der Batterie ins Löschwasser geraten sind. Kontaminiertes Löschwasser pumpe die Feuerwehr nach Möglichkeit mit Saugwagen ab und entsorge dieses gesondert.
Weil ein Elektrowagenakku schwer zugänglich ist, dauert ein solcher Einsatz der Feuerwehr länger als gewöhnlich. Auch deshalb sind die Kosten für einen derartigen Einsatz höher. «Diese Kosten werden auf die Versicherungen übertragen, das allein wird wohl niemanden vom Kauf eines E-Autos abhalten», ergänzt Debrunner.
Gelöscht und doch noch entzündbar
Ein Einsatz endet aber nicht nach dem eigentlichen Löschen des Brands – die E-Autobatterie bleibt, wenn auch äusserlich nicht mehr erkennbar, für einige Zeit noch entflammbar. Dies hat mit den chemischen Eigenschaften der Batterie zu tun, die sich von denjenigen einer herkömmlichen Autobatterie unterscheiden.
Der betroffene Wagen muss deshalb in einem Quarantänecontainer auf ein Überwachungsareal gebracht werden. Im Oberland ist dieser Platz bei der Autohilfe-Carrosserie Landolt in Hinwil. Der Feuerwehrmann präzisiert: «Dort muss der Wagen mindestens 72 Stunden lang im Freien überwacht werden.» Erst nach dieser Zeit könne man davon ausgehen, dass sich die Batterie nicht wieder entzündet.
Das Szenario eines Akkubrands kommt glücklicherweise recht selten vor. Die Feuerwehr Uster musste bisher noch nie deswegen ausrücken. Bei vergangenen Einsätzen brannte zwar das Fahrzeug, aber nie die Batterie.
Feuerwehr setzt auf Schulungen
Entgegen der verbreiteten Auffassung fangen Elektrowagen nicht häufiger Feuer als Benziner, wie Debrunner bestätigt. Trotzdem ist das Thema immer wieder Gesprächsstoff bei der Feuerwehr. Das Einsatzpersonal werde entsprechend geschult.
«In Uster haben wir dafür die Pioniergruppe, die auf Fahrzeugunfälle spezialisiert ist», führt er aus. Sie schaut sich einmal im Jahr neue Fahrzeugtypen an und bleibt so auf dem aktuellen Stand.» Auch Technologien wie Wasserstoffautos oder andere hybride Varianten decke sie ab.
Auch bei den VZO ein Thema
Elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind nicht nur im Privatverkehr ein aktuelles Thema. Auch im regionalen Busbetrieb wird auf die elektrische Alternative gesetzt: Die Dieselbusse der VZO werden nach Erreichen ihrer Lebensdauer durch Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb ersetzt. Die VZO-Busflotte soll bis ins Jahr 2040 weitgehend elektrifiziert sein. Deshalb ist das Thema Brandschutz bei ihnen ebenfalls präsent, wie Joe Schmid, Direktor der VZO, bestätigt.
Das Verkehrsunternehmen organisiert regelmässig Trainings, in denen neben Fahrtechnik praxisnah geübt wird: Dazu gehört der Umgang mit Notfällen, wie Brandereignisse.

«Das gesamte Fahrpersonal wurde bereits vor zwei Jahren umfassend auf die neuen E-Busse geschult», sagt Schmid. Im Brandfall handle das Fahrpersonal nach klaren Schritten: Leitstelle informieren, Blaulichtorganisationen alarmieren, Türen öffnen und Fahrgäste evakuieren. Für den Ernstfall gebe es zudem einen Feuerlöscher in jedem Bus – dies gilt ebenfalls für alle Dieselfahrzeuge.
Wie ein Computer auf Rädern
In den Elektrobussen seien zusätzlich verschiedene Sicherheitssysteme verbaut. So gibt es unter anderem ein Temperaturmanagement, das die Batterie ständig überwacht und eine allfällige Überhitzungsgefahr frühzeitig bemerkt.
Das gesamte Fahrpersonal wurde bereits vor zwei Jahren umfassend auf die neuen E-Busse geschult.
Joe Schmid
Direktor VZO
Im Störungsfall kappt der Bus – ebenso wie das Elektroauto – alle Stromsysteme automatisch. Das schütze sowohl die Fahrgäste als auch die Einsatzkräfte.
Die E-Busse seien zudem mit unterschiedlichen Fahrassistenzsystemen ausgerüstet, wie es seitens der VZO weiter heisst: «Diese helfen, Unfälle zu vermeiden – und diese gehören zu den häufigsten Gründen, warum es überhaupt zu Fahrzeugbränden kommen kann.» Ausserdem gibt es Kamerasysteme, dank welchen Rauch am Bus sehr rasch erkennt werden kann.
Ein wissenschaftlicher Ansatz
Trotz zahlreicher Überwachungssystemen bleibt der Brand eines Elektrowagens eine Herausforderung. Die Wissenschaft forscht bereits an einer Lösung: Gewisse Autohersteller entwickeln eine sogenannte Schmelzöffnung, welche die Batterie, sollte sie in Brand geraten, für die Feuerwehren zugänglicher macht, damit diese geflutet werden kann. «Die Löscharbeiten für die Feuerwehr sollten sich dank solchen Systemen in Zukunft vereinfachen», zeigt sich Ausbildungschef Debrunner optimistisch.