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Wirtschaft

Jetzt kommt das Zeitalter der Elektrobusse

Die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) planen die Zukunft mit Strom. Bis 2035 soll die ganze Flotte gegen Elektrobusse ausgetauscht werden. Auch andere Verkehrsbetriebe haben Pläne.

Jetzt kommt das Zeitalter der Elektrobusse

Eine Ära geht in den VZO zu Ende. Das Verkehrsunternehmen stellt von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb um. Die letzten 27 Busse mit Dieselmotoren werden derzeit geliefert.

Auch wenn diese mit Hybridantrieb teilweise elektrisch fahren und noch vor wenigen Jahren das Nonplusultra in der Ökologisierung der Regionalbusse bedeuteten, sind sie umwelttechnisch schon wieder überholt. VZO-Direktor Werner Trachsel nennt sie «Überbrückungstechnologie».

«Alles, was danach zu uns kommt, fährt komplett CO2-frei», sagt er. Schon 2023 werden die ersten Elektrobusse in der Zentrale in Grüningen eintreffen, pünktlich zum 75-Jahr-Jubiläum des Unternehmens. Das Submissionsverfahren wurde soeben gestartet.

Mit kurzen Linien beginnen

Weshalb werden jetzt nochmals konventionelle Busse geliefert? «Wir haben die Hybridbusse vor zwei Jahren bestellt, damals war die Reichweite von Elektrobussen noch ein Riesenproblem», erklärt Trachsel.

Das ist auch heute noch ihr Schwachpunkt, obschon die Stromfahrzeuge 120 Kilometer zurücklegen können. Dann müssen sie für vier bis fünf Stunden an die Steckdose. Ein Dieselbus kommt hingegen mit einer Tankfüllung mindestens 300 Kilometer weit, was auf allen 62 VZO-Linien einen ganztägigen Einsatz bis Betriebsschluss garantiert.

Zu früh auf die elektrische Schiene gesetzt? «Nein», wirft Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt, ein. «Bis die ersten Elektrobusse eintreffen werden, erwarten wir einen Quantensprung in der Batterietechnik.» Dann sollen diese auf kurzen Linien in den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend eingesetzt werden.

Trachsel doppelt nach: «Die Reichweiten werden schnell steigen, dann können E-Busse die Ortslinien übernehmen.» Es werde nicht lange dauern und auch die Regionallinien der VZO würden reif sein für die emissionslosen Fahrzeuge. «Wir ziehen schrittweise nach, was technologisch möglich ist», sagt Trachsel. Am Zürichsee kommen Meilen und Stäfa wegen der kurzen Linien als erste Testgemeinden infrage.

VZO schneller als ZVV

Die Umstellung betrifft alle Regionalbusse im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Dieser verlangt von seinen ÖV-Unternehmen eine Strategie zur Dekarbonisierung – also einen Antrieb ohne Ausstoss von CO2. Alle rund 700 Linienbusse mit Dieselmotoren im Kanton sollen bis 2045 verschwunden sein.

«Da sind wir schneller», sagt VZO-Direktor Trachsel. «Wir haben mit unserer Strategie unter Mitwirkung von Wissenschaftlern ein Jahr vor dem ZVV begonnen und wollen schon zehn Jahre früher alle Diesel- und Hybridbusse mit Elektrobussen ersetzen.» Das heisst, dass die jetzt eintreffenden 27 Hybridfahrzeuge spätestens 2035 ausgemustert werden. Dann haben auch sie ihr Dienstalter von zwölf bis vierzehn Jahren und eine Million Kilometer auf dem Tacho erreicht.

Heute doppelt so teuer

103 Busse in der VZO-Flotte auszuwechseln, geht ins Geld. Während ein Hybrid-Gelenkbus rund eine halbe Million Franken kostet, ist für einen E-Bus fast doppelt so viel zu bezahlen. Ausserdem müssen nach sechs bis sieben Jahren die Batterien getauscht werden, was nochmals rund 400’000 Franken pro Fahrzeug kostet.

Trachsel relativiert diese Mehrausgaben. «Im Budget sind die Beschaffungskosten nicht derart relevant, wie sie auf den ersten Blick erscheinen.» Ausserdem erwarten die VZO mit dem wachsenden Wettbewerb und höheren Produktionszahlen sinkende Kaufpreise und tiefere Betriebskosten. «Langfristig wird ein E-Bus so viel kosten wie ein Dieselbus heute», sagt der Direktor.

«Ein neues Berufsbild»

Die Umstellung wirkt sich auch bei den VZO auf die Busdepots aus. Einige sind zu niedrig für die Strombusse mit ihren Batteriekästen auf dem Dach. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Infrastruktur. «In Grüningen würde es dunkel, wenn wir alle Busse gleichzeitig laden würden», scherzt Trachsel. Auch wenn es nicht ganz so arg werde, müsse man sich rechtzeitig mit den Gemeindewerken als Stromversorger zusammensetzen.

Während in den VZO die Chauffeusen und Chauffeure rasch zu E-Piloten umgeschult werden können, wird die Ausbildung für die Mitarbeitenden in der Technik und im Unterhalt der Fahrzeuge einen radikalen Wandel erfahren. «Das Berufsbild ändert sich», sagt Angebots- und Marktchef Joe Schmid. Die Mechaniker werden es mit Starkstromelementen zu tun haben.

Die neue Technologie erfordert also viele Anpassungen. Nur die wichtigsten Beteiligten dürfen gelassen in die Zukunft schauen, verspricht Schmid. «Die Fahrgäste müssen nichts lernen, sie werden automatisch ein komfortableres Fahrgefühl spüren: sanft, ruhig und Motoren ohne Abgase.» (Christian Dietz-Saluz)

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