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Politik

Zwischen gähnender Leere und grossem Gedränge

Das letzte Weihnachtsmarktwochenende ist Geschichte, und die Bilanz ist positiv - aber nicht für alle. Warenstände kämpften mit schlechten Verkaufszahlen, bei den Essensständen gab es andere Probleme.

Am ersten Tag war der Weihnachtsmarkt Uster sehr spärlich besucht., Es blieb aber nicht immer so ruhig - an den Wochenenden waren viele Essstände fast ausverkauft., Die Veranstalter wollen den Markt nächstes Jahr vielleicht noch mehr ausbauen., Das Riesenrad entpuppte sich als Besuchermagnet., Neben dem Riesenrad: die Absteckung der geplanten Hochhäuser am Stadtpark.

Laura Hertel

Zwischen gähnender Leere und grossem Gedränge

Die Markthütten werden immer kleiner, das menschliche Treiben dazwischen gleicht allmählich einer Ameisenstrasse, und von den Kindern, die auf Schlittschuhen übers Eis jagen, sind nur noch die farbigen Helme erkennbar. Aus einer Höhe von fast 50 Metern wirkt die Absteckung der neu geplanten Hochhäuser am Stadtpark gar nicht mehr so hoch.

«Zueriost» macht eine Rundfahrt auf dem schweizweit grössten Riesenrad, das zurzeit am Stadtpark neben dem Weihnachtsmarkt Uster steht. Das Riesenrad der Zürcher Schaustellerfamilie Bourquin ist die grösste Neuerung. Auf Facebook zeigen sich Ustermer stolz auf die neue Errungenschaft.

Riesenrad als Besuchermagnet

«Das schön beleuchtete Riesenrad macht die Weihnachtsstimmung komplett», sagt eine Besucherin vor Ort. Angst habe sie keine gehabt. Gemäss Schausteller René Bourquin fürchten sich Besucher allerdings häufig. «Es ist schon viel höher als reguläre Chilbi-Riesenräder», sagt er.

Rico Nett, Marktchef der Stadtpolizei und damit Veranstalter des Weihnachtsmarktes, hat die Bahn selbst ausprobiert. «Die Aussicht ist wirklich irrsinnig», sagt er. Gerade in Kombination mit der Eisbahn «Uster on Ice» habe sich das Riesenrad bewährt und dem Markt einen spürbaren Mehrwert gegeben.

Der Weihnachtsmarkt Uster erlebte letztes Jahr eine Aufwertung. Jetzt findet er zum zweiten mal am Stadtpark und in der Form eines Weihnachtsdorfes statt. Nach zwei von drei Weihnachtsmarkt-Wochenenden zieht Nett eine durchwegs positive Zwischenbilanz. Der Weihnachtsmarkt sei bislang für alle Beteiligten erfreulich verlaufen: Die Polizei, die Standbetreiber sowie auch die Besucher hätten wenig zu bemängeln.

« Am Sonntag sind uns die Bratwürste bereits um 14 Uhr ausgegangen. »

Noam Rathgeb, Grillstandbetreiber

Dominic Stutz, der einen Waffelstand betreibt, sagt: « Dieses Jahr ist es viel besser gelaufen als letztes Jahr. »  Das sei zu einem grossen Teil dem guten Wetter zu verdanken. Geregnet habe es selten und die Temperaturen waren hoch –   «f ast etwas zu warm » , sagt der Mann, der im T-Shirt in seiner Markthütte steht. Während der Markt jeweils donnerstags und freitags ziemlich ruhig verlaufen sei, sei man an den Wochenenden von grossen Besucherwellen überrascht worden.

Essstände ausverkauft

Insbesondere am ersten Wochenende war der Andrang gross. Noam Rathgeb, der an einem Grillstand arbeitet, spricht von einem Rekordumsatz. « Am Sonntag sind uns die Bratwürste bereits um 14 Uhr ausgegangen. »  Der Lieferant habe kurz darauf alles gebracht, was er noch hatte, doch um 17 Uhr seien die Würste schon wieder ausverkauft gewesen. Rathgeb zufolge waren einige Besuchende genervt deswegen. 

Auch andere Essenstände wurden an den Wochenenden überrannt. Eine Facebook-Userin schreibt: « Am Sonntag waren sämtliche Essstände ausverkauft –  sogar die Marroni. »  Nett kann das so nicht bestätigen: « Es gab immer etwas zu essen. »  Während einige Besucher ihrem Ärger über die Engpässe Luft machten, zeigten sich andere erfreut, dass der Weihnachtsmarkt so viele Menschen anlockt.

Ernüchterung und Anlaufschwierigkeiten an Warenständen

Gabriela Kessler und Manuele Bandello verkaufen selbstgemachte Kerzen. Kessler sagt: « Am ersten Sonntag war das Gedränge so gross, dass die Leute kaum noch durchgekommen sind. »  Für Nonfood-Stände sei es dennoch schwierig, gute Verkaufszahlen zu erreichen. Die Gesamtbilanz falle eher schlecht aus. « Der Markt ist superherzig und die Hütten sind gemütlich und windgeschützt. Aber es stört, dass es bei den wenigen Ständen gleich mehrere dicht beieinander hat, die ähnliche Artikel verkaufen. »  

Auch Susanne Zirell verkauft Geschenkartikel. « Essenstände laufen sowieso immer » , sagt sie. Bei ihren Produkten sei das anders: « Entweder es springt die Leute an, oder eben nicht. »  Sie wolle dem Weihnachtsmarkt Uster mit dem neuen Konzept aber eine Chance geben und habe seit dem letzten Jahr bereits eine Verbesserung in den Besucherzahlen gespürt. Bis ein neuer Markt eingelaufen sei, dauere es ein paar Jahre.

« Fürs nächste Jahr könnte man den Markt aber noch etwas mehr ausbauen.»

Rico Nett, Marktchef der Stadtpolizei

Dieses Jahr ist der Markt um rund acht Stände grösser als im Vorjahr. «Fürs nächste Jahr könnte man den Markt aber noch etwas mehr ausbauen», so Nett. Mit den Märkten in Zürich könne man den Ustermer Weihnachtsmarkt aber sowieso nicht vergleichen.  Die Veranstalter werden nach diesem Weihnachtsmarkt-Wochenende eine Gesamtbilanz ziehen.

Der Weihnachtsmarkt ist noch bis am Sonntag um 19 Uhr geöffnet.

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