ZO-Haus steht vor dem letzten Meilenstein, bevor die Mieter kommen
Neubau der Zürcher Oberland Medien AG
Die 55 Wohnungen sind gebaut, die Arztpraxis ist auch in den letzten Zügen: Das ZO-Haus in Wetzikon ist kurz vor Fertigstellung. Noch ist aber nicht jede Hürde genommen. Ein Rundgang.
Hinter dem ZO-Haus an der Rapperswilerstrasse 1 in Wetzikon drängt sich an diesem Nachmittag ein Handwerkerfahrzeug ans nächste. Maler, Sanitäre und Monteure sind im ganzen Haus verteilt am Arbeiten. An Spitzentagen seien 100 bis 120 Arbeiter aller Handwerksgattungen gleichzeitig auf der Baustelle gewesen, erzählt Chefbauleiter Mathias Kölliker.
Kurz bevor der Rundgang durch den Neubau startet, manövriert ein Handwerker auf der Pestalozzistrasse mit der Hilfe eines Kollegen einen Anhänger. Darauf festgebunden ist eine Hälfte des Tiefgaragentors. Merken Sie sich das. Es wird später noch eine tragende Rolle spielen.

Für Gesamtprojektleiter Roman Häberle von der Werubau AG geht es jetzt noch um letzte «Fertigstellungsarbeiten», bevor Ende Januar dann die Wohnungsmieter einziehen können. Neben der Montage des Garagentors und letzter Fassadenelemente gehören das Platzieren der Veloständer sowie Malerarbeiten dazu.
Zeitplan kann eingehalten werden
«Trotz Corona sind wir bei diesem Bau ausserordentlich gut vorangekommen», freut sich Häberle. Kleinere Lieferverzögerungen seien bei einem solchen Bauprojekt normal. Gestartet ist alles im zweiten Corona-Jahr 2021.
Anfang 2021 verliess die Crew der ZO Medien den geschichtsträchtigen Ort nach 90 Jahren und zog ins vorübergehende Exil nach Hinwil. Der Bau aus dem Jahr 1931 wurde in der Folge abgerissen. Anfang 2022 erfolgte die Grundsteinlegung durch ZO-Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger, und diesen März konnte Richtfest gefeiert werden.










Zusammen mit Bauleiter Mathias Kölliker und zwei Vertretern der Immobilienbewirtschafterin Taxalis Treuhand AG führt Häberle auf einem Rundgang durch das neue ZO-Haus. Ein komplexer Bau, der von aussen kompakt wirkt und trotzdem offen.
Zu den drei Gebäudeeinheiten gehören die Türme Ost (Pestalozzistrasse) und West (Spitalstrasse) sowie das sogenannte Riegelhaus (Rapperswilerstrasse).


Neben den grosszügigen Fensterfronten und dem Innenhof zwischen den Türmen sorgt die Newsstreet – der Durchgang zwischen dem Riegelbau und den Türmen – für eine Öffnung.
Diese Öffnung passt auch zum Neubau der Zürcher Oberland Medien. Im ehemaligen Medienhaus gibt es neu Platz für weiteres Gewerbe, Gastronomie und 55 Wohnungen.
Individuelle Planung für das Gewerbe
An vorderster Fensterfront im Riegelhaus werden die ZO Medien voraussichtlich Ende März unterkommen. Darüber wird eine Arztpraxis die Räume beziehen. Im Westturm gleich neben der Unterführung plant «Santa Pizza!» aus Pfäffikon, per 1. Februar den Pizzaofen einzuheizen.
«Während des Bauprozesses hat man den Mieterausbau nachgezogen», erklärt Roman Häberle beim Gang durch die Räumlichkeiten. Das heisst, die Gewerbemieter konnten ihre individuellen Ausbauten parallel zum Bauprozess ausführen.





Eines war von Anfang an klar: «Das Gebäude sollte transparent bleiben», stellt Häberle fest. Deshalb sind die Praxiszimmer von der Fensterfront zurückversetzt.
Wohnungen früher fertig als geplant
Am 1. Februar startet für die Wohnungsmieter und einige Gewerbetreibende der Mietvertrag. «Jetzt ist eigentlich die intensivste Phase», sagt Häberle. «Gemessen wird man an den letzten drei Prozent. Jetzt erfahren wir, wie gut wir die letzten viereinhalb Jahre gearbeitet haben.»
Alle 55 Wohnungen sind schon fertiggestellt – und das früher als geplant. Zur Freude von Bewirtschafterin Nina Marty: «Das ist natürlich der ‹Best Case› für uns. So konnten wir frühzeitig mit der Einzugsplanung starten und können die Bezugstermine gemäss Mietverträgen sicherstellen.»

Häberle ergänzt, dass die Wohnungen zwar fertig gebaut sind, die Inbetriebnahme aber noch aussteht. «Nicht nur die Wohnungen müssen funktionieren, sondern auch der Rest des Gebäudes – dazu gehören Strom, Heizung und Wasser.» Ausserdem braucht es noch die Bezugsfreigabe der Stadt Wetzikon. Das ist der letzte Meilenstein, die letzten drei Prozent, von denen Häberle spricht.
Noch vor der Feuerpolizei, dem Bauamt und den Werken kommt die interne Bauabnahme. Dabei werden Mängel festgestellt, markiert und Handwerker zur Behebung aufgeboten. Das sind mal fehlende Schrauben oder abgeplatzte Farbe. Just an diesem Morgen hatte die letzte interne Abnahme der Wohnungen stattgefunden.




Häberle führt die Gruppe durch die unterschiedlichen Wohnungen. Mindestens zwei Dinge haben alle gemein: Die Fenster reichen von der Decke bis zum Boden und keine der Wohnungen hat eine Badewanne. Letztere würden heute höchstens noch in Familienwohnungen eingebaut, meint der Chefprojektleiter. Und als Familienwohnungen sind die Wohnräume im neuen ZO-Haus nicht gedacht.







Die Wohnungen richten sich eher an ein urbanes, junges Publikum, das die gute Erschliessung und die Nähe zum Zentrum schätzt – aber auch an ältere Leute. Besonders zeigt sich das im dritten und vierten Stock des Westturms in den sogenannten Clusterwohnungen.
Die vier Studios verfügen über ein separates Badezimmer, einen Einbau- und Kühlschrank. Eine grosse Küche und ein Aufenthaltsraum sind zur gemeinschaftlichen Nutzung gedacht. Eine WG mit dem Ausbaustandard eines Hotels, meint Häberle.
Eng getakteter Einzug mit einer Unbekannten
Zwei Wochen Ende Januar, nicht mehr. So viel Zeit hat die Taxalis, um die 55 Mietparteien ihre Wohnungen beziehen zu lassen. «Das wird eine sehr intensive Zeit für alle Beteiligten», weiss Bewirtschafterin Marty. «Im Zeitplan gibt es aufgrund der Komplexität keinen Platz für Änderungen.»
Eine zusätzliche Herausforderung: Die Wohnungen im Riegelbau haben keinen eigenen Zugang. Sie sind nur über die beiden Lifte in den Türmen und über Passerellen erreichbar. «Das macht die Planung anspruchsvoller. Wir mussten darauf achten, dass es nicht zu Doppelbelegungen bei den Liften kommt.»
Jede Wohnung bekommt ihr eigenes Zeitfenster. In dieser Zeit haben die Neumieter den Lift auf sicher.

26 Wohnungen befinden sich allein im Riegelhaus, das in den ersten fünf Tagen bezogen werden soll. Nina Marty wird ständig vor Ort sein und im Stundentakt Wohnungen übergeben, Mieter einweisen und auch mal den Lift freihalten. Insgesamt sollen beim Bezug an einigen Tagen bis zu drei Bewirtschafter vor Ort sein.
«Das Wetter spielt natürlich eine Rolle», sagt Marty zum Zügelzeitpunkt Ende Januar. «Feuchtigkeit von oben würde den Mietern den Einzug erschweren. Damit muss man aber leider immer rechnen bei einem Umzug.» Die Liegenschaftsverwaltung würde dann dafür sorgen, dass Zugänge von Schnee und Eis befreit sind. Es brauche in so einem Fall aber auch die Akzeptanz der Mieterschaft.
«Das Risiko, dass ein Zeitfenster wettertechnisch überhaupt nicht eingehalten werden kann, ist verschwindend klein», sagt Taxalis-Mitinhaber Luca Caracciolo überzeugt.
Tiefe Verwurzelung spürbar
Der gebürtige Wetziker ist sichtlich erfreut, dass seine Firma die Bewirtschaftung des ZO-Hauses übernehmen kann. Man spürt, dass er tief mit dem Ort verwurzelt ist – und auch mit den Zürcher Oberland Medien, denen das Haus gehört. «Ich gehe eigentlich jeden Tag mit dem ‹ZO› unter dem Arm ins Büro», so Caracciolo.
Die Bewirtschaftung des ZO-Hauses wird die Taxalis von ihrem Wetziker Standort aus bewerkstelligen. Die Vorteile liegen für Caracciolo auf der Hand. «Man kennt sich. Die Betreuung ist dadurch sehr persönlich. Es entsteht ein Miteinander.»
Diese Verwurzelung mit der Region und dem Medienhaus soll auch der Neubau widerspiegeln – auch wenn es neu ein Gebäude mit Mischnutzung ist und kein reiner Zeitungsverlag mehr. An die gläserne Front zur Rapperswilerstrasse kommt der Schriftzug «ZO-Haus», in Anlehnung an die Geschichte. Doch damit nicht genug.




Im Innenhof zwischen den beiden Türmen soll ein weiteres Wahrzeichen wieder aufgenommen werden, wie sich das ein Leser schon in einem Leserbrief an die ZO Medien gewünscht hatte. Und zwar wird hier eine Uhr aufgebaut, wie jene, die Jahrzehntelang an der Westseite des Gebäudes für viele ein Blickpunkt war.
Sichtbare Spuren und kein Ausweg
Zum Abschluss des Rundgangs führt Häberle die Gruppe quasi unter Wasser. Der Fuss des Neubaus liegt unter dem Grundwasserspiegel. Damit dieser während des Baus nicht angehoben wurde, musste das gesamte unterste Geschoss unter Wasser gesetzt werden, bis das Gebäude genug Eigengewicht aufbrachte.
Die 420’000 Liter Grundwasser, die dafür benötigt wurden, sind längst wieder weg. Zurück blieb nur die Wasserlinie an der Wand, auf einer Höhe von 1,7 Metern.
Gleich um die Ecke befinden sich «die Lunge» und «das Hirn» des Gebäudes, erzählt Häberle weiter. An der Decke im Kellerraum hängt ein kaum überschaubares Geflecht von Rohren. Ein Teil davon sind Lüftungsrohre für die Gewerberäume. Geheizt wird mit Erdwärme, 16 Erdsonden stehen dafür im Einsatz.



Hier unten, im zweiten Untergeschoss, führt Häberle die Gruppe weiter durch die Tiefgarage. Wie auf allen anderen Stockwerken sind auch hier einige Arbeiter in den letzten Zügen. Es müssen noch isolierende Deckenverkleidungen angebracht werden. Fertigstellungsarbeiten eben.


Nicht immer geht bei diesen Arbeiten alles rund. So zeugt eine Delle in einem einbetonierten Lüftungsschacht von einem Fahrmanöver, bei dem wohl kein einweisender Kollege zugegen war. Beim Thema «einweisender Kollege»: Sie erinnern sich bestimmt noch an das Tiefgaragentor.

Dieses hatten die Handwerker bis zum Ende des Rundgangs bereits fertig eingebaut. Häberles Plan, das Haus durch die Tiefgarage wieder zu verlassen, wurde jäh durchkreuzt. Der Chefprojektleiter weiss: «Vor Überraschungen ist man auf dem Bau nie gefeit.»