Zerstörungen bei Verkehrs- und Ortsschildern reissen in Gossau nicht ab
In Gossau werden so viele Verkehrs- und Ortstafeln beschädigt oder demontiert, dass es gefährlich und teuer wird. Ist der Ärger über die Sanierung der Grütstrasse der Grund dafür?
Warum und vor allem für welchen Zweck klaut man Verkehrsschilder oder Ortstafeln? Eine Frage, die sich die Baubehörde von Gossau derzeit stellen muss. Denn seit dem vergangenen Herbst kam es bei Verkehrstafeln und Ortsschildern vermehrt zu Vandalismus.
Zum Ende des Jahrs 2025 hin wurden innerhalb und in der Umgebung von Gossau innert kürzester Zeit so viele Verkehrs- und Ortsschilder beschädigt oder sogar gestohlen, dass die Gemeinde von einer «zugespitzten Lage» spricht. «Das ist nicht nur kostspielig, sondern gefährdet auch die Verkehrssicherheit», heisst es in einer Mitteilung von Mitte Januar.
Die Verwaltung hat inzwischen schon mehrfach Anzeige gegen unbekannt erstattet und bittet die Bevölkerung um offene Augen und Ohren. Hinweise sollen direkt an die Kantonspolizei oder die Bauabteilung gerichtet werden. «Jeder Fall von Vandalismus und Diebstahl an Strassensignalisierungen wird konsequent angezeigt», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Matthias Graf.
Frage von Kosten und Sicherheit
Die Bauabteilung will mit der Warnung nicht nur die ärgerliche Lage und die mühsame Wiederbeschaffung der Schilder vermeiden, sondern hat vordringlich die Verkehrssicherheit im Auge, zu deren Gewährleistung auch Strassenschilder beitragen.
Fehlen diese, können Missverständnisse, Unfälle und Sachschäden entstehen. «Leider bleiben auch Fussgängertafeln vom Vandalismus nicht verschont, was eine Gefahr für Passanten und andere Verkehrsteilnehmer darstellt.» Vor allem bei der 500 Meter langen Grossbaustelle im Zentrum, wo derzeit die Grütstrasse wohl noch bis im Frühling 2027 saniert wird, wurden offenbar unzählige Schilder inklusive Ständer gestohlen.
Eine einzelne Signaltafel kostet rund 200 Franken. Wenn sowohl der Rahmen als auch der Sockel ersetzt werden müssten, komme es noch deutlich teurer. Allein in den vergangenen drei Wochen sind für Gossau so Kosten von etwa 1000 Franken entstanden. Neue Tafeln zu bestellen, abzuholen und zu montieren, ist Aufgabe des gemeindeeigenen Unterhaltsdiensts. Dessen Arbeit ist finanziell noch nicht mit eingerechnet: Wenn sich der Vandalismus so fortsetze, müsse die Bauabteilung mit Tausenden von Franken rechnen.
Hängige Anfrage
Der Gossauer Kantonsrat Daniel Wäfler (SVP), der den amtierenden Gemeindepräsidenten Jörg Kündig (FDP) beerben möchte, hat hinsichtlich der Baustelle an der Grütstrasse gemeinsam mit seiner Parteikollegin Jacqueline Hofer aus Dübendorf eine Anfrage beim Regierungsrat eingereicht. Dieser bewilligte für die Bauarbeiten 9,3 Millionen Franken. Die beiden Kantonsräte wollen wissen, ob die Dauer der Bauzeit von über zwei Jahren nicht unverhältnismässig sei und ob Alternativen wie Etappierungen der Bauarbeiten, Teilprojekte mit mehr Unternehmen und eine andere Verkehrsführung ohne Totalsperrung geprüft worden seien.
Auch wollen Wäfler und Hofer eine Antwort, ob man im Vorfeld evaluiert habe, wie hoch die Einbussen für das Gewerbe bei einer zweijährigen Bauzeit sein würden und ob es Erfahrungswerte von anderen Bauprojekten gebe. Darüber hinaus wollen sie wissen, was noch möglich wäre, um die Situation für das Gewerbe und die umliegenden Gemeinden sowie bezüglich der Verkehrsführung zu verbessern, zum Beispiel durch einen schnelleren Baufortschritt.