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Zelthersteller aus Effretikon übernimmt Spatz-Zelte

Die traditionellen Spatz-Zelte leben weiter. Die Effretiker Firma Zelthangar ist künftig für die Marke verantwortlich.

Diego Walder übernimmt mit seiner Zeltbaufirma Zelthangar ab sofort den Verkauf der bekannten Spatz-Zelte. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Zelthersteller aus Effretikon übernimmt Spatz-Zelte

Erhalt von Traditionsmarke

Der ehemalige Spatz-Mitarbeiter Diego Walder hat vor sieben Jahren seine eigene Zeltbaufirma Zelthangar gegründet. Jetzt hat er sich die Traditionsmarke Spatz gesichert.

Für viele waren oder sind sie Kult: die Zelte von Spatz. Generationen von Jugendlichen haben wohl in der Pfadi, im Cevi oder in einer anderen Jugendorganisation schon in einem Spatz-Zelt übernachtet. Bereits seit 1935 werden sie produziert.

Am Samstagnachmittag gab die Effretiker Firma Zelthangar bekannt, dass die Traditionsmarke Spatz seit dem 1. März in ihrem Besitz ist. Sie wolle damit deren Weiterbestand sichern, heisst es in einer Mitteilung. Zuletzt gehörte die Marke dem Westschweizer Sportartikelhersteller Scott, der die Produkte unter anderem über den Outdoor-Spezialisten Transa vertrieb. Zelthangar übernimmt auch gleich das gesamte Warenlager.

«Werte passen zu Zelthangar»

Inhaber der Zeltbaufirma Zelthangar ist der Effretiker Unternehmer Diego Walder. Er hat die Firma 2018 als Start-up gegründet. Sein Handwerk hatte er zuvor bei Spatz gelernt. Die Übernahme der Marke sei eine Herzensangelegenheit. «Wir geben Spatz eine Zukunft», lässt sich Walder in der Mitteilung zitieren.

Zelte vor einer Bergkulisse.
Sie sollen weiter bestehen: Die Gruppenzelte von Spatz sind vielen Pfadi- und Cevi-Mitgliedern ein Begriff.

Zuletzt ist das Geschäft mit den Spatz-Zelten offenbar nicht mehr allzu gut gelaufen. «Wir sind schnell ins Gespräch gekommen», sagt Walder auf Anfrage. Für ihn war klar: «Die Marke passt zu uns und in die Schweiz.» Sie verkörpere mit ihrer Qualität und Beständigkeit Werte, für die auch seine Firma stehe.

Die Traditionsmarke Spatz erlebte in jüngster Vergangenheit turbulente Jahre. Sie stand 2016 kurz vor dem Aus. Das Unternehmen musste Konkurs anmelden. Dank einer neu gegründeten Firma und unter Beteiligung von Transa konnte die Marke aber gerettet werden. 2020 übernahm dann Scott die Firma Spatz und erweiterte das Sortiment unter anderem um Campingmöbel.

Von der jetzigen Übernahme erhofft sich Diego Walder zusätzliche Aufträge. Vorerst würden aber keine neuen Spatz-Zelte produziert. «Wir haben grosse Restbestände übernommen und werden diese erst verkaufen», sagt er. Zuerst würden die Produkte aber überprüft und allenfalls aufgerüstet.

Dabei setzt Walder auch auf die Erfahrung und das Know-how seines eigenen Unternehmens. Zelthangar produziert unter anderem ebenfalls ein grosses Gruppenzelt für Jugendorganisationen. Feedback holt man sich mitunter direkt bei den Jugendgruppen. Im vergangenen Sommer engagierte sich Walder mit seiner Firma beispielsweise bei einem grossen neuen Outdoor-Festival mit verschiedenen Jugendgruppen in Bisikon. Bisher nicht im Sortiment hatte Zelthangar kleinere Familienzelte, wie sie Spatz ebenfalls produzierte.

Produktion im fernen Ausland ausgeschlossen

Inwiefern die Marke Spatz künftig weiter bestehen wird, ist noch unklar. Die Zelte wurden zuletzt in Asien, unter anderem in Pakistan, hergestellt. Die Produktion läuft vorerst nicht weiter. Die Auslagerung ins Ausland war mit ein Grund, weshalb Walder das Unternehmen einst verlassen hatte. Er schliesst denn auch aus, dass die Produktion im fernen Ausland fortgesetzt wird.

«Wenn es eine Nachfrage gibt, werden wir die Produktion aber sicher weiterführen», sagt Diego Walder. Dabei schliesst er explizit auch die Familienzelte mit ein. Der Fokus wird künftig ausschliesslich auf Zelten liegen. Auf andere Spatz-Produkte wie Campingmöbel oder Schlafsäcke will Walder verzichten. «Spatz-Zelte haben aber eine Daseinsberechtigung.» Die Frage sei nur, wo man künftig produziere.

Zelthangar stellt seine Zelte in der Manufaktur in Effretikon her. Langfristig könne man sich vorstellen, auch die Produktion der Spatz-Zelte wieder in die Schweiz zurückzuholen. Um diesen Schritt zu gehen, müsste die Firma gemäss Walder aber zuerst weiterwachsen. Eine Möglichkeit sei auch, die Produktion ins nahe europäische Ausland zu verlagern.

Übernehmen wird Zelthangar auf jeden Fall die Herstellung von Sonderanfertigungen sowie den umfassenden Service. Walder bestätigt, dass bestehende Garantien weiterlaufen werden. Reparaturen könne man künftig direkt über ein Onlinetool auf der Website von Zelthangar in Auftrag geben.

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