Wirtschaft

«Die ganze Welt steht still»

Laemmle-Chef warnt vor Schmierstoffmangel wegen des Iran-Kriegs

Der Nahostkonflikt macht der Firma Laemmle-Chemicals AG aus Madetswil zu schaffen. CEO Silvan Lämmle sagt gegenüber dem «Blick», dass die hohen Rohölpreise am Schluss beim Konsumenten landen.

Laemmle-Chef warnt vor Schmierstoffmangel wegen des Iran-Kriegs

«Die ganze Welt steht still»

Der Nahostkonflikt macht der Firma Laemmle Chemicals AG aus Madetswil zu schaffen. CEO Silvan Lämmle sagt gegenüber dem «Blick», dass die hohen Rohölpreise am Schluss beim Konsumenten landen.

Wegen der Blockade der Strasse von Hormus und des Konflikts in der Meerenge Bab al-Mandab steigen die Spritpreise aktuell stark an. Grund sind die hohen Rohölpreise. Diese machen auch der Firma Laemmle Chemicals AG aus dem Russiker Dorfteil Madetswil zu schaffen. Die Firma war bis 2022 unter dem Namen Panolin bekannt. Deren Chef Silvan Lämmle spricht nun gegenüber dem «Blick» über die Auswirkungen der Rohölkrise auf seine Firma.

Laemmle Chemicals stellt Schmierstoffe her, die für fast alle Fahrzeuge und Maschinen benötigt werden. «Wenn die Schmierstoffindustrie stillsteht, dann steht die ganze Welt still», sagt der 47-Jährige. Er führt aus, dass alle Autos, Lastwagen, Schiffe und Baumaschinen Schmierstoffe brauchen. Aber auch Pistenfahrzeuge oder Turbinen für die Stromproduktion benötigen Schmierstoffe – wie zum Beispiel Motorenöl.

Das Madetswiler Unternehmen ist einer der vier grössten Produzenten für Schmierstoffe in der Schweiz. Wegen des Nahostkonflikts fehlt es aktuell an Rohstoffen, die für die Produktion benötigt werden. Normalerweise käme ein Viertel des Volumens durch die Strasse von Hormus. «Aktuell sind es gerade mal 5 bis 6 Prozent», sagt Lämmle. Zusätzlich macht der Konflikt bei der Meerenge Bab al-Mandab die Beschaffung noch schwieriger.

Zwar könne die Firma bei gewissen Rohstoffen auf Alternativen ausweichen, doch die Situation sei ein erheblicher Kraftakt. Denn es fehlt an Planungssicherheit, weil die Lieferanten die Mengen an Rohöl bestimmen, die der Schmierstoffhersteller bekommt.

«Einfach alles» wird teurer

Aktuell können die Kunden noch versorgt werden, doch Silvan Lämmle kann nicht abschätzen, wie sich die Situation entwickelt. Das KMU will deswegen langfristig vom Erdöl wegkommen und zum Beispiel auf Gebrauchtöle oder Öle aus Biomasse setzen.

Die Konsequenz des Rohstoffmangels wirkt sich auf fast jeden aus: «Schliesslich landen die höheren Preise immer beim Endkonsumenten», sagt Lämmle gegenüber dem «Blick». So verteuern sich der Autoservice, die Flugpreise, die Baustellen oder die Lebensmittelherstellung. «Einfach alles.»

Selbst wenn sich die Situation im Iran beruhigen sollte, würde es gemäss Lämmle Monate dauern, bis sich die Preise für die Schmierstoffe erholen. Denn zuerst würden die Preise an den Zapfsäulen nach unten gehen, jene für die Schmierstoffe bräuchten länger.

Neben dem Standort in Russikon betreibt die Laemmle Chemicals AG mit rund 130 Mitarbeitenden auch ein Tochterunternehmen in Grüningen. Ein Produktionsstandort in Mönchaltorf ist zudem im Aufbau. Weiter hat das Unternehmen noch einen Standort in Deutschland.

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