Der Sommer auf der Alp oder leben mit dem Wolf
Serie Schafzucht, Teil 4
360 Schafe und Lämmer aus Illnau verbringen den Sommer mitten im Wolfsgebiet. «Seit das Raubtier in die Schweiz zurückgekehrt ist, verlieren wir weniger Tiere», sagt ihr Besitzer Bruno Zähner. Klingt unlogisch, ist es aber nicht.
Hier oben auf der Alp Zanai bestimmen die Schafe den Rhythmus und den Tagesablauf von Jonas Gubler. Morgens zwischen 5 und 7 Uhr öffnet der Schafhirt den Nachtpferch auf der Alpweide hoch über Bad Ragaz SG und lässt die Schafe und Lämmer auf die Weide. Um diese Zeit liegt noch Tau auf den Grashalmen.
Schafe müssen kaum trinken, sie decken den Grossteil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrungsaufnahme. Und wenn sie doch einmal durstig sind: Trotz der aktuellen Trockenheit durchziehen zahlreiche Rinnsale und kleine Bäche die Alp. «Das Mikroklima ist ideal», sagt Bruno Zähner, der Besitzer der 360 Lacaune-Schafe, die hier den Sommer verbringen. «Es gab in den letzten Wochen immer wieder einmal ein Gewitter.» Doch dazu später mehr.
Seit 2013 pachten Bruno Zähner und Sabrina Otto vom Biolandbau Guggenbüel in Illnau die 600 Hektaren auf über 2000 Meter über Meer. Dazu stellen sie von Juni bis September drei Hirten ein. Der Bäretswiler Jonas Gubler kümmert sich um die Illnauer Milchschafe. Auf der anderen Seite des Talkessels kümmert sich ein weiterer Hirt um rund 800 Fleischschafe der Texel-Rasse und eine Hirtin um 150 Ziegen, die anderen Landwirten gehören.

