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Eine Branche in Bedrängnis

Die Milchschwemme rüttelt am System

Zu viel Milch, sinkende Preise: Was hinter dem Phänomen steckt und welche Lehren der Fischenthaler VMMO-Präsident Reto Schaufelberg daraus zieht.

Gutes Heu, produktive Kühe – doch die Milchbauern ächzen unter den tiefen Milchpreisen.

Foto: Christian Merz

Die Milchschwemme rüttelt am System

Eine Branche in Bedrängnis

Zu viel Milch, sinkende Preise: Was hinter dem Phänomen steckt und welche Lehren der Fischenthaler VMMO-Präsident Reto Schaufelberg daraus zieht.

Der Schweizer Milchmarkt befindet sich momentan in einer schwierigen Lage. Weil im Vorjahr die Wetterbedingungen überdurchschnittlich gut waren und den Bauern nun dementsprechend mehr und qualitativ besseres Futter zur Verfügung steht, ist die Milchmenge um rund zehn Prozent angestiegen.

Gleichzeitig kommen mehrere äussere Faktoren hinzu, die die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Milchprodukte hemmen. Der starke Franken etwa, die neu aufgezogenen Zoll-Hemmnisse, die tiefen Weltmarktpreise oder auch schlicht und einfach der Umstand, dass auch das nahe Ausland eine ähnliche Milchschwemme erlebt.

Auf diese Situation hat die Branchenorganisation Milch, die sich aus Produzenten, Verarbeitern und Händlern zusammensetzt, mit einer drastischen Massnahme reagiert: Per 1. Februar hat sie den Richtpreis für ein Kilogramm sogenannter A-Milch von 82 auf 78 Rappen gesenkt – und das nicht wie üblich für einen, sondern gleich für elf Monate.

Dazu muss man wissen, dass Milch in drei Segmente aufgeteilt wird: in A-, B- und C-Milch. A‑Milch ist für den lukrativen Inlandmarkt bestimmt, etwa für Trinkmilch oder Käse. B‑Milch wird für industriellere Produkte oder den Export verwendet und deutlich tiefer bezahlt. C‑Milch entsteht dagegen bei Überschüssen, die nur noch zu Weltmarktbedingungen verwertet werden können – sie bringt den niedrigsten Preis.

Im Vorteil sind in diesem System also jene Bauern, die für ihre Milch einen Abnehmer haben, der ihnen A-Milch garantiert – etwa der Fischenthaler VMMO-Präsident Reto Schaufelberger, der einen Vertrag mit einer lokalen Käserei hat.

Andere, die etwa an die grossen Milchhandels- oder Verarbeitungsorganisationen liefern, müssen dagegen damit rechnen, dass zumindest ein Teil ihre Milch als Überschuss klassifiziert und als sogenannte B- oder C-Milch zu einem tieferen Preis vergütet wird. Oft wird dafür ein Mischpreis bezahlt, der nicht genau deklariert ist.

Man sieht ein Melkzeug einer modernen Melkmaschine.
So sehr die aktuelle Milchschwemme schmerzt – sie hat ein Ablaufdatum.

Die aktuelle Schwemme legt nun das Problem des Systems offen: Während die Produktion dieses verderblichen Rohstoffs weit im Voraus geplant werden muss – eine Kuh kann nicht einfach dabei gestoppt werden, Milch zu geben –, unterliegt die Nachfrage der kurzfristigen Logik des Markts.

Korrekturen können auf der Seite der Produzenten (Steuerung der Milchmenge), bei den Händlern (mehr Schweizer Produkte in den Regalen) und über den Staat (Zölle auf Importe) erfolgen. Doch die Hürden sind gross.

An der gegenwärtigen Situation kann der neue VMMO-Präsident Reto Schaufelberger wenig ändern. Denn so stark die derzeitige Milchschwemme die Branche in Mitleidenschaft zieht, ja, gewisse Bauernbetriebe gar in der Existenz bedroht – sie hat ein Ablaufdatum. Dann nämlich, wenn gegen Ende des Jahrs das qualitativ gute Futter aufgebraucht ist.

Gefragt ist er indessen bei den Lehren, die aus der Situation gezogen werden können. So fordert Schaufelberger konkret mehr Transparenz bei der Segmentierung durch die Milchabnehmer und die Möglichkeit eines freiwilligen Verzichts seitens der Bauern auf die Abgabe von C-Milch. Gleichzeitig müssten regionale Verarbeitungskapazitäten erhalten und ausgebaut werden, um die anfallenden Mengen flexibler aufnehmen zu können.

Seitens der Produzenten gelte es dagegen, die Milchmengen besser zu steuern. Einerseits sei eine Versorgung von rund 98 Prozent des Inlandmarkts anzustreben. Andererseits mit besseren Voraussagen der Milcheinlieferungen allfällige Verarbeitungsengpässe zu antizipieren.

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