Rainer Hoffer verlässt das «Rössli» in Illnau
Neuer Pächter gesucht
Die Stadt Illnau-Effretikon sucht einen neuen Pächter für das Restaurant Rössli. Rainer Hoffer wird den im August 2027 auslaufenden Vertrag nicht verlängern.
Am 31. August 2027 läuft der fünfjährige Pachtvertrag aus, den Rainer Hoffer 2022 mit der Stadt Illnau-Effretikon als Besitzerin des «Rössli» abgeschlossen hatte. Nun hat er sich entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern.
Schon im Frühjahr war Hoffer praktisch von der Bildfläche verschwunden und hatte ein längeres Time-out genommen. Auf der Plattform LinkedIn erklärte er sich vor einem Monat: «In vielen Branchen gehören Einsatz, Präsenz und Belastbarkeit zum beruflichen Selbstverständnis. Auch ich habe in den vergangenen Monaten erfahren, dass genau dieses Selbstverständnis an Grenzen kommt.»
«Die Chancen auf Heilung sind gut»
In einer Medienmitteilung schreibt die Stadt von «gesundheitlichen Gründen», die eine vollständige Rückkehr Hoffers unwahrscheinlich machen. Auf Anfrage dieser Redaktion erklärt dieser: «Es handelt sich um eine unerwartet hartnäckige und behandlungsintensive Erkrankung. Die Chancen auf Heilung sind gut.»
Aber für die Führung eines Unternehmens sollte man «zu 100 Prozent topfit» sein – und das ist der Beizer derzeit nicht. Zwischen seiner Krankheit und dem Time-out im Frühjahr bestehe kein Zusammenhang, betont Hoffer.
Als der gebürtige Wiener das «Rössli» im August 2022 übernahm, trat er in grosse Fussstapfen: 20 Jahre hatten Vreni und René Kaufmann dort gewirtet und das Traditionshaus zu einer Topadresse im Oberland gemacht. Gemeinsam mit seinem erfahrenen Küchenchef Stefan Wälte führte Hoffer das Haus auf hohem Niveau weiter: Davon zeugen zwei Hauben und 14 Punkte von Gault-Millau.

Die «auf den Punkt gebratene Entenleber» mundete nicht nur dem Testesser des Gastroführers. Dazu stehen auf der Speisekarte Klassiker wie Zürcher Geschnetzeltes, Cordon bleu oder auch Tafelspitz – ein Evergreen aus Hoffers Heimat Österreich. Trotz der Dekoration mit Hauben und Punkten ist das «Rössli» immer auch eine Landbeiz geblieben – das Mittagsmenü kostet ab Fr. 18.80.
«Das ‹Rössli› soll bleiben, was es ist»
Genau so solle es unter dem neuen Pächter oder der neuen Pächterin weitergehen, sagt Stadträtin Rosmarie Quadranti (Die Mitte) gegenüber dieser Redaktion. Das Restaurant fällt in den Verantwortungsbereich der Vorsteherin des Ressorts Hochbau: «Das ‹Rössli› hat einen guten Ruf. Wir wollen einfach weiterhin eine gute Beiz.» Punkte und Hauben seien unwichtig.
Die neuerliche Suche nach einem Pächter sei «ein ganz normaler Prozess», sagt Quadranti. Hoffer unterschrieb 2022 einen branchenüblichen Fünfjahresvertrag, der eine Option zur Verlängerung enthielt. «Nun hat er sich entschieden, die Pacht nicht zu verlängern. Aber das ‹Rössli› liegt ihm am Herzen. Er würde uns bei Bedarf bei der Suche nach einer Nachfolge unterstützen.»

Bis es so weit ist, wird Maja Giger das operative Geschäft im «Rössli» führen, wie sie es schon während des Time-outs im Frühling getan hatte. Die bisherige Stellvertreterin wird neu als Geschäftsleiterin ad interim firmieren. «Wir arbeiten gut und eng zusammen», sagt Hoffer. Er bleibe als Pächter in wichtige Entscheide involviert, zahle die Löhne und unterstütze das Führungsteam.
Hoffer ist nicht nur Beizer, sondern tanzt als Gastronom auf mehreren Hochzeiten: Mit seiner FOH Consulting berät er andere Gastrounternehmen, dazu ist er Dozent und Prüfungsexperte, engagiert sich in verschiedenen Verbänden und schreibt Kolumnen – auch für den «Zürcher Oberländer».
Die Aufträge für sein Beratungsunternehmen gebe er an sein Consulting-Team weiter, sagt Hoffer: «Die Tätigkeiten in Verbänden und als Kolumnist werde ich gerne fortführen.» Vieles sei zeitunabhängig, was ihm momentan sehr entgegenkomme. «Das ‹Rössli› hat weiterhin klar erste Priorität.»
