Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Wirtschaft

75 Jahre

Die Wetziker «Eichhörnli-Metzgerei» feiert Jubiläum

1951 eröffnete Max Eichenberger seine Metzgerei an der Wetziker Bahnhofstrasse. Sie ist heute die einzig verbleibende Metzg in der Stadt. Das Erfolgsrezept liegt im Familienverbund.

Claudia Eichenberger und Guido Lehmann führen die Metzgerei Eichenberger in dritter Generation.

Foto: Simon Grässle

Die Wetziker «Eichhörnli-Metzgerei» feiert Jubiläum

75 Jahre

1951 eröffnete Max Eichenberger seine Metzgerei an der Wetziker Bahnhofstrasse. Sie ist heute die einzig verbliebene Metzg in der Stadt. Das Erfolgsrezept liegt im Familienverbund.

Ein rauchiger Geruch liegt in der Luft, von fern hört man eine Säge kreischen. In den Produktionsräumen der Metzgerei Eichenberger wird gehackt, gehobelt, gewürzt und gemischt. Einen Stock höher herrscht weniger Emsigkeit. Vor zwei Jahren wurde die Produktion um dieses Stockwerk erweitert, dafür wurde eine Wohnung umgebaut. Statt Sofa und Bett sind hier nun Reiferäume und Verpackerei zu finden.

Zwischen Bauernsalami und Apfelchnebeli posieren Guido Lehmann und Claudia Eichenberger für das Foto. Obwohl die beiden die Metzgerei 2009 gemeinsam übernommen haben, sind sie nicht Ehepaar, sondern verschwägert. «Guido ist mit meiner Schwester Beatrix verheiratet», sagt Claudia Eichenberger. Der ganze Betrieb ist auf den Grundfesten der Familie Eichenberger aufgebaut: Drei Generationen packen gleichzeitig mit an. Und das seit 75 Jahren.

Wurzeln im Kanton Aargau

1951 hat Max Eichenberger – der Grossvater von Claudia – zusammen mit seiner Frau Bethli den Betrieb an der Bahnhofstrasse in Wetzikon eröffnet. Doch eigentlich geht die Begeisterung für das Metzgerhandwerk noch ein paar weitere Generationen zurück. «Mein Urgrossvater führte die Metzgerei Eichenberger im aargauischen Beinwil am See. Da Max der zweite Sohn war, ging der Betrieb jedoch nicht in seine Hände über, und er machte sich in Wetzikon selbständig.»

Impressionen Metzgerei Eichenberger Wetzikon
Gründer Max Eichenberger bei der Arbeit in seiner Metzgerei.

Die Metzgerei in Beinwil gibt es mittlerweile nicht mehr. Das «Mutterschiff» in Wetzikon wurde schrittweise vergrössert, und es gehören inzwischen auch die Filialen in Hinwil und Höngg dazu. Zudem sind die Eichenberger-Produkte in diversen Läden im Oberland zu finden, insgesamt 45 Mitarbeitende zählt die Belegschaft.

Guido Lehmanns Lebensgeschichte ähnelt jener der Eichenbergers. Bereits sein Vater führte in Grüningen eine Metzgerei, diese wird heute von seinem älteren Bruder geleitet. «Ich habe vor vielen Jahren die Ausbildung hier in Wetzikon absolviert und lernte dadurch meine Frau kennen», erzählt er.

Nach einigen Stationen in anderen Metzgereien kam er 2002 zurück in den Betrieb. Claudia Eichenberger machte ihre Ausbildung in Bubikon, bevor sie nach einem Auslandsaufenthalt wieder in den Familienbetrieb zurückkehrte. Zwei ihrer drei Schwestern sind ebenfalls im Betrieb tätig. «Wenn man einmal heimkommt, geht man nicht so schnell wieder», sagt sie.

Impressionen Metzgerei Eichenberger Wetzikon
Drei Generationen, eine Metzgerei: An hektischen Tagen packen alle Hände mit an. Auf dem Balkon: Max junior und Judith Eichenberger, welche den Betrieb bis 2009 geführt haben.

Gemeinsam absolvierten sie damals die Meisterprüfung, heute sitzen sie als Geschäftspartner am Tisch im Büro. «Das hier war einst mein Kinderzimmer», meint Eichenberger schmunzelnd. Heute wohnt sie mit ihrem Mann und den vier Kindern noch einen Stock höher, wo früher die Grosseltern lebten.

Zu Grossvaters Zeiten wurde auch noch vor Ort geschlachtet. Heute liefern die Bauern das Vieh zweimal die Woche frühmorgens in den Schlachthof in Hinwil. Von dort kommen dann die Schweins-, Rinds-, Kalbs- und Lammhälften nach Wetzikon. Hier wird alles zerlegt, verarbeitet und produziert. Zu den Produktionsräumen gehören unter anderem die Zerlegerei, die Wursterei, die Abpackerei, eine Küche für den Take-away und die Catering-Aufträge.

Max junior und Judith Eichenberger, welche den Betrieb bis 2009 geführt haben, packen nach wie vor mit an. Judith Eichenberger an drei Halbtagen pro Woche, Max Eichenberger, wo es eben helfende Hände braucht. Das gelte nicht nur für die Produktionsräume, sondern auch für das Privatleben. «Sie betreuen auch oft die Enkel, damit wir hier tätig sein können.»

Dieses Zusammenspiel und der Zusammenhalt in der Familie sei das Erfolgsrezept. «Vor einigen Jahren gab es noch drei Metzgereien in Wetzikon, mittlerweile sind wir die Einzigen», sagt Guido Lehmann. Die Gründe seien verschieden, oftmals scheitere es bei Metzgereien aber an der Nachfolgesuche.

Obwohl sie sich noch lange nicht mit dieser Frage auseinandersetzen müssen, gibt es bereits kleine Lichtblicke. «Mein zwölfjähriger Sohn sagt, er wolle einmal Metzger werden – warten wir es ab», sagt Lehmann. Ein Sohn von Claudia Eichenberger ist indes bereits in der Ausbildung zum Fleischfachmann, wie die Berufsbezeichnung heute korrekt lautet. Doch wie es beim Nachwuchs in der Familie Eichenberger seit je der Fall war: «Alle haben die freie Wahl, ob sie in den Familienbetrieb einsteigen wollen oder nicht. Man muss mit ganzem Herzen dabei sein, sonst klappt es nicht.»

Impressionen Metzgerei Eichenberger Wetzikon
Max Eichenberger (Zweiter von rechts) würde sich freuen: Die Metzgerei wird mittlerweile in dritter Generation erfolgreich geführt.

Keine Angst vor Grossverteilern

Die Konkurrenz durch Migros und Coop oder Discounter wie Aldi und Lidl sorgen bei den Eichenbergers derweil nicht für Kopfzerbrechen. In den Preiskampf zwischen den Grossverteilern mische man sich gar nicht erst ein, meint Claudia Eichenberger. Man setze auf Qualität, Nachhaltigkeit, Persönlichkeit, Regionalität. «Und wer erst einmal an unsere Qualität gewöhnt ist, kommt wieder zurück.»

Die Kundschaft bestehe denn auch zu einem grossen Teil aus Stammkunden, viele würden mit Namen begrüsst. «Gerade bei unserem Mittags-Take-away gibt es Kunden, die täglich vorbeikommen», sagt Claudia Eichenberger. «Darunter auch viele Senioren, die allein wohnen und froh sind, nicht selbst kochen zu müssen.»

Täglich werden zwei Menüs angeboten, wobei nicht immer eines davon vegetarisch ist. Sowieso: «Der Fleischkonsum hat in den letzten Jahren nicht abgenommen», sagt Guido Lehmann. Dies sei eine Annahme, die zwar oft in den Medien proklamiert, jedoch von Statistiken nicht gestützt werde. Gemäss Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, hat sich der Konsum seit Mitte der 1990er Jahre bei rund 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr eingependelt.

Verlagerung ins Backoffice

Sowohl Lehmann als auch Eichenberger sind immer noch täglich im Betrieb tätig. Er kümmert sich primär um den Vieheinkauf und den Kontakt zu den Landwirten, die Produktion und die Belieferung der Restaurationsbetriebe, sie ist zuständig für den Laden, das Personal und das Catering. «Aber wenn es irgendwo eine Lücke gibt, springen wir dort ein, wo Not am Mann ist», sagt Lehmann.

Das Logo der Metzgerei Eichenberger – ein Eichhörnchen – ist abgesehen von einer kleinen Modernisierung seit 75 Jahren dasselbe geblieben. Nur Produkte, die selbst hergestellt werden, tragen dieses Symbol.

75 Jahre Metzgerei Eichenberger in Wetzikon.
Die Metzgerei mit dem Eichhörnli – seit 1951 an der Bahnhofstrasse in Wetzikon.

«Um das Eichhörnchen ranken sich einige Mythen», meint Guido Lehmann und rollt lachend ein wenig mit den Augen. Womöglich sei es einfach ein guter Marketinggag gewesen, als Metzger für einmal nicht den Kopf eines Rinds oder Schweins im Logo zu tragen.

Mit Erfolg: Die «Eichhörnli-Metzgerei» ist weitum bekannt. «Tatsächlich gab es aber auch schon Kunden, die gefragt haben, ob wir Eichhörnchenfleisch im Angebot haben.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns