Honegger übergibt sein Unternehmen an Honegger und Honegger
Nachfolgeregelung in Wald
Vor acht Jahren begann der Walder Elektroinstallateur Walter Honegger, eine Nachfolgeregelung für sein Unternehmen aufzugleisen. Jetzt ist er am Ziel.
Europa und die Schweiz erleben gerade den grössten demografischen Wandel seit dem Zweiten Weltkrieg. Die letzten Jahrgänge der Babyboomer-Generation gehen in Rente. In der Schweiz sind das insgesamt 1,1 Millionen Menschen, die von 1946 bis 1964 geboren wurden. Doch nicht nur Angestellte erreichen ihr Pensionsalter, sondern auch Unternehmer.
Und diese können nicht einfach an ihrem 65. Geburtstag den PC und den Badge abgeben und sich nach einem Apéro in Richtung Golfplatz verabschieden. Für sie geht es auch darum, eine geeignete Nachfolge zu finden, damit ihr Unternehmen – und damit die Arbeitsplätze – erhalten bleiben.
Gemäss einer Studie der Beratungsfirma Dun & Bradstreet vom März 2025 sind in der Schweiz rund 90’000 Unternehmen auf der Suche nach einer Nachfolge für die Unternehmensführung. Besonders betroffen waren kleine Firmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden.
Firmen wie die Honegger Elektro Telecom AG in Wald. Der Zusatz «AG» für Aktiengesellschaft steht seit 2018 hinter dem Firmennamen und ist sichtbares Zeichen dafür, dass sich Walter Honegger früh mit seiner Nachfolge auseinanderzusetzen begann. Der Firmenchef war 56-jährig, als er die Rechtsform änderte: Damit schaffte er die Voraussetzung, seine Mitarbeitenden am KMU zu beteiligen. Gleichzeitig gründete er die Arbeitsgruppe «Honegger Elektro 2025» mit dem Ziel einer firmeninternen Nachfolgeregelung, da sich seine drei Töchter beruflich in andere Richtungen bewegten.
Seit 2023 sind fünf Mitarbeiter auch Aktionäre
Fünf Jahre später verkaufte er bereits die Hälfte des Aktienkapitals an fünf Mitarbeiter, zwei davon rückten in den Verwaltungsrat auf: Simon und Dominik Honegger. Dass sie alle drei denselben Nachnamen tragen, ist dem Umstand geschuldet, dass in Wald gefühlt jeder Zweite Honegger heisst.

Am «Gwerbfäscht» in Wald vom 29. bis 31. Mai soll die neue Honegger Elektro Telecom AG der Bevölkerung nähergebracht werden. Mit einem Flyer informiert die KMU über die Veränderung: «Simon Honegger, Geschäftsführer» steht dort und «Dominik Honegger, stv. Geschäftsführer». Beim Porträt von Walter Honegger steht noch «Kundenberater». Er wird dem Team noch eine gewisse Zeit zur Verfügung stehen.
Ort und Zeit, die Veränderung einer breiteren Öffentlichkeit publik zu machen, sind kein Zufall: Walter Honegger, Walder Gemeindepräsident von 1997 bis 2006 und seit 2019 SVP-Kantonsrat, ist auch Präsident des Walder Gewerbevereins, der das nur alle paar Jahre stattfindende «Gwerbfäscht» organisiert.
Am 10. Juli findet die offizielle Übergabe statt. Mit 64 Jahren tritt der langjährige Chef die operative Verantwortung für sein Unternehmen an seine Nachfolger ab, bleibt vorerst aber im Verwaltungsrat. Gleichzeitig wird an diesem Tag im Hasenstrick das Firmenjubiläum gefeiert, 30 Jahre nachdem Walter Honegger und Yvonne Honegger-Keller die damalige Firma Oberholzer & Co. übernommen hatten.
Gründungsjahr 1890
Die Geschichte des Unternehmens reicht viel weiter zurück. 1890 gegründet, war Oberholzer & Co. eine der ersten Elektrofirmen im Kanton. Sie war massgeblich an der Elektrifizierung von Textilfabriken im Tösstal beteiligt und an der Ablösung der Petrollampen durch moderne Glühlampen.
Als das Ehepaar Honegger das Unternehmen am 1. Januar 1996 übernahm, bestand es aus einem Elektroladen an der Bahnhofstrasse 11 mit drei Mitarbeiterinnen und der Installationsabteilung im «Waldhaus» an der Laupenstrasse in Wald mit acht Mitarbeitern.
1999 wurden die beiden Abteilungen an der Bahnhofstrasse 30 vereint. Walter Honegger betreute die Installationsabteilung, Ehefrau Yvonne den Laden. Knapp 20 Jahre gehörte dieser zum Walder Ortsbild. Doch Online-Shopping und die Konkurrenz durch grosse Fachmärkte führten 2008 zur Schliessung. Die Firma zog in den Weiler Blattenbach um, zwischen Wald und dem Hasenstrick. Dort hatte Honeggers Vater einst einen Landwirtschaftsbetrieb geführt.

Doch nicht nur der Standort, sondern auch das Berufsbild veränderte sich in den letzten Jahren rasant. Zu klassischen Installationsarbeiten sind neue Bereiche gekommen: Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, LED-Beleuchtungssysteme, Internet/LAN-Verkabelungen, Überwachungsanlagen, intelligente Gebäudesysteme und Ladestationen für die E-Mobilität.
Dass das Unternehmen nach wie vor den etwas altbackenen Begriff Telecom im Namen führt, war ein bewusster Entscheid. «Es ist ein Bereich, in dem wir sehr stark sind und uns zur Konkurrenz differenzieren können», sagt Dominik Honegger.
«Ansprechpartner rund ums Thema Strom»
32 Mitarbeitende sind auf der Website der Honegger Elektro Telecom AG aufgeführt, darunter sieben Lernende in den Berufen Elektroinstallateur und Montage-Elektriker. «Wir wollen Ansprechpartner für alle Bereiche rund ums Thema Strom bleiben», umreisst Simon Honegger das Ziel als neuer Geschäftsführer. «Wachstum ist kein unmittelbares Ziel», ergänzt Dominik Honegger, «die aktuelle Grösse passt.»
Die fünf neuen Aktionäre sind allesamt langjährige Mitarbeiter. «Zusammen kommen wir auf 90 Jahre in der Firma», rechnet Geschäftsführer Simon Honegger vor. Der 37-Jährige, der bereits die Lehre im Betrieb gemacht hatte, war schon früh ein Wunschnachfolger für Walter Honegger. 2015 nach der Meisterprüfung hatte der Seniorchef ein erstes Mal angeklopft: «Doch das kam für mich zu früh, ich war damals erst 26-jährig.»
Während Simon Honeggers Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft wurden die Pläne dann konkreter. Seine Diplomarbeit drehte sich um die Frage «Selbstständigkeit ja oder nein». Vieles davon floss in die Nachfolgeregelung in Wald ein. «Irgendwann wurde mir klar: Ich möchte das tun, aber nicht allein.»
Und noch etwas war klar: «Wenn die Firma an einen grösseren Mitbewerber verkauft wird, dann wird es nicht mehr so sein wie jetzt.» Und Befehlsempfänger einer fernen Firmenzentrale zu sein, kam nicht infrage. Weder für Honegger noch für Honegger.