Die Kezo und die hängenden Gärten von Hinwil
Masterplan für den Neubau
Das Neubauprojekt der Kehrichtverwertungsanlage der Kezo in Hinwil ist einen wichtigen Schritt weiter. Am Donnerstagabend wurde der Masterplan bis 2045 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Es gibt Orte, die man unweigerlich mit herausragenden Bauwerken in Verbindung bringt: Wer beispielsweise an Sydney denkt, der hat ziemlich sicher das Opernhaus vor dem geistigen Auge. Wer an Köln denkt, sieht den Dom als Wahrzeichen. Und wer an Hinwil denkt, nun ja.
«Die Kezo gehört zum Erscheinungsbild unserer Gemeinde, und das wird auch so bleiben», stellte Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) am Donnerstagabend klar. Die Gemeinde informierte gemeinsam mit Kezo-Verantwortlichen und den Planern über den Masterplan der Kezo bis 2045 im Allgemeinen und den Ersatzneubau der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) im Besonderen. Und das Interesse war gross: Rund 150 Interessierte waren der Einladung in den Saal des Hotels Hirschen gefolgt.
Vom Masterplan zum Bauprojekt
Der vorgestellte Masterplan ist noch lange kein Bauprojekt. Er dient als Grundlage für den geplanten Ersatz der in die Jahre gekommenen KVA und zeigt auf, wie die Flächen auf dem Kezo-Areal künftig genutzt, der Verkehr organisiert und die Freiräume gestaltet werden. Und er vermittelt einen Eindruck, wie das Ganze dereinst aussehen soll: Viel Beton, aber auch viel Grün nicht nur um die neue KVA herum, sondern auch als eine Art hängende Gärten an der Fassade.

Vor einem Jahr war das Projekt des Architektur- und Bauingenieurunternehmens der Penzel Valier AG in Zürich, in Zusammenarbeit mit dem Berner Landschaftsarchitekten Maurus Schifferli, als Sieger aus einem Wettbewerb von vier Studienaufträgen hervorgegangen. In der Zwischenzeit wurde dieses Projekt zu einem detaillierten Richtplan und einem vereinfachten Masterplan weiterentwickelt.
Auch wenn es von hier noch ein weiter Weg zu einem konkreten Bauprojekt ist, stehen die Dimensionen des geplanten Ersatzneubaus jetzt schon fest: Die neue Kezo wird rund 50 Meter hoch, 56 Meter, wenn man auch den Kamin einrechnet.
Um diese Zahl in Relation zu setzen: Der grosse Kamin der bestehenden Anlage misst 73 Meter. Die wuchtigen Bauten sollen kompakt angeordnet werden und sich «angemessen in das Ortsbild einbetten», wie es in der Dokumentation der Kezo heisst, die an die Teilnehmenden abgegeben wurde.
Was es mit dem Stapeln von Landschaften auf sich hat
«Der Neubau ist ein grosses, mächtiges Gebäude», sagte Christian Schucan, Verwaltungsratspräsident der Kezo. Die Bebauung soll deshalb in alle Richtungen abgestuft werden. Um die 50 Meter Fassade aufzulockern, sollen Pflanztröge am Gebäude angebracht werden. Schucan: «Wir können die Kezo nicht hinter Bäumen verstecken, aber wir können den Anblick erträglicher machen.»
Im Masterplan ist von einem Konzept der «gestapelten Landschaft» die Rede: Das bedeutet, dass Frei- und Grünräume nicht nur ebenerdig vorgesehen sind; auch Gebäudefassaden und Dächer sollen begrünt werden.

Im Masterplan ist das Areal deutlich aufgeräumter als die heutige, über die Jahre gewachsene Anlage. Dabei wurden drei Baufelder definiert: Zentrales Element ist die neue KVA, die im Osten des Areals gebaut wird, während die alte Anlage nach wie vor in Betrieb ist.
Ein zweites Baufeld im Westen ist der Schlackenaufbereitung durch die ZAV Recycling AG vorbehalten, und ein drittes dazwischen kann zukünftigen Nutzungen zugeführt werden. Genannt wurde beispielsweise eine CO2-Abscheidung, also die Entnahme des Treibhausgases aus den Rauchgasen der KVA.

Eine solche CO2-Abscheidung wird noch nicht gebaut. Die Anlage werde aber so geplant, dass sie bereit dafür sei, sobald die Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene geklärt sind, sagte Kezo-Geschäftsführer Steffen Schroth und nannte die Zulassung der Technologie, aber auch Fragen der Finanzierung, des Transports und der Lagerung des entnommenen CO2 als zu klärende Fragen. Ab Herbst 2026 baut die Kezo gemeinsam mit dem Winterthurer Maschinenbauer Sulzer immerhin einmal eine entsprechende Pilotanlage.
2027 wird über den Baukredit abgestimmt
Derzeit überarbeiten die Kezo und die Gemeinde Hinwil den bestehenden, privaten Gestaltungsplan für das Areal. Dieser revidierte Gestaltungsplan wird voraussichtlich Ende Jahr öffentlich aufgelegt. In der zweiten Jahreshälfte 2027 soll die Hinwiler Gemeindeversammlung darüber abstimmen.
Parallel dazu wird die Projektierung weiter vorangetrieben. Geplant ist, dass die 36 Gemeinden des Zweckverbands ebenfalls im zweiten Halbjahr 2027 an der Urne über den Baukredit abstimmen werden. Rund 350 Millionen Franken soll die neue Anlage kosten, die voraussichtlich 2031 in Betrieb gehen soll.
Der Ersatzneubau des geplanten Ersatzneubaus
Doch der Masterplan 2045 blickt noch viel weiter in die Zukunft: So ist im mittleren der drei Baufelder, wo die heutige KVA steht, ein grosser Bereich definiert, der begrünt wird. Hier kann in ferner Zukunft – man geht vom Jahr 2080 aus – der Ersatzneubau des geplanten Ersatzneubaus entstehen. Auch dieser muss dereinst gebaut werden, während der Betrieb weiterläuft.