Ein neues Leben für 55 Grad Nord in Pfäffikon
Ende einer Ära
Der Laden 55 Grad Nord zieht weg aus Uster – und findet in Pfäffikon ein neues Zuhause. Geschäftsinhaber Felix Demuth erklärt die Hintergründe.
Seit 2010 betreibt Felix Demuth in Uster den Laden 55 Grad Nord, der vorwiegend aus Skandinavien stammende Designerprodukte wie Stühle, Leuchten oder Geschenkgadgets anbietet. Kurz nach der Eröffnung wurde das Angebot um die Trendsportart SUP (Stand-up-Paddling) erweitert, die sich rasch zu einem wichtigen Stützpfeiler des Geschäftsmodells entwickelte.
Doch Ende Juni ist in Uster mit dem breiten Angebot Schluss: Der Laden zieht von seinem aktuellen Standort an der Gerichtsstrasse weg.
Der neue Showroom wird sich in Pfäffikon an der Wallikerstrasse 12 befinden. Felix Demuth sieht in diesem Standortwechsel einen klaren Schritt für das Fortbestehen des Geschäfts, das sich in den letzten Jahren immer wieder den veränderten Gegebenheiten anpassen musste.
Schwindende Laufkundschaft
«Das Kundenverhalten hat sich seit der Pandemie drastisch verändert», erläutert Demuth den Entscheid. Es seien immer seltener Besucher spontan vorbeigekommen. Ein Problem für einen Laden, der einen Teil des Umsatzes mit Geschenken und Gadgets generiert. «Der Bereich der Geschenke ist nicht mehr so opportun. Nach der Pandemie ist er praktisch komplett weggebrochen», sagt Demuth.
Der Geschäftsinhaber hat mit einer Umstellung des Angebots reagiert. Seither setzt 55 Grad Nord vermehrt auf dänische Möbel. «Da wissen wir, dass die Kunden kommen, weil sie eine seriöse und kompetente Beratung suchen. Aber Geschenke kann man seit Corona problemlos online bestellen – da braucht es uns nicht mehr.» Befeuert wurde der Niedergang dieses Geschäftssektors auch durch Billiganbieter wie Temu oder Amazon.
Da Demuth so die Laufkundschaft ausblieb, entschloss er sich letztes Jahr dazu, fixe Öffnungszeiten abzuschaffen. Seither gibt es nur noch per terminlicher Vereinbarung Zutritt zum Laden. Ein System, das aus seiner Sicht gut funktioniert.
So könne er verhindern, dass er allein im Laden stehe und auf Kundschaft warte. Und der Kunde erhalte garantiert eine kompetente Beratung. Mit dem Standortwechsel möchte er diese Linie weiterverfolgen und die Beratungskompetenz noch mehr in den Vordergrund stellen.
Es macht keinen Sinn, wenn wir an zwei Orten Miete zahlen, wenn wir alles an einem Ort zentralisieren könnten.
Felix Demuth
Inhaber 55 Grad Nord
Pfäffikon liegt für Demuth zentraler
Der neue Standort an der Wallikerstrasse ist für Demuth auch praktisch, da sich Synergien mit dem dort ansässigen Architekturbüro Brunner Weibel ergeben. Dieses wird unter anderen von seiner Frau geführt.
«Es macht keinen Sinn, wenn wir an zwei Orten Miete zahlen, wenn wir alles an einem Ort zentralisieren könnten.» Ausserdem wohnt er in Pfäffikon – der neue Standort wird für ihn persönlich also vieles vereinfachen.
Doch kommen auch wirklich mehr Kunden? «Das bleibt abzuwarten», zeigt sich Demuth noch etwas zurückhaltend. Er sieht in der Vertiefung der bestehenden Synergien zwischen dem Architekturbüro und 55 Grad Nord grosses Potenzial, beispielsweise im Bereich Mobiliar und Wohnungseinrichtung. Bereits heute besteht zwischen den beiden Unternehmen eine Zusammenarbeit, wie auf der Website des Architekturbüros ersichtlich ist.
Das neue alte Angebot
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass 55 Grad Nord eine Filiale in Pfäffikon betreibt. Erst 2016 schloss Demuth das Geschäft an der Seestrasse, damals mit der Begründung, dass er sich auf den Standort in Uster fokussieren möchte.
Nun soll es wieder zurück nach Pfäffikon gehen. Dort wird sich gegenüber dem aktuellen Konzept nicht viel ändern. 55 Grad Nord werde im Bereich SUP weiterhin auf die bestehende Kooperation mit den Seebadis Auslikon, Pfäffikon und Uster setzen, wo diese bereits heute die Vermietung der SUP-Geräte betreuten. Beim restlichen Angebot wird der Verlagerungstrend zu Möbeln weiter fortgeführt.
Der Laden in Pfäffikon soll mit frischem Wind in den Segeln starten: Demuth versucht derzeit, durch Räumungsverkäufe Material loszuwerden. «Mir ist es lieber, wenn ich etwas nicht siebenmal in die Finger nehmen muss. Ich mache lieber jetzt einen guten Preis und starte dann mit einer neuen Produktenladung.»
Mit dem gastronomischen Angebot «Hinterzimmer» ist vorerst Schluss. «In Uster habe ich Glück gehabt, dass die Gegebenheiten vor Ort gepasst haben», so Demuth.
Eine Bewirtung im Gastronomiebereich sei auch schwieriger, weil es dazu mehr Auflagen gebe als für einen Möbelladen. Ob und in welcher Form das «Hinterzimmer» zurückkehren werde, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen.