Sennerei Bachtel bezieht Stellung zu Fäkalbakterien-Fund in Rohmilchquark
Er hofft auf treue Kundschaft
Im Quark der Sennerei Bachtel in Hinwil wurden krankheitserregende Bakterien gefunden. Der Geschäftsführer spricht vom «schlimmstmöglichen Fall» – ein Berater vom Strickhof ordnet die Lage ein.
Am Abend des 8. April veröffentlichte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Warnung: Im Produkt «Demeter Quark Vollmilch», hergestellt in der Sennerei Bachtel in Wernetshausen, wurden krankheitserregende E.-coli-Bakterien (STEC) nachgewiesen.
Da die Fäkalbakterien Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auslösen können, wurde das Produkt umgehend von der für den Vertrieb zuständigen Bio Partner Schweiz AG aus dem Verkauf genommen und zurückgerufen. Die Produkte der Sennerei Bachtel sind ausschliesslich in Biofachläden erhältlich.
Betroffen sind die 180-Gramm- sowie die 500-Gramm-Gläser mit Mindesthaltbarkeitsdatum 23. April 2026. «Wir konnten das Risiko mittlerweile auf diese Charge eingrenzen. Die anderen Produkte wurden rückwirkend getestet und sind risikofrei», sagt Vital Brodbeck, Geschäftsführer der Sennerei Bachtel. Und: «Wir setzen alles daran, herauszufinden, wie die Verunreinigung passieren konnte.»
Wegen eines Verdachtsmoments
Das kantonale Labor, welches die Produkte regelmässig kontrolliert, hatte im Vorfeld aufgrund eines Verdachtsmoments eine grössere Kontrolle angelegt. Davon waren mehrere Hersteller von Rohmilchprodukten betroffen – auch die Sennerei Bachtel.
Im Zuge dieser Grosskontrolle sei die Verunreinigung des Quarks aufgefallen, und man habe die Sennerei informiert, erläutert Brodbeck. «Sobald wir davon erfahren haben, wurden umgehend Massnahmen eingeleitet.»
So hat die Sennerei Bachtel direkt die Bestände aller Rohmilchprodukte getestet und konnte dadurch die Verunreinigung auf den Rohmilchquark mit Mindesthaltbarkeitsdatum 23. April 2026 eingrenzen. Zudem wurden umgehend Laboranalysen bei den zehn Partnerbetrieben durchgeführt, welche die Sennerei beliefern.
Rohmilch ist anfälliger
E.-coli- beziehungsweise STEC-Bakterien befinden sich natürlicherweise im Darm von Kühen und gelangen meist über deren Kot in die Umwelt. Sind Milchprodukte mit den Bakterien verunreinigt, liegt der Ursprung oft im Stall, beim Melkprozess oder bei der Lagerung der Rohmilch. «Wir untersuchen gerade, wo der Fehler passiert ist», sagt Brodbeck.
Klar ist: Rohmilchprodukte sind anfälliger für Bakterienbefall, da sie nicht pasteurisiert werden. Bei der Pasteurisation würden alle krank machenden Keime abgetötet – «aber eben auch die Inhaltsstoffe, die wir an der Rohmilch schätzen», sagt Brodbeck.
Die Sennerei weise deshalb auf das Restrisiko bei der Rohmilch hin, sei aber weiterhin von dieser überzeugt. «Rohmilch ist ein tolles Produkt. Nicht umsonst sind wir dafür zertifiziert.»
«Wir sind im absoluten Ausnahmezustand»
Genau wegen der Verarbeitung der risikoreicheren Milch führe die Sennerei Bachtel auch starke Kontrollen durch. Neben den vorgegebenen Kontrollen, die zweimal monatlich von Amts wegen durchgeführt werden, macht die Sennerei zusätzlich regelmässig freiwillige Stichproben. «Bei Verdachtsmomenten noch mehr.»
Das gelte für alle Produkte, ebenso für die weiterverarbeiteten wie den betroffenen Quark. Dieser sei wegen der Säuerung eigentlich weniger anfällig für Bakterien: «Wir erzielen mit unserem ‹Demeter Quark Vollmilch› immer sehr gute Resultate.»
Dennoch kam es nun zu dem Vorfall, der Brodbeck und sein Team sehr erschüttert. «Jetzt ist leider das Schlimmste passiert, was passieren kann – das tut mir sehr leid. Wir sind in der Sennerei im absoluten Ausnahmezustand.»
Ein Einzelfall – hoffentlich
Dafür wurden neben den Produkttests auch gleich Einzelkontrollen bei den zehn Partnerbetrieben entnommen, welche die Milch liefern. «Auf diese Analyse warten wir jedoch acht bis zehn Tage. So lange sitzen wir nun auf Nadeln», sagt Brodbeck.
Sobald klar sei, aus welchem Betrieb die verunreinigte Milch stamme, könnten weitere Massnahmen eingeleitet werden. «Dann müssen wir mit dem betroffenen Milchbauern schauen, wie es zur Verunreinigung kommen konnte.»
Nun hofft Brodbeck auf aussagekräftige Ergebnisse, die es ihm und seinem Team ermöglichen, die Schwachstelle im System für die Zukunft zu schliessen.
«Wir entschuldigen uns für diesen Fauxpas und hoffen, dass es dank der Analyse bei einem Einzelfall bleibt. Umso mehr hoffen wir nun auf treue Kundschaft, die unsere Transparenz schätzt und auch weiterhin auf unsere Produkte setzt.»
Ein lebendes Produkt
Zur fachlichen Unterstützung bei der Aufarbeitung des Falls sowie zur Sicherstellung der aktuellen Produktionskette steht der Sennerei Bachtel Ernst Friedli, milchwirtschaftlicher Berater vom Strickhof Lindau, zur Seite.
Als beim Kanton angesiedelter Mitarbeiter kümmert er sich um die Beratung in diversen Belangen rund um Milch: von der Milchproduktion über die Milchverarbeitung, das Gewerbe bis zur milchwirtschaftlichen Ausbildung in diesen Bereichen. «Meine Aufgaben in der Sennerei Bachtel sind aktuell, sofortige und weiterführende Massnahmen zu betreuen», sagt Friedli.
Grundsätzlich stünden die Erhaltung und die Sicherung der Qualität stets im Vordergrund im Umgang mit Milchprodukten. «Das ist ein Credo, das von den von uns betreuten Produzenten auch wirklich gelebt wird.» Dennoch müsse man bedenken, dass mit einem lebenden Produkt gearbeitet werde, selbst dann, wenn es sich um pasteurisierte Produkte handle – und umso mehr bei Rohmilchprodukten. «Und da sind immer alle Beteiligten täglich gefordert.»