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Erwartung vs. Realität

Warum Fleischli im Hochbord schon wieder schliesst – und Hotz zulegt

«Hotz» und «Nors Bakery» haben ihre Anfangsschwierigkeiten im Dübendorfer Hochbord überwunden. Weshalb die Bäckerei Fleischli ihre Zelte so früh abbricht, kann die Konkurrenz nicht verstehen.

Noch bis Ende April, dann soll im Hochbord Schluss sein für die Bäckerei-Conditorei Fleischli.

Foto: David Marti

Warum Fleischli im Hochbord schon wieder schliesst – und Hotz zulegt

Erwartung vs. Realität

Hotz und Nors Bakery haben ihre Anfangsschwierigkeiten im Dübendorfer Hochbord überwunden. Weshalb die Bäckerei-Conditorei Fleischli ihre Zelte so früh abbricht, kann die Konkurrenz nicht verstehen.

Im Quartier Hochbord sind 2024 mit dem Bau der Three Point Tower auf einen Schlag 400 Wohnungen entstanden. Für die umliegenden Bäckereien bringen sie mit den neu Zugezogenen viel potenzielle Kundschaft.

Für die Bäckerei-Conditorei Fleischli ist diese Rechnung allerdings nicht aufgegangen. Vor einem Jahr hatte Unternehmer Konrad Pfister die Filiale mit Aussensitzplätzen eröffnet. Per Ende April schliesst der Laden im Hochbord bereits wieder, wie kürzlich der «Tages-Anzeiger» berichtete.

Für eine Stellungnahme gegenüber dieser Redaktion war Konrad Pfister nicht erreichbar. Im Beitrag des «Tages-Anzeigers» sagte er, dass die Kundenfrequenz zu Beginn gut gewesen sei, doch während der Ferien sei sie jeweils stark eingebrochen.

Unter der Woche kamen Büroangestellte, am Wochenende dagegen lief wirklich nichts.

Ernst Hotz

Inhaber Konditorei Hotz

Für die Bäckerei-Conditorei Fleischli sei der Standort ein Test gewesen. «Wir wollten schauen, ob es funktioniert», sagte Pfister. An der Sonnentalstrasse 12 teilt er sich das Lokal mit dem Foodunternehmen Tenz Momo.

Durststrecke überwunden

Erstaunt über den Rückzug seines Konkurrenten zeigt sich Ernst Hotz, Inhaber von neun Ladencafés unter seinem Namen. «Ich verstehe nicht ganz, weshalb es ihm dort nicht läuft. Bei uns zeigt der Umsatzpfeil steil nach oben.» Im Wissen, dass im Hochbord viele neue Wohnungen entstünden, habe er selber nie daran gedacht, die Filiale gleich neben dem Bahnhof Stettbach aufzugeben.

Allerdings war das Quartier für den Bäckereiunternehmer nicht von Anfang an eine Goldgrube. Der Start sei schwierig gewesen, erzählt Hotz, der bereits seit gut vier Jahren den Laden in der Überbauung Stettbach Mitte betreibt.

In dem Gebiet habe anfangs schlicht das Umfeld gefehlt. «Unter der Woche kamen Büroangestellte, am Wochenende dagegen lief wirklich nichts.» Der Samstag sei der schwächste Tag gewesen, am Sonntag sei zwischenzeitlich sogar die Filiale geschlossen worden. «Nach dem ersten Jahr fiel ein Verlust an, das zweite Jahr war immerhin fast eine Nullrunde.»

Der grosse Wendepunkt kam mit der Besiedlung der Three Point Tower. Je mehr Wohnungen bezogen wurden, desto stärker stieg die Frequenz im Laden.

Mit Negativbewertungen zu kämpfen

Mit der Migros hat der Bäckereiunternehmer einen Konkurrenten in unmittelbarer Nähe, der seit letztem Jahr ein Billigbrot anbietet. Für Hotz ist das allerdings kein grundsätzliches Problem: «Entscheidend ist bei uns, ob wir bedienungsfreundlich sind und die Qualität stimmt – dann ist der Preis sekundär.»

Hotz’ Filiale im Hochbord fällt jedoch in den Online-Bewertungen verglichen mit seinen anderen Bäckereien ausgerechnet im Punkt Bedienungsfreundlichkeit etwas ab. Dafür zeigt der Unternehmer kein Verständnis. Bewertungen seien «immer sehr subjektiv»; manche würden gezielt «ein bisschen schaden» wollen.

Eine Bäckerei in Dübendorf
Nach anfänglichen Schwierigkeiten läuft es nun für die Konditorei Hotz im Hochbord rund.

Vom Branchenstandard setzt sich das Ladencafé mit Tischbedienung statt Buffet ab. «Dadurch sind wir auch ein bisschen teurer», sagt Hotz. Gleichzeitig hat er die zuvor dem Wind ausgesetzte Terrasse mit Glasscheiben und Begrünung ausbauen lassen. Nun sei Stettbach derzeit die Filiale, die am meisten zulege.

Einzig in den Sommermonaten bleibt der Laden am Sonntag nur bis 14 Uhr geöffnet. An heissen Tagen gingen die Leute am Nachmittag lieber in der umliegenden Natur spazieren, sagt Hotz.

Versteckte vegane Bäckerei

Seit fast zwei Jahren ist die Nors Bakery, die anfangs noch White Rabbit hiess, im Dübendorfer Hochbord-Quartier zu Hause. Auf die Frage, wie das Geschäft so laufe, kommt am Telefon ein «pretty great» von Filialleiterin Signe Bryde. Hier wird Englisch gesprochen, aber nicht nur. Die gebürtige Dänin Bryde kann auch ein wenig Deutsch und sogar Schweizerdeutsch, was sie gleich mal zum Besten gibt: «Grüezi, hoi zäma.»

«Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es uns gibt.

Signe Bryde

Filialleiterin Nors Bakery

Doch am Anfang war es auch für die Nors Bakery schwierig. Etwas zu versteckt sei der Laden, sagt Bryde. Der Standort an der Zukunftstrasse 11 in der Überbauung Westhof ist in der Tat nicht so leicht zu finden. Doch mit dem Lycée Français und dem Jabee-Hochhaus stehen zumindest gut bevölkerte Gebäude in der Nähe. «Aber es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass es uns gibt. Nun haben wir viele Stammkunden.»

Eine Bäckerei in Dübendorf
Die Nors Bakery an der Zukunftstrasse 11 ist etwas versteckt am Stadtrand und nicht gleich als Bäckerei erkennbar.

Die Nors Bakery hebt sich von den anderen Bäckereien in der Umgebung ab, indem sie rein vegane Produkte anbietet. Zudem hat sich der Laden auf skandinavische Produkte wie Zimtschnecken und Kardamombrötchen spezialisiert. Dies macht sich laut Bryde auch in der Backstube bemerkbar, wo Mitarbeiter aus Schweden und Norwegen stammen. Aber im Laden braucht es auch Schweizer Mitarbeitende.

Der Laden will übrigens mehr sein als nur ein Ort für Backwaren. Für Frühling und Sommer seien über zehn Veranstaltungen wie beispielsweise Back-Workshops geplant, sagt Bryde. «Um hier in Dübendorf mehr Leben reinzubringen.»

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