Beizer des Cafés am See in Pfäffikon hat Löhne nicht bezahlt
Bilanz deponiert
Joel Steiner hat sein Lokal an der Speerstrasse in Pfäffikon geschlossen. Die Bilanz der Firma wurde deponiert. Nur: Ehemalige Angestellte warten immer noch auf ihre Löhne.
Wenn Joel Steiner spricht, dann klingt das zumeist vollmundig und von sich überzeugt. «Ein Restaurant funktioniert wie jedes andere Unternehmen auch: Es braucht die richtigen Leute in den richtigen Positionen. Essenzielle Dinge wie Buchhaltung oder Personalwesen gehen oft unter und bringen die Gastrobetriebe irgendwann in Schwierigkeiten.» Dieses Zitat stammt von unserem Artikel über «Schneiders Quer» vom 21. März 2025.
Steiner hatte soeben das Lokal aus der Konkursmasse von Gründer Roland Schneider herausgelöst und wollte im Pfäffiker Industriequartier durchstarten. Die «beste Pizza im Oberland» versprach der 31-Jährige – und dass er den Betrieb «fit für die Zukunft und krisenresistent» machen werde.
Nach elf Monaten war Schluss
Nicht einmal ein Jahr später hat der Betrieb mit Schaubäckerei, Gastronomie und Hotellerie seine Zukunft unter Joel Steiner bereits wieder hinter sich. Ende Februar war Schluss. Schuld waren die anderen. Lieferanten, die auf Barem bestanden, ein Hotel, das mangels eines funktionierenden Zutrittssystems während zweier Monate keine Gäste empfangen konnte, und vor allem der Mangel an gewerblichen Abnehmern der Backwaren, die sein Team in der grossen Bäckerei und Konditorei herstellte – oder vielmehr herstellen sollte. «Wir hatten nie eine Chance», sagte Steiner zu uns, als er die Schliessung des Lokals publik machte.
Er sagte aber auch: «Ich will hier erhobenen Hauptes rausgehen – mit bezahlten Löhnen und Sozialleistungen für meine Mitarbeitenden.»
Unbezahlte Löhne
Doch dem ist nicht so. Steiner schuldet Mitarbeitenden, die bis zum bitteren Ende an der Speerstrasse tätig waren, die Januar- und Februarlöhne. Darunter sind auch Alleinerziehende mit Kindern, die nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Uns liegen Whatsapp-Verläufe vor, in denen verzweifelte Mitarbeitende erfolglos versuchen, den Unternehmer zu erreichen. Und Antworten mit der Bitte um Geduld, ihm fehle das Geld, um Löhne zu bezahlen.
Am Ende waren es noch 15 Mitarbeitende, die einen seit Herbst 2025 reduzierten Betrieb aufrechterhielten. «Es gibt leider ausstehende Löhne», sagt Joel Steiner, als wir ihn mit der unangenehmen Tatsache konfrontieren. «Allerdings betrifft das nicht alle Mitarbeitenden der Bäckerei Schneiders Quer.» Zudem habe er selbst seit Monaten keinen Lohn erhalten, sagt der Jungunternehmer.
Man habe versucht, mit allen Mitarbeitenden eine faire Lösung zu finden, so Steiner. «Und da gab es welche, deren Stundensaldo hochrot war.» Eine Aussage, die die Mitarbeitenden, mit denen wir sprachen, mit Vehemenz von sich weisen. «Ich habe zwei Tage lang nur geweint», sagt eine ehemalige Angestellte, die auf zwei Monatslöhne wartet.
Ob die ausstehenden Löhne jemals bezahlt werden, ist fraglich. Steiner verweist auf den Treuhänder der Firma und argumentiert: Man müsse zwischen natürlichen und juristischen Personen unterscheiden.

Und da die Bilanz der Bäckerei Schneiders Quer AG seit letztem Freitag deponiert sei, dürfe auch die Firma keine Zahlungen auslösen. Eine Firma, aus der Steiner im Dezember 2025 ausgeschieden war und die heute auf seine Mutter Manuela Steiner als alleinige Verwaltungsrätin eingetragen ist. Dazu später mehr.
225’000 Franken entgangene Mieteinnahmen
Während die früheren Mitarbeitenden noch hoffen, dereinst ihre Löhne zu erhalten, sieht es für die Vermieterschaft anders aus. Mit dem Besitzer der Liegenschaft im Pfäffiker Industriegebiet konnte sich Steiner mittels Saldovereinbarung einigen. Der Vermieter verzichtet damit auf Mieteinnahmen von rund 225’000 Franken.
Ohne Rechnung keine Zahlung
Wer sich unter den Mitarbeitenden umhört, der kommt zum Schluss, dass das Ende von «Steiners Bakery» weitgehend hausgemacht war. «Wir wollten ihm helfen, aber er hat nicht auf uns gehört.» – «Er hat einfach keine Entscheidungen getroffen.» – «Er hat seine Angestellten schlecht behandelt.»
Das sind nur drei Aussagen von verschiedenen Menschen, die in den letzten elf Monaten mit Steiner zu tun hatten. Offen sprechen will niemand. Wie gross die Probleme waren, zeigt das Beispiel des einzigen gewerblichen Kunden, den Steiner im vergangenen Sommer hatte.
Nachdem mehrfach Lieferungen ausgefallen waren, weil die Backstube nicht besetzt war, beendete das Unternehmen die Zusammenarbeit. «Joel hat uns gesagt, er sei froh darüber. Die Firma habe nie bezahlt», erzählt eine frühere Mitarbeiterin. «Sie konnte gar nicht zahlen, denn sie hatte nie eine Rechnung erhalten …»
Die Rolle von Steiners Mutter
Steiner hat in den letzten Jahren mehrere Firmen gegründet, die in der Gastronomie tätig sind. Ein Blick ins Schweizerische Handelsregister fördert Erstaunliches zutage. Die von ihm gegründeten Firmen hat Steiner seit Dezember 2025 an seine Mutter Manuela Steiner übertragen. Sein Name taucht nur noch unter «inaktiv» auf. Über die Gründe dieser Transaktionen schweigt Steiner.
«Auf mich wirkt das so, als würde jemand seine Spuren verwischen und möchte gleichzeitig die Fäden in der Hand halten», sagt ein Jurist, der sich ebenfalls nur anonym äussern will.
Zudem wurde die Studio Steiner AG, an der «Steiners Bakery» hing, am 20. Januar in die Bäckerei Schneiders Quer AG umbenannt, die nun ihre Bilanz deponiert hat. Das frühere «Querli», das heute Café am See heisst, ist einer Steiner-Firma namens Aerni & Schwarz GmbH angegliedert. Auch dort ist Manuela Steiner Gesellschafterin und Geschäftsführerin mit Einzelunterschrift.
Das Domizil der Aerni & Schwarz GmbH ist laut Handelsregister nach wie vor die Privatadresse von Joel Steiner.
Das Café am See
Das Café am See (das an der Seestrasse 40 und damit rund 150 Meter vom See entfernt ist) führt Steiner als Teil eines vierköpfigen Teams, das neben Manuela Steiner noch zwei ehemalige Angestellte von der Speerstrasse umfasst. Die Backwaren werden von der Bäckerei Janz in Wila geliefert, der Kaffee kommt von der lokalen Rösterei Cafiosa. Am 1. März feierte Steiner die Eröffnung des kleinen Lokals mit Kaffee für einen Franken.

