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Rezyklierte Edelfaser

Das Monkky in Illnau findet seine Nische im Kaschmirkreislauf

Statt auf Luxusmode im Kreislauf setzt das Monkky aus Illnau nun auf nachhaltigen Kaschmir. Dafür besuchte die Gründerin eine Fabrik in Pakistan. «Überraschung» inklusive.

Fabienne Montepeque ist Gründerin des Secondhandshops Monkky.

Foto: Mel Giese Pérez

Das Monkky in Illnau findet seine Nische im Kaschmirkreislauf

Rezyklierte Edelfaser

Statt auf Luxusmode im Kreislauf setzt das Monkky aus Illnau nun auf nachhaltigen Kaschmir. Dafür besuchte die Gründerin eine Fabrik in Pakistan. «Überraschung» inklusive.

Einst stand der Showroom in Bisikon, nun befindet sich die Ware in Illnau. Das Monkky ist ein Secondhandshop, der sich mit seinem nachhaltigen Konzept profiliert. Von der Gründung 2019 bis 2024 handelte das Ehepaar Fabienne und Julio Montepeque noch mit Secondhandware oder Stücken aus Liquidationen, die nicht verkauft wurden.

Sie stöberten durch Berge von Kleidung und stellten eine Auswahl an «sorgfältig kuratierter Mode» zusammen. Denn Kleider gibt es auf der Welt schon genug. Ihr Konzept war einfach: Kleidung zirkulieren lassen. Sie bedienten sich ausnahmslos an Stücken, die sich bereits in der Schweiz befanden – darunter eine Menge Luxusmarken. Ausschlaggebend war die Qualität.

Von den Luxusmarken zur teuren Faser

Doch im letzten Jahr überarbeiteten die Montepeques das Konzept. «Nicht, weil wir unsere Stücke nicht verkaufen konnten», sagt Fabienne Montepeque. Sie fokussierten sich lediglich auf ein bestimmtes Material: Kaschmir.

So handelt Monkky nicht mehr mit Marken aus dem Luxussegment, sondern mit der Edelfaser, die von der gleichnamigen Ziege stammt. Die Wolle hat dementsprechend ihren Preis. «Kaschmir hat eine aussergewöhnliche Qualität», sagt die Monkky-Gründerin. Am Grundprinzip hat sich jedoch wenig geändert. «Wir wollen qualitativ hochstehende Produkte weiterleben lassen.»

Die Kritik an Kaschmir

Kaschmir ist eine Edelfaser, die von der Kaschmirziege gewonnen wird. Die Ziege stammt aus der gleichnamigen Region westlich des Himalaja. Bei der feinen Wolle, die für Pullover oder Schals genutzt wird, handelt es sich um den weichen Untermantel, für welchen die Ziegen gekämmt und geschoren werden. Jedoch werden die Tiere oft unter prekären Bedingungen gehalten. Sie werden während der Wollgewinnung häufig verletzt und im Anschluss nicht behandelt. Auch werden sie auf kleinstem Raum gehalten oder müssen sich extremem Wetter stellen. Sie können sogar an einem Kälteschock sterben – vor allem nach dem Verlust des Untermantels. Deswegen wird die Kaschmirproduktion oft scharf kritisiert. Kaschmirziegen können bis zu zwölf Jahre alt werden. In der Industrie werden sie allerdings geschlachtet, sobald die Qualität ihrer Wolle nachlässt. (mgp)

Nach wie vor verkauft Monkky Secondhandware. Auch bei einem langlebigen Material wie Kaschmir werden viele gut erhaltene Kleidungsstücke weggegeben. Genau diese Stücke wählen die Montepeques gezielt nach Zustand und Marktwert aus, um sie neu einzuordnen und erneut in den Kreislauf zu bringen.

Klare Linie, bessere Vermarktung

Für den Shop bedeutet die Neuausrichtung eine klare Linie. «Auch marketingtechnisch hat das viele Vorteile», erklärt Fabienne Montepeque. Secondhandläden mit einem breiten Sortiment gebe es schon viele. Der Markt verändere sich rasant, und es brauche ein Profil, das langfristig Bestand habe.

Wieso das ausgerechnet Kaschmir ist, kann die Gründerin nicht abschliessend erklären. «Er ist weich, angenehm auf der Haut und sehr langlebig», sagt sie. «Es ist einfach mein Karma-Material.»

Man sieht einen Stapel mit Kaschmirpullovern.
Das Monkky verkauft nun hauptsächlich Kleidungsstücke aus Kaschmirwolle.

Die Kundschaft im Monkky hat sich nach der Umstellung kaum verändert. Stammkundinnen kämen weiterhin regelmässig vorbei. «Vielleicht auch, weil es keinen klassischen Kaschmir-Secondhandladen gibt.» Früher konnten Kundinnen ihre Kleidungsstücke auch zum Weiterverkauf bringen. «Heute geschieht das eher wenig, da nicht viele Leute eine Ladung Kaschmir loswerden wollen.»

Eine nachhaltige Quelle im Fernen Osten

Kaschmir hat es der Unternehmerin angetan – was nicht nur an der Materialeigenschaft liegt. Doch ganz so einfach sei es nicht, an gebrauchte Kaschmirkleidungsstücke zu gelangen. Lange suchte sie nach geeigneten Lieferanten und stiess erst auf Textilfabriken, die die Faser zwar rezyklieren, aber keine Kleidungsstücke aussortieren, die noch getragen werden können. Fündig wurde sie bei einem Familienbetrieb in Pakistan.

Allein machte sich Montepeque auf nach Karatschi, in die grösste Stadt Pakistans, wo sie herzlich empfangen wurde. Der Familienbetrieb, auf den sie bei ihrer Recherche gestossen war, rezykliert nicht nur Kaschmir, sondern auch andere Wollarten. Ausserdem handelt er mit intakten Kleidungsstücken und verwertet kaputte Ware, indem er diese wieder zu Garn verarbeitet und so rezykliert.

Die Monkky-Gründerin war überzeugt, dass der Betrieb ihre Auffassung von Nachhaltigkeit teilt: «Bestehendes Material zirkuliert und darf weiterleben, ohne der Umwelt zu schaden.»

Anschläge in Kaschmir, Angst in Pakistan

Montepeque war glücklich über ihren neuen Lieferanten. Sie hatte sich jedoch einen ungünstigen Zeitpunkt für ihren Besuch ausgesucht, der ihr dann schliesslich auch «Probleme bereitete» – milde ausgedrückt.

Denn am 22. April 2025 wurde in der Region Kaschmir in Indien – etwa 1000 Kilometer von Karatschi entfernt – ein Anschlag verübt. 26 indische Touristen wurden von einer terroristischen Gruppe getötet. Die Region Kaschmir ist schon seit vielen Jahren ein heikles Gebiet, wo der lang währende Konflikt zwischen Indien und Pakistan immer wieder aufbrodelt.

Die Region Kaschmir

Das Gebiet Kaschmir gehört offiziell zu Indien, das jedoch nur über etwa die Hälfte herrscht. Ein Teil liegt unter der Kontrolle von Pakistan, ein weiterer wird durch China beherrscht. Jedoch streiten sich vor allem Indien und Pakistan über das Gebiet – der Ursprung ist auf die britische Kolonialzeit zurückzuführen.

Fabienne Montepeque kam am 30. April in Karatschi an. Schon bald sah sie in den Nachrichten: Die indische Regierung wollte einen Vergeltungsanschlag verüben. Was sie auch tat. Am 7. Mai bombardierte Indien mehrere Ziele im pakistanisch kontrollierten Teil Kaschmirs.

«Ich würde jederzeit zurückkehren»

Der pakistanische Luftraum war während Montepeques Aufenthalt immer wieder gesperrt, eine Ausreise war zeitweise nicht möglich. «Es war eine besondere Situation», erzählt sie. «Noch kein akuter Ausnahmezustand, aber ein mulmiges Gefühl – vor allem weil man sich in einem Land befand, dessen Nachbarländer keine wirkliche Ausweichstrategie boten.»

Gleichzeitig hatte sie so viele herzliche Bekanntschaften geknüpft, die ihr Orientierung und Sicherheit gaben. «Manchmal wusste ich nicht, ob am Himmel Vögel oder Drohnen flogen», erklärt sie. «Meine Bekannte sagte, das sei für sie nichts Ungewöhnliches.»

Am 9. Mai gelang der Unternehmerin mit einem der wenigen Flieger, die das Land verlassen durften, die Ausreise nach Doha in Katar. Dort musste sie zwei Tage ausharren, bis sie wieder in die Schweiz fliegen konnte. «Ich war erleichtert, wieder bei meiner Familie zu sein», sagt Montepeque. «Doch nach Karatschi würde ich jederzeit zurückkehren.»

Kritikpunkte sind ihr bewusst

Der Betrieb ist jetzt ihr Hauptlieferant. Über mögliche Kritiken zum Tierwohl ist sie sich bewusst. «Gerade deshalb ist mir das Rezyklieren des Materials wichtig», sagt die Monkky-Gründerin. Mit dem «circular cashmere» wolle sie einer neuen Produktion entgegenwirken.

Auch ihre anfänglichen Vorbehalte gegenüber den Arbeitsbedingungen in Pakistan hätten sich als unbegründet erwiesen: «Ich war gespannt, was mich erwarten würde.» Statt dunkle Fabrikhallen habe sie helle, grossräumige Produktionsstätten vorgefunden.

Bilder aus der Textilfabrik, wo der Kaschmir rezykliert wird.
Fabienne Montepeque hatte von der pakistanischen Fabrik einen guten Eindruck.

Die Mitarbeiter hätten regelmässige Pausen erhalten und gemeinsam Mittag gegessen. «Kein Betrieb ist perfekt», sagt Montepeque. «Aber das ist ein Unternehmen, hinter dem ich stehen kann.»

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